FAQ: Wie geht's weiter mit den belgischen AKW?

Doel Nr. 1, Doel Nr. 2, Antwerpen

FAQ: Wie geht's weiter mit den belgischen AKW?

  • Laufzeitverlängerung belgischer AKW verstößt gegen EU-Recht
  • Müssen die Atommeiler nun vom Netz?
  • Fragen und Antworten zu den belgischen Atomreaktoren

Mit der Verlängerung der Laufzeiten für zwei umstrittene Atomreaktoren hat Belgien gegen EU-Recht verstoßen. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Montag (29.07.2019) entschieden. Demnach hätte die Laufzeitverlängerung für die Meiler Doel 1 und Doel 2 bei Antwerpen nicht ohne Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) genehmigt werden dürfen.

Müssen die belgischen AKW jetzt vom Netz?

Das ist unklar. Der EuGH urteilte zwar, dass die Auswirkungen auf die Umwelt nachträglich untersucht werden müssten. Falls durch eine Abschaltung aber eine Unterbrechung der Stromversorgung drohe, dürften die Reaktoren in Betrieb bleiben - aber nur so lange, bis das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung vorliege. Das Gericht wies zudem darauf hin, dass wegen der unmittelbaren Nähe des Kraftwerks zu den Niederlanden ein grenzüberschreitendes Prüfungsverfahren notwendig sei.

Wie marode sind die Atomreaktoren in Belgien?

Die belgischen Atomkraftwerke sind seit Jahren umstritten. Maroder Beton und Haarrisse in den Druckbehältern sorgen immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Regelmäßig werden die Reaktoren für Instandsetzungen abgeschaltet. Vor allem in Deutschland herrscht große Sorge über den Zustand der über 35 Jahre alten Reaktoren in Tihange, das nur 70 Kilometer von Aachen entfernt liegt. Auch die Anlagen Doel 1 und Doel 2 am zweiten belgischen Kraftwerks-Standort sind Jahrzehnte alt. Sie gingen 1975 ans Netz.

Widerstand gegen Tihange

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 29.07.2019 03:22 Min. Verfügbar bis 27.07.2020 WDR 5 Von Silvia Andler

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Warum wurde die Laufzeit der Kraftwerke überhaupt verlängert?

Belgien hatte 2003 den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis 2025 beschlossen. Die Reaktoren Doel 1 und Doel 2 sollten 2015 abgeschaltet werden. Damals beschloss die Regierung jedoch eine Laufzeitverlängerung um zehn Jahre, um Stromengpässe im Winter zu vermeiden. Die Regierung verpflichtete die Betreiberfirma Electrabel, 700 Millionen Euro in die Modernisierung der Meiler zu investieren. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung wurde dabei aber nicht angeordnet - und führte nun zum EuGH-Urteil.

Stand: 29.07.2019, 16:56

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