Unterwegs auf dem Rad – stehende Autos sind eine große Gefahr

Ein Mensch auf einem Fahrrad, der gerade einer geöffneten Autotür ausweicht.

Unterwegs auf dem Rad – stehende Autos sind eine große Gefahr

  • Steigende Zahl von Unfällen mit Radfahrern
  • Parkende Autos lassen Radfahrern zu wenig Platz
  • "Dooring" stellt besonders große Gefahr dar

Radfahrer in NRW leben gefährlich. Eine große Gefahr geht dabei von parkenden Autos aus. Die sind für Radfahrer häufiger ein Problem als bislang bekannt – egal ob Falschparker oder nicht.

Ein Crashtest-Dummy auf einem Fahrrad fährt gegen eine geöffnete Autotür.

Crash-Test in Münster

Insgesamt steht fast jeder fünfte Rad-Unfall im Zusammenhang mit parkenden Autos. Das stellt eine Studie der Unfallforscher der Versicherer fest, die am Dienstag (14.07.2020) in Münster vorgestellt worden ist. Die Hälfte der Unfälle zwischen Fahrrad und parkendem Auto passieren laut Studie, wenn Autofahrer unachtsam eine Tür öffnen. Dies wird auch als "Dooring"-Unfall bezeichnet.

Unfälle mit Fußgängern rückläufig

Ein Fahrradfahrer beschwert sich über eine offene Autotür (Symbolbild).

Horror für Radfahrer - plötzlich geht eine Autotür auf

Einige dieser "Dooring"-Unfälle sind so schlimm, dass sich Radfahrer schwer verletzen oder sogar dabei ums Leben kommen. Viele Autofahrer würden einfach nicht gut genug aufpassen, sagt der Unfallforscher und Leiter der Studie, Siegfried Brockmann.

Die Zahl der Unfälle mit Radfahrern steigt entgegen dem Trend. Allgemein geht die Zahl der Unfälle im Straßenverkehr zurück. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr etwa 20 Prozent mehr Unfälle mit Radfahrern im Vergleich zum Jahr 2000 erfasst. Die Unfälle mit Fußgängern haben dagegen abgenommen, um etwa 20 Prozent.

Auto- und Fahrradfahrer: "Viel zu geringer Abstand"

WDR 5 Morgenecho - Interview 14.07.2020 07:41 Min. Verfügbar bis 14.07.2021 WDR 5

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Kommunen könnten mehr Platz schaffen

Die Unfallforscher fordern die Kommunen auf, Radwege zu verbreitern und Mindestabstände zu den Parkbuchten zu vergrößern – von 50 Zentimetern auf 75 Zentimeter.

"Die Kommunen haben eigentlich den Schlüssel selbst in der Hand", sagt Siegfried Brockmann. Sie könnten Radwege und Parkbuchten verbreitern, sodass mehr Platz für alle Beteiligten sei. "Wir fordern mindestens 75 Zentimeter Sicherheitsabstand."

Parkende Autos versperren Fußgängern die Sicht

Fußgänger haben dagegen Probleme mit Autos, die direkt an Kreuzungen parken und damit die Sicht auf den einbiegenden Verkehr verdecken.

Ein weiteres Problem: Parken in zweiter Reihe. Auch dadurch wird vielen Fußgängern die Sicht versperrt.

Appell an Autofahrer: Lernt den "Holländischen Griff"

Eine andere Lösung verspricht zum Beispiel der "Holländische Griff". Dieser sorgt dafür, dass ein Autofahrer den Schulterblick macht und so einen Radfahrer leichter erkennt.

Dabei öffnet der Fahrer die Autotür mit der rechten statt mit der näheren linken Hand. So dreht sich der Fahrers automatisch nach links und hat einen Radfahrer direkt im Blick – ein "Dooring"-Unfall wird somit unwahrscheinlicher.

Stand: 14.07.2020, 21:04

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