DJV zu Strache: "Versuch von Aushöhlung der Pressefreiheit"

SCREENSHOT - 17.05.2019, Spanien, -: Der Screenshot aus einem Video, das dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" und der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt und von diesen veröffentlicht wurde.

DJV zu Strache: "Versuch von Aushöhlung der Pressefreiheit"

  • Österreichs Vize-Kanzler Strache stolpert über Undercover-Video
  • FPÖ kritisiert Schmutzkampagne
  • DJV-Vorsitzender Überall hält Vorgehen für legitim.

In einem Video berät der österreichische FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache mit einer Oligarchin über illegale Wahlkampfhilfen. Das Ganze war inszeniert: Die Frau war ein Lockvogel, das Video geheim aufgenommen. Für den Kölner Journalisten und Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) Frank Überall ist die Veröffentlichung dennoch richtig.

WDR: War es ihrer Ansicht nach korrekt, Strache eine Falle zu stellen und daraus ein Video zu machen?

Frank Überall

DJV-Vorsitzender Frank Überall

Frank Überall: Bei Herrn Strache handelte es sich schon zur Zeit der Aufnahme um eine Person des öffentlichen Lebens. Und damit gelten für ihn eben auch besondere Regeln. Es ist zwar eine ungewöhnliche Form des Whistleblowings, aber unter diesen Umständen eine legitime. Journalistisch wäre man nicht so vorgegangen. Da recherchiert man mit offenem Visier.

WDR: Der Urheber des Videos könnte auch der politische Gegner von Strache gewesen sein. Wie hoch ist die Gefahr, dass der "Spiegel" und die "SZ" jemandem auf den Leim gegangen sind?

Überall: Das kann theoretisch alles sein. Die Betroffenen haben nicht bestritten, dass es sich um ein authentisches Video handelt. Dass das Mitfilmen des Gesprächs aus juristischer Sicht möglicherweise illegal war, ändert nichts an der Tatsache, dass es das Gesprochene richtig wiedergibt.

WDR: Dann ist es auch irrelevant, dass das Video ausgerechnet kurz vor der Europawahl zugespielt wurde?

Überall: Natürlich hat das jemand ganz bewusst zu diesem Zeitpunkt gespielt. Das ist schon klar. Dennoch ist es irrelevant. Denn der Umstand ist für die Beurteilung der handelnden Person so wichtig, dass es auch an die Öffentlichkeit gelangen muss und darüber diskutiert werden muss. Man kann das Verhalten ja auch gut finden.

WDR: Strache spielt auch den Gedanken durch, dass die angebliche Oligarchin relevante Anteile an der "Kronen Zeitung" erwerben könnte, um die FPÖ medial zu unterstützen. Geht das so einfach?

Überall: Es erklärt sich aus der damaligen Situation, als Anteile der Zeitung zum Verkauf standen. Strache zieht eine Parallele zu Ungarn und hat den konkreten Plan, jemanden zu installieren, der das Blatt auf Linie bringt. Das ist schon erschreckend. Und das ist der Versuch von Aushöhlung der Pressefreiheit.

Das Interview führte Fabian Wahl.

Kölner Satiriker Böhmermann wusste vor Wochen schon von Video

Der Satiriker Jan Böhmermann hat das heikle Video mit heimlichen Aufnahmen des FPÖ-Politikers Heinz-Christian Strache bereits vor Wochen gekannt, so sein Manager. Er dementierte aber, dass die Aufnahmen Böhmermann angeboten worden seien. Da sie ihm nicht angeboten worden seien, habe er sie auch nicht abgelehnt. Woher Böhmermann die Aufnahmen kannte, wisse er nicht. Böhmermann hatte bereits im April bei der Verleihung des österreichischen TV-Preises Romy in einer Video-Botschaft Andeutungen zu dem Fall gemacht. Den Preis könne er nicht persönlich abholen, weil er «gerade ziemlich zugekokst und Red-Bull-betankt mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchen-Villa auf Ibiza rumhänge», hatte Böhmermann gesagt. Er verhandele gerade, wie er die «Kronen Zeitung» übernehmen könne, dürfe darüber aber nicht reden. Der Auftritt hatte ihm scharfe Kritik in österreichischen Medien eingebracht. Er würdige die österreichische Regierung herab, hieß es damals.

Stand: 18.05.2019, 14:23

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