Wie die Terrormiliz Frauen aus dem Westen lockt

Symbolbild: Montage eines jungen Mädchens mit Aufnahmen von IS-Soldaten in einem Tablet

Wie die Terrormiliz Frauen aus dem Westen lockt

Von Thomas Görger

  • "Islamischer Staat" wirbt gezielt um westliche Frauen und Mädchen.
  • Allein aus NRW sind bisher 70 Frauen ausgereist.
  • Rückkehrerinnen gelten in der Szene als Heldinnen.

Was bringt ein Mädchen aus Deutschland dazu, nach Syrien zu reisen und sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) anzuschließen? Nach Informationen des Verfassungsschutzes sind allein aus NRW bisher 70 Frauen ausgereist und haben sich der Terrororganisation angeschlossen - oft als Ehefrauen von IS-Kämpfern.

Romantisierende Selbstdarstellung

Eine wichtige Rolle spiele bei der Rekrutierung die romantisierende Selbstdarstellung des IS im Internet, sagt Elhakam Sukhni, Islamwissenschaftler an der Uni Köln. Ein Beispiel seien die sogenannten A'Nasheed-Gesänge, die über den heroischen Kampf des IS gegen Ungerechtigkeit und für Allah berichten. "Das spielt eine sehr große Rolle in der Mobilisierung und auch in der emotionalen Beeinflussung von Jugendlichen."

Frauen als wichtiges Propagandaziel

Frauen und Mädchen seien ein wichtiges Ziel der IS-Propaganda im Netz, meint Sukhni. Neben der heroischen Selbstdarstellung der IS-Kämpfer präsentierten sich diese auch von ihrer anderen Seite: als "sensible Väter und Ehemänner". Auf viele Frauen wirke das attraktiv.

Die Frauen suchten beim IS ein einfaches, gottgefälliges Leben in einer Gesellschaft, in der Respekt und Miteinander zählen - so wie zu den Zeiten des Propheten. Die Realität in den Kriegsgebieten sei eine andere, sagt Burkhard Freier vom NRW-Verfassungsschutz. "Frauen werden dort ausgenutzt. Wenn sie etwas Falsches tun oder etwas Falsches sagen, werden sie eingesperrt und auch geschlagen."

Rückkehrerinnen sind oft ideologisch gefestigt

NRW-Verfassungsschutzchef Burkhard Freier spricht am 03.08.2015 auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf

Burkhard Freier

Hinzu kämen die katastrophalen Zustände im Kriegsgebiet, meint Freier. Infolge der militärischen Niederlagen des IS sei die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten teilweise zusammengebrochen.

Diese Erfahrungen könnten aber viele Frauen nicht von ihrer islamistischen Ideologie abbringen, selbst nach ihrer Rückkehr nach Deutschland. "Sie gelten nach ihrer Rückkehr als Heldinnen", meint Freier, "und sind auch in der Lage, weitere, gerade junge Frauen, zu rekrutieren".

Von den 70 Frauen aus NRW, die nach Informationen des Verfassungsschutzes bisher ins IS-Gebiet gereist sind, sind bisher 15 zurückgekehrt.

Stand: 30.07.2017, 14:59