Diversity: Längst mehr als Frauenförderung

Diversity Day

Diversity: Längst mehr als Frauenförderung

  • "Diversity-Tag" findet bundesweit statt
  • Laut Studie weiterhin vorrangig Männer in Führungsetagen
  • Diversity geht inzwischen weit über Frauenförderung hinaus

Zum siebten Mal findet am Dienstag (28.05.2019) der "Deutsche Diversity-Tag" statt - an dem Tag wollen Unternehmen und Institutionen zeigen, wie sie sich für Vielfalt in ihrer Belegschaft einsetzen. Katrin Weitz ist Diversity-Managerin beim Düsseldorfer Versicherungsunternehmen Ergo. Sie erklärt, was es damit auf sich hat.

WDR: Unter Diversity können sich noch immer wenige etwas vorstellen. Was heißt das konkret?

Katrin Weitz

Katrin Weitz kümmert sich bei Ergo um Diversity

Weitz: Das bedeutet, dass man als Unternehmen vieles in den Blick nehmen muss: Alter, Geschlecht, Internationalität – und sicherlich auch sexuelle Orientierung und Menschen mit Behinderung. Denn wir sind der Überzeugung: Je vielfältiger wir sind, desto erfolgreicher sind wir.

WDR: Es geht also längst nicht nur um Frauenförderung?

Katrin Weitz: Am Anfang haben wir uns tatsächlich nur mit Frauenförderung beschäftigt. Da ging es darum, zu gucken, wie groß der Anteil der Frauen in Führungspositionen ist. Aber inzwischen ist Diversity viel mehr, quasi die Betrachtung aller – und das war anfangs schon eine Herausforderung.

WDR: Also sind bei Ihnen auch die über 55-Jährigen hoch willkommen?

Weitz: Ich kann das aus meiner Sicht schildern. Ich bin 57 Jahre alt und in einem Team, das aus drei Generationen besteht. Ich bin die Älteste, dann haben wir noch eine Mittvierzigerin und eine Mittdreißigerin an Bord. Auf Grund der unterschiedlichen Lebenssituationen, in denen wir uns befinden, haben wir ganz verschiedene Talente.

Ich habe als erfahrene Ältere ein riesiges Netzwerk. Davon profitieren meine jüngeren Kolleginnen. Ich profitiere aber umgekehrt von meiner jüngeren Kollegin, die eine Power-Point-Präsentation einfach so aus dem Ärmel schütteln kann.

WDR: Das Ganze hat aber nicht nur mit Toleranz zu tun, sondern auch mit wirtschaftlichem Kalkül, oder?

Weitz: Ja, klar, geht es auch darum, dass die Geschäftsleitung sich fragt, was es dem Unternehmen bringt, ein vielfältiges Team zu haben. Es gibt Studien, die besagen, dass ein Konzern effizienter ist, wenn er vielfältig ist. Wenn wir wegen unseres respektvollen Umgangs miteinander ein gutes Image haben, haben wir auch bessere Chancen bei neuen Fachkräften.

WDR: Nach einer neueren Studie gibt es in den Vorständen aber noch immer mehr Männer, die Thomas oder Michael heißen, als es insgesamt Frauen gibt.

Weitz: Das finde ich auch nicht so gut. Bei uns ist es so, dass wir über unsere Führungsebenen hinweg einen Frauenanteil von 27,9 Prozent haben. Auf Vorstandsebene sieht es aber nicht so gut aus – da liegt der Frauenanteil bei zehn Prozent.

WDR: Das ist kein richtig guter Wert.

Weitz: Hans stellt immer noch gern Hänschen ein – das belegt die Studie, die Sie eben zitiert haben. Das hängt mit den unbewussten Vorurteilen zusammen. Gegen die muss man angehen. Deshalb muss man den Männern, die immer noch oftmals die Entscheider auf Führungsebene sind, klar machen, dass sie bei solchen Entscheidungen genau hinschauen müssen.

Das Gespräch führte Nina Giaramita.

Mehr Vielfalt! Warum Diversität wichtig ist Frau tv 09.05.2019 06:48 Min. UT Verfügbar bis 09.05.2020 WDR Von Gaby Fuest

Stand: 28.05.2019, 06:00

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen