Exklusiv: Über 2.300 Dieseln in NRW droht die Stilllegung

Exklusiv: Über 2.300 Dieseln in NRW droht die Stilllegung

Von Rainer Striewski

  • WDR-Abfrage bei allen Zulassungsstellen in NRW
  • Über 2.300 Diesel-Fahrzeuge noch nicht umgerüstet
  • Zulassungsstellen setzen letzte Fristen vor Stilllegung

Hier geht es zur Diskussion über die Stilllegung von Dieselfahrzeugen.

Über 2.300 Autobesitzer in NRW haben die Frist für den Rückruf ihrer Diesel-Fahrzeuge wegen der illegalen Abschaltvorrichtungen verstreichen lassen. Das ergab eine WDR-Abfrage bei den Zulassungsstellen aller Kreise und kreisfreien Städte in NRW (Stand Ende Juni / Anfang Juli).

Den betroffenen Fahrzeugen (VW- und Audi-Modelle der Baujahre 2009 bis 2014 mit dem "EA 189"-Dieselmotor) droht damit in den kommenden Wochen die Stilllegung.

Wdr.de Umfrage zur Zwangsstilllegung von Dieselfahrzeugen in NRW

WDR 5 Morgenecho - Interview | 12.07.2018 | 05:14 Min.

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Den Fahrzeughaltern war eine Frist von 18 Monaten zur Durchführung des kostenlosen Software-Updates eingeräumt worden. Diese war Ende April abgelaufen.

Daraufhin hatte das Kraftfahrtbundesamt (KBA) die Daten von gut 15.000 Fahrzeughaltern an die kommunalen Zulassungsstellen in ganz Deutschland weitergeleitet. Ende Juni / Anfang Juli waren dies in NRW knapp 2.550 Halter, die meisten davon in den Regionen Köln (150), Aachen (120) und Minden-Lübbecke (102).

Die Karte zeigt die Anzahl der Halter, die den NRW-Zulassungsstellen vom KBA gemeldet wurden. Beim Anklicken der Flächen werden die exakte Zahl sowie die zugestandene Frist zur Nachrüstung angezeigt. Am Ende des Beitrags werden die Meldungen noch einmal in einem Balkendiagramm dargestellt.

KBA-Meldungen an kommunale Zulassungsstellen

Lediglich vier Zulassungsstellen konnten auf WDR-Anfrage keine Zahlen nennen, weil die KBA-Meldungen nach eigenen Angaben bei ihnen nicht erfasst wurden.

Von den knapp 2.550 gemeldeten Fahrzeughaltern hatten etwa 170 zum Zeitpunkt der Abfrage bereits eine Nachrüstung vornehmen lassen oder ihr Fahrzeug abgemeldet. Somit waren in NRW Ende Juni / Anfang Juli noch mindestens 2.380 nicht umgerüstete Diesel-Fahrzeuge angemeldet.

Frist zwischen 8 und 90 Tagen

Viele Zulassungsstellen haben den Fahrzeughaltern eine letzte Frist zur Umrüstung eingeräumt. Diese fällt unterschiedlich aus:

Während die Fahrzeughalter im Kreis Herford acht Tage Zeit zur Mängelbeseitigung haben, räumt der Kreis Olpe bis zu 90 Tage ein. Meist liegt die Frist zwischen 14 Tagen und vier Wochen.

Sollten die Fahrzeughalter auch diese Fristen verstreichen lassen, drohen Stilllegungen. Einige Zulassungsstellen räumen auf Antrag allerdings weitere Fristverlängerungen ein.

Hinzu kommt: Einige Fahrzeughalter wollen ihr Fahrzeug gar nicht umrüsten lassen - und wehren sich gerichtlich gegen die Anordnungen.

Derzeit liegen zwei Fälle aus Köln und Krefeld zur Eilentscheidung beim Oberverwaltungsgericht Münster. Viele Zulassungsstellen haben angegeben, den Ausgang dieser Verfahren abzuwarten, ehe sie Stilllegungen anordnen.

Hier ist Platz für Ihre Meinung.

Stand: 12.07.2018, 05:00

Kommentare zum Thema

5 Kommentare

  • 5 Peter Dreeßen 13.07.2018, 08:11 Uhr

    Weg von Gefühlen hin zur Sache. Dieselfahrzeuge sind gemeinhin auf längeren Fahrstrecken effizienter als Benziner, daher wurden bislang Dieselfahrzeuge von Gewerbebetrieben und/oder Vielfahrern bevorzugt. Wenn ich aber nun mit einem Dieselfahrzeug im Stau stehe(n muss), ändert sich die Umweltbelastung an der Messstation entsprechend, weil ein Dieselfahrzeug nicht zum "Staustehen" geeignet ist. Es ist folglich kein "Motorenproblem", sondern ein verkehrspolitisches, vor allem in den Städten zudem ein kommunalpolitisches Problem, zusammen mit dem Ausbau des ÖPNV. Wenn ich eine Steuerungssoftware für einen Motor verändere, kann ich zwar dessen Leistungsverhalten verändern, seine Emissionen damit aber nicht, es sei denn, es würde eine "BLUE"-Funktion implementiert (Motor aus nach 2 Sekunden Stillstand). Zweifel an dieser "Motorenfreundlichkeit" sind angebracht, denn nur ein warmer Verbrennungsmotor kann seine Leistung entfalten. Ist so. Elektro ? Blödsinn. Brennstoffzelle muss her.

  • 4 Ge 12.07.2018, 19:39 Uhr

    Das betrifft die VW--Pkws. Droht den Opel-, Mercedes- und anderen Diesel-Autos keine Stilllegung?

    Antworten (1)
    • Tom 13.07.2018, 13:44 Uhr

      Nein, nur Fahrverbot. ;-))

  • 3 J.Frischeisen 12.07.2018, 19:29 Uhr

    Unsicherheit bei vielen Diesel-Fahrern: Ist mein Fahrzeug auch vom evtl.Verbot od.Nachrüstung betroffen?! Warum gibt es keine Auflistung, aus der jeder ersehen kann, ob er dabei ist oder nicht. Werden denn die Fahrzeughalter die von der ganzen Schummelei betroffen sind, also mit Maßnahmen rechnen müssen, angeschrieben bzw. verständigt ? Ich fahre seit Jahrzehnten Diesel-Pkw und komme mir keineswegs als Umweltsünder vor.

  • 2 schmid 12.07.2018, 19:14 Uhr

    hetzjagt auf bürger

  • 1 Atze 12.07.2018, 14:14 Uhr

    Die qualmenden Dieselautos, allesamt Umweltvergifter sollen stillgelegt werden, ein schwieriges Unterfangen. Wer geht eigentlich gegen die Schifffahrt in unserem Bundesland vor, da tummeln sich auf den Kanälen und Flüssen wahre Dreckschleudern, die die Autos allesamt erheblich übertrumpfen und Werte erreichen, die Tausende von PKW zusammen niemals erreichen können.

    Antworten (1)
    • HP 12.07.2018, 19:20 Uhr

      Stimmt. Wenn jemand meint, Benzinabgase würden besser riechen und der höhere Co2-Ausstoß der Umwelt helfen, soll er Benziner fahren. Alternative: Pferdekutsche. Und selbst da wird Methan ausgestossen. Beim Flug in den Urlaub oder auf der Urlaubskreuzfahrt kann man ja mal darüber nachdenken, was die bessere Alternative ist. In der Zeit steht das Auto ja in der Garage. Und der Flieger geht sowieso. Man selbst hat da keinerlei Verantwortung.