Plastikmüll: Hoher Verbrauch von dünnen Tüten

Plastikbeutel für Obst und Gemüse im Supermarkt

Plastikmüll: Hoher Verbrauch von dünnen Tüten

  • Plastikbeutel für Obst und Gemüse bei Verbrauchern beliebt
  • 2018 mehr als drei Milliarden "Hemdchenbeutel" in Deutschland benutzt
  • Mehrwegnetze als Alternative

"Hemdchenbeutel" heißen die dünnen Plastiktüten für Obst und Gemüse. Sie erfreuen sich ungebrochen großer Beliebtheit. Im vergangenen Jahr nutzte jeder Verbraucher im Schnitt rund 37 Hemdchenbeutel, nur zwei weniger als 2017.

Insgesamt wurden 2018 bundesweit etwas mehr als drei Milliarden Stück verwendet. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine FDP-Anfrage hervor, die dem WDR vorliegt.

"Hemdchenbeutel" nicht nur für Obst und Gemüse

"Die werden weiterhin sehr gerne genommen", erzählt auch der Neusser Supermarktleiter Steffen Kraschel dem WDR am Dienstag (04.06.2019). Kraschel beobachtet immer wieder, dass Kunden mehrere der kostenlosen Tütchen nutzen, um ihre Einkäufe zu verstauen.

"Das ist natürlich nicht Sinn und Zweck der Sache", so Kraschel. Einfach abschaffen wolle der Handel die Tütchen aber auch nicht, um Kunden nicht zu verschrecken.

Halb so viele Plastiktüten

Nach Angaben der Bundesregierung haben die Deutschen 2018 mehr Hemdchenbeutel als in den Jahren 2016 und 2015 genutzt, als der Pro-Kopf-Verbrauch bei gut 36 Stück lag. Der Verbrauch von schweren Plastiktüten hat sich dagegen von 2016 bis 2018 fast halbiert von 45 auf 24 Stück – vor allem wohl, weil diese nicht mehr kostenfrei zu haben sind.

"Die Hemdchentüten sind jedoch nicht Bestandteil der freiwilligen Vereinbarung zwischen Handel und Bundesumweltministerium von 2016", so Elke Salzmann von der Bundesverbraucherzentrale gegenüber dem WDR.

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Sind Papiertüten eine Alternative?

Auch Papiertüten sind Einwegtüten, sagt der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Für Papiertüten aus frischen Fasern würden zudem wertvolle Holzrohstoffe genutzt.

Laut Umweltbundesamt schneiden Papiertüten ökologisch nur dann besser ab, wenn sie aus Recyclingmaterial sind. Als Müll zersetzt sich die Papiertüte aber und ist insofern besser als die Plastiktüte.

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Was ist mit Tüten aus Bio-Kunststoff?

Sie werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, der Produktionsaufwand ist jedoch groß. Zudem funktioniere die Verwertung nicht, meint die Verbraucherzentrale. In Kompostieranlagen seien sie unerwünscht, da sie von herkömmlichen Plastiktüten nicht zu unterscheiden seien.

Mehrwegnetze als Empfehlung

"Eine umweltfreundliche Alternative sind Mehrwegnetze", meint Verbraucher-Expertin Salzmann. So sieht das auch der Neusser Supermarktleiter. "Unsere Obst- und Gemüsenetze werden sehr gut angenommen", berichtet er. Salzmann schägt zudem vor, das System der Mehrwegnetze auszubauen: "Es muss auch möglich sein, diese Netze im Handel zurückzugeben."

Warum Plastiktüten verbieten nur der Anfang sein kann Westpol 19.05.2019 UT DGS Verfügbar bis 19.05.2020 WDR

Stand: 04.06.2019, 16:09

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