Streit um Dreadlocks: "Fridays for Future" lädt Musikerin aus

Stand: 24.03.2022, 15:52 Uhr

Dürfen weiße Menschen Dreadlocks tragen? Nein, meint eine lokale Gruppe von "Fridays for Future" - und hat einen Auftritt der Musikerin Ronja Maltzahn abgesagt. Das sorgt für Diskussionen.

Die weiße Musikerin Ronja Maltzahn darf nach einem Entschluss von "Fridays for Future" wegen ihrer Dreadlocks nicht wie zunächst geplant bei einer Demonstration in Hannover auftreten. Die Ortsgruppe der Klimaschutzbewegung in Hannover sagte einen Auftritt der 28-Jährigen an diesem Freitag in der Innenstadt ab, wie die Gruppe am Mittwoch auf ihrer Website mitteilte.

Die Begründung: Dreadlocks seien in den USA ein Widerstandssymbol der Bürgerrechtsbewegung schwarzer Menschen. "Wenn eine weiße Person also Dreadlocks trägt, dann handelt es sich um kulturelle Aneignung, da wir als weiße Menschen uns aufgrund unserer Privilegien nicht mit der Geschichte oder dem kollektiven Trauma der Unterdrückung auseinandersetzen müssen", schrieben die Klimaschützer.

Fridays for Future: "BiPoC’s Raum geben"

Maltzahn hatte die Absage selbst auf ihren Social-Media-Kanälen öffentlich gemacht. Die Musikerin reagierte betroffen: "Wir hatten uns darauf gefreut, ein Zeichen für Frieden und gegen Diskriminierung mit unserer Musik setzen zu dürfen. Schade dass wir aufgrund von äußerlichen Merkmalen davon ausgeschlossen werden."

"Fridays for Future Hannover" erklärte zu der Absage, es sei der Gruppe wichtig, "BiPoC’s (Schwarze, indigene und People of Color) Raum innerhalb der Klimagerechtigkeitsbewegung zu geben", der ihnen bis jetzt nicht genug eingeräumt worden sei. Die Aktivisten baten die Musikerin aber auch um Entschuldigung.

Maltzahn: "Überrascht und schockiert"

In einer Chat-Nachricht an Maltzahn hatte die Gruppe ihr die Absage mitgeteilt, gleichzeitig aber gesagt, dass ein Auftritt möglich sei, wenn sie sich bis Freitag ihre Dreadlocks abschneide. Dieser Vorschlag sei ein Eingriff in die Privatsphäre der Künstlerin gewesen, der so nicht hätte passieren dürfen, teilte Fridays for Future später mit.

Die Absage habe sie "überrascht und auch ein wenig schockiert", sagte Maltzahn. Vor allem die Ansprache habe sie als unsensibel empfunden. "Dass wir grundsätzlich in unserer Gesellschaft genau gucken, wo steckt überall Diskriminierung drin, das befürworte ich sehr." Aber es sei auch wichtig, den Kontext dabei nicht außer Acht zu lassen.

Sängerin teilt Werte von "Fridays for Future"

Die Sängerin Ronja Maltzahn möchte eine Eskalation des Streits nach Möglichkeit verhindern. Sie freue sich darauf, in der kommenden Woche mit der Hannoverschen Ortsgruppe von "Fridays for Future" ausführlicher und strukturierter als bisher zu dem Thema ins Gespräch zu kommen, sagte sie in einer am Mittwochabend verbreiteten Videobotschaft.

Die Sängerin, die in Münster lebt, unterstrich in ihrer Videobotschaft, dass sie die Werte von "Fridays for Future" teile. Sie wünsche nicht, dass die Organisation schlecht gemacht und Opfer eines Shitstorms werde. "Ich möchte euch alle dazu einladen, auf eine respektvolle Art und Weise miteinander ins Gespräch zu kommen." Die Frage, wo Diskriminierung anfange, müsse diskutiert werden.

Battle auf Twitter

Im Netz läuft diese Debatte bereits. Bei Twitter kommentierte Stephan Brandner, stellvertretender AfD-Bundessprecher und Gegner von "Fridays for Future", die Umweltbewegung verschlinge die eigenen Kinder. Doch auch Sympathisanten von "Fridays for Future" äußerten Kritik.

DenniKBerlin wies mit einer Bild-Montage daraufhin, dass auch Carola Rackete schon bei "Fridays for Future" aufgetreten ist - mit ihren Dreadlocks.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Andere reagierten auf die Argumentation von "Fridays for Future Hannover" mit aufklärerischem Spott. Ladyaltona verwies auf ihren allmorgendlichen Kampf mit ihren Locken.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Und doodlbrink gab eine kleine Geschichtslektion in Form eines Artworks und wies auf die Frisur von König Christian IV. von Dänemark und Norwegen hin.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Fridays for Future lädt weiße Sängerin mit Dreadlocks aus

WDR 3 Resonanzen 24.03.2022 06:57 Min. Verfügbar bis 24.03.2023 WDR 3


Download

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen