Was bedeutet Trumps Covid-Erkrankung für den US-Wahlkampf?

Was bedeutet Trumps Covid-Erkrankung für den US-Wahlkampf?

Wie geht es in den USA mit dem Wahlkampf weiter? Antworten hat Politikwissenschaftler Andrew B. Denison, Direktor von Transantlantic Networks, Zentrum für politische Bildung und Beratung in Königswinter.

Steckt eine Strategie dahinter, dass US-Präsident Trump und seine Ärzte nach außen betonen, die Erkrankung verlaufe milde?

Dr. Andrew Denison

Politikwissenschaftler Andrew Denison

"Die Amerikaner, selbst Trumps Anhänger, sind sich nicht sicher, dass sie die ganze Wahrheit erfahren. Sie sind eher skeptisch, wenn sie solche Botschaften hören", sagte Politikwissenschaftler Andrew B. Denison aus Königswinter am Samstag dem WDR. "Trump will die Schlagzeilen kontrollieren. Er versucht den Eindruck zu erwecken, dass alles in Ordnung und es nur eine Vorsichtsmaßnahme sei, dass er im Krankenhaus ist. Trump ist ein Selbstdarstellungskünstler ohnegleichen und er muss sich weiter so darstellen, dass seine Anhänger hinter ihm stehen."

Was verraten Trumps Tweets bezüglich seiner Erkrankung zwischen den Zeilen?

"Er redet plötzlich in einer anderen Sprache, nicht mehr als harter Wahlkämpfer. In seinem letzten Tweet hat er in Großbuchstaben 'Love' geschrieben. Etwas anderes geht ihm durch den Kopf als nur sein Wahlkampf - zum Beispiel, dass er jetzt ein bisschen mehr Sorge um seine eigene Gesundheit und die seiner Familie hat. Er weiß natürlich, dass er auch Kreide fressen muss, weil er Corona immer verharmlost hat."

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Ist Trump ein Opfer seiner eigenen Verharmlosung von Corona geworden?

"Wir haben einen Trump gesehen, der fahrlässig und provokativ war. Es gab kaum eine Woche, in der die Kontraste so stark waren - zwischen einem Donald Trump, der Anfang der Woche bei der Vorstellung seiner Nominierungskandidatin für den Obersten Gerichtshof hochmütig alle Vorsichtsmaßnahmen beiseite geworfen hat und am Ende in Quarantäne und ins Krankenhaus musste."

Was bedeutet Trumps Erkrankung für seinen Wahlkampf?

"Es ist eine Katastrophe für seinen Wahlkampf und für seine Chancen auf seine Wiederwahl. Donald Trump wollte einen Wahlkampf machen, in dem er Amerikas Wirtschaftsstärke unterstreicht. Er wollte nicht so sehr das Thema Covid besprechen. Jetzt hat er keine Möglichkeit, das Thema zu vermeiden. Seine Erkrankung ist aber auch eine Katastrophe für die Republikanische Partei. Es gibt auch Wahlen im Repräsentantenhaus und im Senat, in dem die Republikaner die Mehrheit haben. Das könnte sich nun ändern."

Was würde passieren, wenn Trump so krank würde, dass er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben kann?

"Entweder übergibt er freiwillig die Macht an Vizepräsident Mike Pence. Wenn Trump das verweigert, gibt es die Möglichkeit, dass Pence ihn mit dem Kabinett und den verschiedenen Ministern für amtsunfähig erklärt und der Vizepräsident dann selbst übernimmt."

Stand: 03.10.2020, 19:30

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