Corona-Krise pusht Digitalisierung

Tablet, tippende Finger

Corona-Krise pusht Digitalisierung

Von Nina Giaramita

  • Immer mehr Mitarbeiter nutzen Homeoffice
  • Firmen-Events und Seminare ebenfalls ins Netz verlagert
  • Datenschutz als Hürde fürs mobile Arbeiten

So wie bei dem Kölner Unternehmen Trusted Shops geht es inzwischen in vielen Unternehmen in NRW zu: Das Gebäude ist zunehmend verwaist. Normalerweise finden sich in dem Firmensitz täglich rund 500 Mitarbeiter ein. Seit zwei Wochen arbeitet jedoch ein Drittel der Belegschaft zu Hause. "Es ist ziemlich leer hier geworden", sagt Mitarbeiter Mustafa Ucar.

Ucar ist Sprecher des E-Commerce-Unternehmens - er kommt inzwischen selbst nur noch sporadisch ins Haus. "Die Geschäftsleitung hat uns freigestellt, ob wir Homeoffice machen oder weiterhin ins Büro kommen wollen." Die Firma hat damit auf die Ausbreitung des Coronavirus reagiert.

Geschäftspraktiken ändern sich

Andere Firmen ziehen inzwischen nach. "Außendienstmitarbeiter kommen nicht mehr in den Betrieb, Kunden-Termine werden digital abgewickelt, und die freiberuflichen Mitarbeiter arbeiten komplett von zu Hause aus", sagt Sebastian van Deel von der IHK Nord Westfalen. Van Deel ist überzeugt: "Diese Entwicklung bedeutet einen Push für die Digitalisierung im Land."

Dass die Geschäftspraktiken sich zurzeit ändern, merkt van Deel auch im eigenen Haus. "Wir hatten für die nächsten Monate mehrere Veranstaltungen geplant", erzählt er. "Die werden wir nun wahrscheinlich auf digitale Formate wie beispielsweise Webinare übertragen."

Seminare und Veranstaltungen ins Internet zu verlegen - eine der leichteren Übungen. "Wir erleben aber auch, dass Industrieunternehmen gerade ihre IT-Infrastruktur an verschiedene Standorte spiegeln", so van Deel. "So ist man gerüstet, falls ein Werk im Zuge der weiteren Entwicklungen in Teilen ausfallen sollte."

Noch nicht alle Unternehmen so weit

Der Schub in Richtung Digitalisierung hat dennoch seine Grenzen. "Viele Unternehmen haben sich mit dem Thema noch nicht in allen Fassetten auseinandergesetzt" , so van Deel. Ähnlich sieht es auch Sebastian Köffer vom Digital Hub Münsterland. "Von heute auf morgen alles umzustellen, ist schwierig", sagt Köffer.

"Wer Homeoffice anbietet, muss auch gewährleisten können, dass man sicher auf die IT-Systeme zugreifen kann." Was das angehe, seien beispielsweise viele öffentliche Verwaltungen eher noch in den Anfängen.

Datenschutz als Hürde

Tatsächlich stehen oft hohe Datenschutzhürden dem flexiblen Arbeiten von zu Hause aus noch im Weg; nicht nur im öffentlichen Dienst.

Für das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft hat sich Andrea Hammermann mit dem Thema beschäftigt. Ihre Bilanz: "Mobiles Arbeiten ist stark im Aufwind, aber alles hat seine Grenzen", sagt sie. "Denn keiner möchte letztlich, dass der Bankberater vom Café aus seinen Kredit bewilligt."

Stand: 16.03.2020, 06:00

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