Laschet kritisiert Continental für Schließungspläne

Laschet kritisiert Continental für Schließungspläne

Von Britta Kuck

Mit einem Protestzug haben Mitarbeiter von Continental in Aachen gegen die geplante Schließung des Reifenwerks und für den Erhalt der 1.800 Arbeitsplätze demonstriert.

Sie sind vor allem eins: laut. Mit Handsirenen, Rasseln und Trommeln hatten sich etwa 1.500 Menschen vom Reifenwerk aus auf den Weg in die Aachener Innenstadt gemacht. "Oche ist Conti, Conti ist Oche" war das Motto der Demonstration, also "Aachen ist Conti, Conti ist Aachen".

Laschet unterstützt Erhalt des Reifenwerks

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet war einer der Redner bei der Kundgebung nach der Demo in Aachen. Zu den Plänen des Konzerns sagte Laschet dem WDR: "Natürlich kann man das nachvollziehen, aber man kann ja auch mal als Vorstand eines Unternehmens intelligent handeln. Es gibt von der Gewerkschaft Vorschläge, wie man in allen Werken ein wenig weniger produziert, anstatt blind ein ganzes Werk einfach mit dieser Art und Weise Kahlschlag zu schließen."

Laschet plädierte auch dafür, dass sich der Konzern mehr Bedenkzeit lässt. Der Konzern-Aufsichtsrat will kommenden Mittwoch die Entscheidung bekannt geben.

Werk mit langer Tradition

Die Mitarbeiter, die Ende 2021 womöglich ihre Jobs verlieren, trifft es hart, auch weil das Aachener Conti-Werk eine lange Tradition hat, es besteht seit 90 Jahren.

Mitarbeiter bei der Demonstration

"Beschissen, einfach nur beschissen", beschrieb einer der Beschäftigten bei der Demo seine Gefühlslage. "Letzte Woche Montag dachte ich noch, noch fünf Jahre, dann geh' ich in Rente, dann bin ich 63, dann hab ich 46 Jahre gearbeitet. Und Dienstag bekomm' ich die Nachricht, das Werk wird geschlossen. Und das nur aus reiner Profitgier, nicht weil wir schlecht sind."

Aachener Werk schreibt schwarze Zahlen

Die Mitarbeiter erreichte die Nachricht, dass das Aachener Werk Ende 2021 schließen soll, überraschend. Denn das Werk schreibt schwarze Zahlen. Allerdings seien die Produktionskosten in Aachen bis zu 60 Prozent höher als in anderen europäischen Conti-Werken, sagte Wolfgang Reitzle, der Aufsichtsratsvorsitzende der Continental AG.

Mitarbeiter bei der Demonstration

Außerdem habe man Reitzle zufolge in den vergangenen zehn Jahren jährlich 20 Millionen Euro in das Aachener Werk investieren müssen, um es zukunftsfähig zu machen. Das sei dauerhaft nicht machbar.

Horst Ruoff von der IG BCE, Bezirk Alsdorf, sagt, dass es viele Conti-Beschäftigte auf dem Arbeitsmarkt schwer haben würden. "Wenn man auf die berufliche Qualifikation schaut, sind hier 90 Prozent im unteren beruflichen Segment, und schon Jahrzehnte hier. Das ist sehr schwierig."

Stand: 26.09.2020, 15:32

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