Die Schlachtfabrik - Wie Tönnies um seinen Ruf kämpft

Stand: 22.11.2021, 10:00 Uhr

Im Sommer 2020 verspricht Deutschlands größter Fleischfabrikant Clemens Tönnies einen Wandel in der Fleischindustrie, als sich in seinem Werk mehr als 1400 Beschäftigte mit Corona infizieren. Rund 7.000 Menschen mussten sofort in Quarantäne.

Nie zuvor haben die Arbeitskräfte in den Schlachthöfen so viel Aufmerksamkeit bekommen. Was hat Tönnies seither getan, um die Arbeits-, Wohn-, und Tierwohlbedingungen zu verbessern? Hat er die Branche wirklich verändert?

Tönnies beschäftigt weiterhin die alten Subunternehmen

Über Monate begleitet ein Team des WDR den Unternehmer. Das Fazit: Zwar sind die Arbeiter und Arbeiterinnen in seinen Fabriken mittlerweile bei Tönnies angestellt, doch bis heute verzichtet einer der größten Fleischproduzenten Europas nicht auf umstrittene alte Subunternehmen, selbst wenn sie schon in früheren Jahren durch Verstöße, Prozesse und Skandale aufgefallen sind. Er sei immer noch auf sie angewiesen: " Wir haben die Leute nötig. Die Frage ist ja berechtigt: Wer ist eigentlich abhängiger? Aber ich habe eben dieses Bindeglied noch nötig," erklärt der Unternehmer.

Nachhaltigkeitskonzept für mehr Tierwohl und Umweltschutz

Tönnies hat ein Nachhaltigkeitskonzept vorgestellt. Konkret geht es zum Beispiel um mehr Platz für die Tiere, weniger Medikamente, mehr Umweltschutz. Laut WDR Recherche müssen Bäuerinnen und Bauern viele der gewünschten Veränderungen umsetzen. Umweltschützer sehen die Tönnies-Ideen skeptisch. Auch sie wollen mehr Tierschutz, aber unter der Führung der Politik. "Aus unserer Sicht sind hier nicht die Schlacht-Unternehmen gefragt, sondern hier sind unabhängige Berater gefragt, die den Landwirt als erstes sehen und nicht das eigene wirtschaftliche Interesse der abnehmenden Hand," erklärt Reinhild Benning von der Deutschen Umwelthilfe. Ein Unternehmer wie Tönnies dürfe wegen seiner Firmen-Interessen nicht die Richtung vorgeben.

Zwiespältige Bilanz

Am Ende ist die Bilanz zwiespältig: Clemens Tönnies hat tatsächlich einiges verbessert. Aber sein selbsterklärtes Ziel, die Branche grundlegend zu verändern, hat er bisher nicht erreicht. Dafür ist er zu sehr von den Strukturen abhängig, die er selbst über Jahre hinweg mit geschaffen hat.