Bundestagswahl: Desinformation im Netz weiter ein Problem

Angeklickt: Gespräch mit Facebook über Fake News

Aktuelle Stunde 03.09.2021 04:09 Min. UT Verfügbar bis 03.09.2022 WDR Von Jörg Schieb


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Bundestagswahl: Desinformation im Netz weiter ein Problem

Von Jörg Schieb

In drei Wochen sind Bundestagswahlen. Viele informieren sich auch oder ausschließlich im Netz und in Sozialen Netzwerken. Doch Behörden warnen: Noch immer werden dort Falschmeldungen platziert, die Wähler gezielt beeinflussen sollen. Was unternehmen die Plattformen?

Sich über Parteiprogramme informieren, Debatten folgen und Wahlprogramme bewerten: Das machen immer mehr Menschen im Netz. Doch vor allem in den Sozialen Netzwerken lassen sich Nachrichten und Meldungen aus seriösen Quellen und solche, die gezielt falsche Behauptungen aufstellen, manchmal nur schwer unterscheiden. Das gilt vor allem für Facebook und Instagram, die beiden beliebtesten Netzwerke.

Genau hier lassen sich die Menschen gut erreichen. Das machen sich nicht nur Politik und Verbände zunutze, sondern auch Kräfte im In- und Ausland, die gezielt Unfrieden stiften wollen. Dabei geht es häufig gar nicht darum, eine bestimmte Partei oder einen Spitzenpolitiker zu fördern oder zu diskreditieren. Es geht vielmehr darum, politische Ränder und gesellschaftliche Gruppen gegeneinander aufzubringen.

NRW-Verfassungsschutz warnt vor gezielter Desinformation

Das bestätigen auch die Behörden. So berichtet der NRW-Verfassungsschutz auf WDR-Anfrage, er stelle "Einflussnahmeversuche ausländischer Staaten auf verschiedensten Ebenen" fest, insbesondere aus China und Russland. Die Behörde warnt davor, dass mit Hilfe von gezielter Desinformation das Vertrauen in das Handeln der Politik und das Vertrauen in unabhängige Medien untergraben werden. Genauer werden die Behörden nicht – auch nicht bei der Frage, was das konkrete Ausmaß der bereits stattfindenden Kampagnen betrifft.

ARD-Recherchen bestätigen die Befürchtungen. In der ARD-Dokumentation "Wahlkampf undercover" sprechen Reporter – als Vertreter deutscher Parteien getarnt – einige PR-Agenturen in London an. Die PR-Profis versprechen, dass Meinungsbild in Deutschland verändern zu können. Indem insbesondere auf Facebook gezielt Menschen mit provokativen Falschnachrichten konfrontiert werden.

Angeklickt: Desinformation im Netz Aktuelle Stunde 30.07.2021 03:59 Min. Verfügbar bis 30.07.2022 WDR Von Jörg Schieb

Mit Hilfe von Facebook und Co. Menschen gezielt ansprechen

Dank der ungeheuren Datenmengen, die Facebook anhäuft, kann der Konzern messerscharfe Profile anfertigen. Die PR-Agenturen können so beispielsweise einem Autofreund Meldungen präsentieren, dass die Grünen SUVs verbieten wollen, während andere mit Meldungen über Flüchtlinge provoziert werden.

Facebook steht besonders in der Kritik. Der Konzern hat deswegen jetzt (02.09.2021) einige Maßnahmen angekündigt, um Falschmeldungen auf Facebook und Instagram stärker zu bekämpfen als bislang. So ist Facebook Kooperationen eingegangen, zum Beispiel mit der Bundeszentrale für politische Bildung.

Mehr Medienkompetenz: Angebote sollen aufklären

In einem neuen Webangebot erfahren die Menschen eine Menge über die Wahlen und Demokratie an sich – und das in mehreren Sprachen. Es gibt hier auch Hinweise, wie sich Falschmeldungen erkennen lassen. Allerdings nicht sonderlich ausführlich. Facebook verweist bei Postings, die sich direkt oder indirekt auf die Bundestagswahl beziehen, automatisch auf solche seriösen Info-Angebote.

Facebook setzt darüber hinaus weiter und verstärkt auf Fakten-Checker. Das ist nicht neu, wird aber ausgebaut: dpa, AFP und Correctiv sind die Partner in Deutschland. Die schauen sich gemeldete Beiträge und Nachrichten an. Entdecken die Experten eine Falschmeldung, erscheinen auf Facebook Hinweise, damit vor der Lektüre klar ist: Hier stimmt etwas nicht. Auch soll die Verbreitung etwas eingedämmt werden.

Gelöscht werden solche Beiträge allerdings nicht. "Wir verbieten in unseren Gemeinschaftsregeln nicht das Verbreiten von Falschmeldungen", sagt Guido Bülow von Facebook im Interview. "Wir wollen keine Zensur betreiben, sondern die Leute aufklären: Deswegen setzen wir vor allem auf Fakten-Checker – und liefern nötige Zusatzinformationen bei den Themen."

Jörg Schieb (links) sitzt vor einem Bildschirm, auf dem sein Interviewpartner zu sehen ist (rechts)

Jörg Schieb im Interview mit Guido Bülow (Facebook)

Gelöscht werden nur Postings, die gegen die Gemeinschaftsregeln, Menschenleben gefährden können oder gegen geltendes Recht verstoßen.

Sonderfall Messenger: Auch hier kommen Fakten-Checks

Eine Besonderheit sind Messenger. Zum einen sind die Nachrichten verschlüsselt. Der Betreiber des jeweiligen Messenger-Dienstes kann nicht sehen, welche Inhalte geteilt werden – und entsprechend auch nicht wirklich eingreifen. "Seit einiger Zeit schränken wir die Möglichkeit ein, viral gehende Nachrichten auf WhatsApp weiterzuverbreiten", erklärt Guido Bülow. Auch das soll die Verbreitung von Falschnachrichten eindämmen – stoppen lässt sich die Verbreitung so nicht.

Facebook hat hier etwas Neues eingeführt: Entdecken User von WhatsApp eine fragwürdige Info, können sie diese an Fakten-Checker von AFP oder Correctiv weiterleiten. Und erhalten einen entsprechenden Fakten-Check über WhatsApp zurück.

Stand: 03.09.2021, 06:00

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