Ditib-Funktionär will für AKP ins türkische Parlament

Islamwissenschaftler Bekir Alboga (Leiter des Referats für Interreligiöse und Interkulturelle Zusammenarbeit bei der DITIB)

Ditib-Funktionär will für AKP ins türkische Parlament

  • Sprecher der Ditib will in die türkische Politik wechseln
  • Bekir Alboga will für islamisch-konservative AKP-Partei kandidieren
  • Politikerin und Wissenschaftler üben Kritik an der Ditib

Bekir Alboga bemüht sich für die islamisch-konservative AKP-Partei von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zur Parlamentswahl am 24. Juni 2018 um ein Mandat in der Provinz Konya. Es handele sich um eine "persönliche Entscheidung" ohne Bezug zum Verband, sagte die Sprecherin am Freitag (04.05.2018) dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Für die Zeit der politischen Tätigkeit wolle Alboga seine Ämter bei der Ditib niederlegen. Für eine Stellungnahme gegenüber dem WDR war der Verband und auch Bekir Alboga am Samstag zunächst nicht erreichbar.

"Ditib macht Politik"

Archiv-Bild: Tauben fliegen am 13.12.2013 in Köln über die Zentralmoschee in der Nähe der Zentrale der türkisch-islamischen Union (Ditib)

Ditib-Zentralmoschee in Köln

Nicht jeden überrascht der Schritt des 55-jährigen Alboga: Der Verband Ditib mit Hauptsitz in Köln stehe für eine sehr enge Verbindung zur AKP, sagte Politikwissenschaftler und Türkei-Experte Ismail Küpeli von der Ruhruniversität Bochum gegenüber dem WDR - und dass, obwohl der Verband sich gerne überparteilich gebe. "Wir erleben immer wieder, dass in den Ditib-Räumen für die AKP und den Regierungskurs geworben wird."

Durch einen solchen Schritt werde die angeblich neutrale Ditib entlarvt. Das sei ein Skandal, so Küpeli. "Aber es passt dazu, wie wir Ditib in den letzten Jahren erlebt haben." Ditib mache Politik und sei nicht neutral. Seine Forderung: "Wir brauchen eine Unabhängigkeit der türkischen Moscheen in Deutschland."

Kritik aus der Politik

Die NRW-Staatssekretärin für Integration, Serap Güler (CDU) kritisierte das Vorhaben. "Das fördert nicht das Vertrauen, das im Verhältnis zur Ditib eh schon angeschlagen ist. Die Entscheidung von Herrn Alboga macht seine Arbeit für den interreligiösen Dialog nicht glaubwürdig, weil sich wieder mal zeigt, dass die Ditib fest an der Seite von Ankara steht", sagte Serap Güler dem WDR.

Job als Dialogbeauftragter

Bekir Alboga kam 1980 nach Deutschland, wo er Islamwissenschaften studierte. Er war mehrfach Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime. 2013 erwarb er neben der türkischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Als Dialogbeauftragter der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) vertrat er die islamischen Verbände gegenüber der Öffentlichkeit und der Politik.

Stand: 05.05.2018, 14:22

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