Premiumlagen: Warum Aldi, Lidl und Co. in die City zurückkehren

Das Bild zeigt einen vollen Einkaufswagen.

Premiumlagen: Warum Aldi, Lidl und Co. in die City zurückkehren

  • Discounter kehren in Stadtzentren zurück
  • Veränderte Mobilität sorgt dafür
  • Discounter haben Nachholbedarf bei ToGo-Produkten

Gertrud Röckrath verkauft seit 60 Jahren Blumen auf dem Carlsplatz, dem ältesten Marktplatz in Düsseldorf. Mittlerweile bekommt die Marktfrau aber mehr und mehr Konkurrenz: Nach einem Aldi hat sich vor Kurzem auch ein Lidl-Discounter in Nähe der Marktstände angesiedelt.

Das sorgt Gertrud Röckrath allerdings nicht. "Die Leute kaufen bei uns was Besseres", sagt sie. "In solchen Läden werden die Blumen 100 Mal angefasst."

Vom Zentrum zum Stadtrand und wieder zurück

Auch Tobias Schier, der in vierter Generation Obst und Gemüse auf dem Carlsplatz anbietet, bleibt gelassen. "Ich sehe uns nicht in direkter Konkurrenz. Wir versuchen, über die Auswahl und die Produkte die Kunden zu bedienen. Das Geschäftsmodell der Discounter geht über den Preis."

Jahrelang waren Discounter in der City angesiedelt - bis der Parkplatz knapp wurde. Sie richteten sich daraufhin Läden mit großen Verkaufsflächen an den Stadträndern ein. Doch mittlerweile erobern Aldi und Lidl wieder die Premiumlagen - wie rund um den Carlsplatz. Warum kehren sie zurück?

Veränderte Mobilität

Während Discounter im vergangenen Jahr rund 74,5 Milliarden Euro Umsatz machten, kamen Supermärkte und SB-Warenhäuser auf einen Gesamtumsatz von etwa 91,5 Milliarden Euro. "Wir haben veränderte Mobilitätskonzepte", sagt Handelsforscher Michael Gerling.

"Jüngere Menschen besitzen und fahren weniger Autos. Man kann nicht erwarten, dass sie am Wochenende zum Supermarkt fahren und sich für die ganze Woche bevorraten." Die Lebensmittel kommen nun dahin, wo die Menschen wohnen und arbeiten, sagt Gerling.

Mangelware Raum in Großstädten

Nur Vorteile hat die Zentrums-Lage allerdings nicht: Gerade in Großstädten ist Raum Mangelware. In anderen Bundesländern wie Hessen und Berlin wurde bereits auf "Supermarktgipfeln" diskutiert, wie dieser Konflikt zwischen Wohn- und Gewerbeflächen gelöst werden kann. Eine Idee: Direkt über den Märkten müssten mehr Wohnungen entstehen.

Doch auch für die Märkte hat die zentrale Lage nicht nur Vorteile: Die Mieten sind hoch, die Verkaufsflächen in der Regel kleiner.

Anderes Sortiment in der Stadt

Auch das Sortminent muss in den Premiumlagen ein anderes sein als am Stadtrand: In der City gibt es mehr Speisen, die man schnell zubereiten kann - sogenannte Convenience- und ToGo-Produkte. Sie werden "zwischendurch" in der Pause gekauft.

Hier haben Discounter im Vergleich zu Supermärkten wie Rewe und Co. allerdings noch Nachholbedarf, sagt Handelsforscher Michael Gerling. "Discounter werden sich aber dahin entwickeln müssen", meint er. Schließlich sei das ein wachsender Markt.

Stand: 12.07.2020, 16:12

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