Neue Diskussionen um Garzweiler II

Ein Absetzer bei der Arbeit vor der Kulisse des großen Tagebau-Lochs

Neue Diskussionen um Garzweiler II

  • BUND startet neue Kampagne
  • Ziel: RWE-Tagebau Garzweiler II
  • Umsiedlungen sollen gestoppt werden

Ist die Umsiedlung der Erkelenzer Stadtteile Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich sowie Berverath noch zu verhindern? Die genannten fünf Orte sind die letzten im Rheinischen Braunkohlerevier, die in den kommenden Jahren dem Tagebau weichen sollen. Naturschützer bezweifeln den Sinn der Umsiedlungen - auch angesichts der jüngsten Studie des Weltklimarats. Diese warnt vor erheblichen Folgen, wenn die großen Wirtschaftsnationen nicht rechtzeitig aus der Braunkohle aussteigen.

Aufwind durch Hambach

Nach dem vorläufigen Rodungsstopp des Tagebaus Hambach hat die Anti-Kohle-Bewegung neues Selbstbewusstsein gewonnen: Diesen Erfolg wollen sie nun im benachbarten Tagebau Garzweiler II wiederholen. Dazu sollen die Bewohner der betroffenen Ortschaften erneut mobilisiert werden. Der BUND plant, Betroffene zu unterstützen, die sich einem Verkauf ihrer Häuser und Grundstücke an RWE widersetzen wollen.

Neue Diskussionen um Garzweiler II

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Bürgermeister warnt vor "geteilten Orten"

Die Hauptstraße von Keyenberg

Die Hauptstraße von Keyenberg

Die Kampagne kommt spät: Die Hälfte der knapp 1.500 Umsiedler in den Erkelenzer Ortschaften hat sich schon mit RWE über eine Entschädigung geeinigt. Viele bauen am neuen Standort. Deshalb warnt der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen (CDU) vor "Unruhe". Dass Schlimmste, was jetzt passieren könne, so Jansen, seien "geteilte Orte": Wenn die einen Bewohner blieben und der andere Teil den Ort verlasse.

"Verunsicherung", sagte ein RWE-Sprecher dem WDR am Donnerstag, sei das Letzte, was die Bewohner der betroffenen Orte zu diesem Zeitpunkt brauchten. Die Umsiedlung sei schon sehr weit fortgeschritten, am neuen Wohnort gebe es eine gute Grundlage für die Bildung einer echten Gemeinschaft. "Jetzt den verbliebenen Bewohnern falsche Hoffnung zu machen, ist unfair."

RWE fürchtet weitere Verzögerungen

Für RWE wäre eine womöglich erfolgreiche Garzweiler-Kampagne eine Katastrophe. Der Konzern rechnet derzeit damit, dass der Kohleabbau im Tagebau Hambach in zwei Jahren wohl ausgesetzt werden muss, weil die fest eingeplante Fläche des Hambacher Forsts nicht zur Verfügung stehen wird.

Eine Erhöhung der Förderung im benachbarten Tagebau Garzweiler II sei ebenfalls nicht möglich, so RWE, weil dort ohnehin schon an der Kapazitätsgrenze gearbeitet werde. Die konzerneigenen Kraftwerke könnten bald nicht mehr genug Brennstoff haben und müssten die Stromproduktion reduzieren.

Die Folgen für die Arbeitsplätze seien nicht absehbar, so RWE. In den Tagebauen, den Kraftwerken und weiteren RWE-Betrieben in der Region sind rund 4.600 Menschen beschäftigt.

Stand: 11.10.2018, 15:44

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