Muslim-Konferenz in Köln löst Irritationen aus

Muslim-Konferenz in Köln löst Irritationen aus

Von Nina Magoley

  • "Treffen der europäischen Muslime" in Kölner Großmoschee
  • Weitgehend unbemerkt von Politik und Öffentlichkeit
  • Ditib lud auch islamistische Muslimbrüder ein

Fast unbemerkt von Politik und Öffentlichkeit ging das "Treffen der europäischen Muslime" am vergangenen Freitag (04.01.2019) in Köln zu Ende. Gemeinsam mit dem türkischen Präsidium für Religionsangelegenheiten (Diyanet) hatte der umstrittene türkisch-islamische Religionsverband Ditib mehr als 100 Teilnehmer aus 17 Ländern eingeladen.

Nach WDR-Informationen waren darunter auch zwei hochrangige Vertreter islamistischer Organisationen, die der NRW-Verfassungsschutz beide dem Spektrum der Muslimbruderschaft zurechnet.

Deutsche Medien nicht geladen

Deutsche Pressevertreter seien nicht eingeladen gewesen, sagt WDR-Redakteurin Ayca Tolun. Sie selbst hatte noch in der vergangenen Woche im Zuge einer Recherche Kontakt mit Ditib. Von der bevorstehenden Konferenz sei dabei keine Rede gewesen.

Auch Bezirksbürgermeister Josef Wirges (SPD), der Mitglied im Moschee-Beirat ist, hatte noch am 19. Dezember ein Treffen mit Ditib-Vertretern, bei dem es um eine bessere Zusammenarbeit ging. Auch ihm gegenüber kein Wort von der Großveranstaltung. "Das fördert das Trennende, nicht das Gemeinsame", sagte Wirges am Dienstag (08.01.2019) im WDR5-Morgenecho.

Ditib-Konferenz in Köln "fördert das Trennende"

WDR 5 Morgenecho - Interview 08.01.2019 07:06 Min. Verfügbar bis 08.01.2020 WDR 5

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Ditib Moschee in Köln Ehrenfeld

Ditib-Moschee: "Keine Außenstelle der türkischen Regierung"

Die Kölner Zentralmoschee sei keine "Außenstelle der türkischen Regierung", in die Teilnehmer zu einer Großveranstaltung geladen werden könnten, die unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen, empörte sich Wirges bereits am Montag. "Das hat nichts mit Transparenz und Klarheit zu tun."

Zentrales Thema der Konferenz war die Frage, wie Muslime in Europa zukünftig in ihrem Glauben bestärkt werden können. Die "vorbildhaften Dienste" des Islam könnten "ein Modell für die ganze Welt sein", heißt es in der Abschlusserklärung. Gleichzeitig werden eine zunehmende Islamfeindlichkeit in Europa und verzerrende Medienberichte beklagt.

Islam: "Modell für die Welt"

Dass Ditib solche Themen nicht in einer öffentlichen Konferenz diskutiert, steht im Widerspruch zu den Ankündigungen noch vor drei Monaten, nachdem es rund um die offizielle Eröffnung der Zentralmoschee durch den türkischen Präsidenten Erdogan großen Ärger gegeben hatte.

Auf WDR-Nachfrage teilte Ditib schriftlich mit, bei der Konferenz habe es sich um einen "fachlichen Austausch von Muslimen aus ganz Europa" gehandelt, zu der lediglich "Spitzenvertreter von muslimischen Gemeinschaften und muslimische Akademiker" geladen waren. Es sei "höchst problematisch wenn man erwartet, dass die Ditib seine innerislamischen Gesprächspartner anhand der Wünsche von Nichtmuslimen aussuchen soll".

Für die ehemalige Bundestagsabgeordnete Lale Akgün (SPD) aus Köln bezeichnete das Treffen als "Gegenveranstaltung" zur Deutschen Islamkonferenz: "Damit man festhalten kann, dass es nur den einen und einzigen Islam gibt: den, den die Muslimbrüder propagieren."

Stand: 08.01.2019, 09:25

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