Tagesprotokoll einer Deliveroo-Fahrerin

Deliveroo-Fahrerin Sarah Jochmann

Tagesprotokoll einer Deliveroo-Fahrerin

Von Nina Magoley

Seit sechs Monaten fährt Sarah Jochmann für Deliveroo warmes Restaurantessen zu Kunden kreuz und quer durch Köln. Sie beschreibt, wie das System genau funktioniert.

"Bei Vertragsunterzeichnung bekam ich eine App von Deliveroo, die ich auf meinem Handy installieren musste. Wenn mein Arbeitstag beginnt, logge ich mich noch zuhause in die App ein. Sobald mir der erste Auftrag gemeldet wird, fahre ich zu dem genannten Restaurant. Wenn ich das Essen bekommen und in den Warmhalterucksack gepackt habe, teile ich das Deliveroo über die App mit. Erst dann bekomme ich die Adresse der Kunden.

Ich fahre dort hin und tippe in der App an, dass ich "angekommen" bin. Wenn ich dem Kunden das Essen übergeben habe, sende ich "abgeliefert". Entweder bekomme ich dann direkt die nächste Order - oder ich warte erstmal. Ich habe auch schonmal 40 Minuten gewartet. Pech natürlich, wenn ich mich dann gerade in irgendeinem Wohngebiet befinde, mit nichts drumherum.

Fahrradkurier vom Internet Portal Deliveroo liefert warme Speisen in der Innenstadt aus

Keine richtige Pause: Deliveroo-Fahrer

Als es im Winter richtig kalt war, habe ich mich manchmal in einen Hausflur gesetzt. Deliveroo zählt solche Wartezeiten als Pause. Dabei kann ich sie nicht richtig als Pause nutzen, weil es jederzeit weiter gehen kann, weil ich mich möglicherweise im Kalten befinde und keine Toilette in der Nähe ist.

Ich fahre mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern im Stadtgebiet. Über die App kennt Deliveroo jederzeit meinen GPS-Standort. Sie messen die Geschwindigkeit, mit der wir Fahrer unsere Aufträge erledigen. Wenn ich in einem Restaurant warten muss, wird das nicht abgezogen, sondern verschlechtert meinen Schnitt. Jede Woche bekommen wir ein Feedback. Für eine durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Auftrags von 23,5 Minuten kassiere ich die Note "ungenügend".

Im Winter reichte mir die dünne Jacke und ein Hose, die wir bekommen, nicht aus. Ich musste mir auf eigenen Kosten eine ordentliche, warme Fahrradhose kaufen. Für Beschwerden oder Fragen gibt es in Köln keinen direkten Ansprechpartner mehr. Zwar gibt es ein "Office" in der Innenstadt, dort haben wir aber ohne Termin keinen Zutritt, seit wir den Betriebsrat gegründet haben.

Über eine E-Mail-Adresse kann ich in Berlin zum Beispiel Tauschwünsche für meine Schichten einreichen. Beim letzten Mal habe ich tagelang keine Antwort bekommen, bis es ohnehin zu spät war."

Zusammengefasst von Nina Magoley.

Stand: 13.04.2018, 06:30