Harte Kost: Ausliefern für Deliveroo

Harte Kost: Ausliefern für Deliveroo

Von Nina Magoley

  • Freiberuflichkeit und private Kosten
  • Miserable Bedingungen für Fahrradboten von Deliveroo
  • Demo der Lieferdienst-Mitarbeiter in Köln

Mit Fahrradfahren Geld verdienen. Für Sarah Jochmann klang das zunächst nach einer tollen Idee. Sie würde warmes Essen, das Kunden zuvor online im Restaurant bestellt haben, dort abholen und ausliefern. Solche Lieferdienste heißen beispielsweise "Foodora" oder "Lieferando.de".

Fahrer von Essensdienst protestieren

1LIVE | 06.04.2018 | 02:23 Min.

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Im Oktober vergangenen Jahres unterschrieb die 34-Jährige einen auf sechs Monate befristeten Vertrag bei "Deliveroo" in Köln. Doch wenn am Freitag (13.04.2018) Deliveroo-Fahrer in Köln gegen die Arbeitsbedingungen des britischen Unternehmens protestieren, wird auch sie dabei sein.

Zum einen wegen der Arbeitsbedingungen: Anfallende Fahrradreparaturen muss sie selber bezahlen, für die eingehenden Aufträge ihr Privathandy benutzen. Stundenlohn: Neun Euro.

Betriebsrat unerwünscht?

Was Jochmann aber am meisten ärgert: Deliveroo habe alle befristeten Arbeitsverträge in Köln auslaufen lassen. Ab jetzt könnten die meisten Fahrer nur noch als Selbstständige arbeiten. So fallen sämtliche Sozialleistungen weg. Und: Auch der erst am 16. Februar gegründete Betriebsrat wird sich auf diese Weise wieder auflösen, da die Zahl der verbliebenen Festangestellten nicht ausreicht.

Von den noch im Dezember 133 festangestellten Fahrern seien heute weniger als 30 übrig, bestätigt Elmar Jost von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) in Köln. Seit Dezember habe Deliveroo nur noch freie Mitarbeiter eingestellt, für fünf bis sechs Euro pro Lieferung. "Das ist ganz klar eine Behinderung der Betriebsratsarbeit", so Jost.

Der Fahrradkurier des Lieferdienstes «Deliveroo», Roberto Urso , bringt eine Lieferung zu einem Kunden an die Wohnungstür

Fahrradkuriere unversichert?

Deliveroo setze nun verstärkt auf Scheinselbständigkeit, um so den ersten deutschen Betriebsrat des Unternehmens in Köln gleich wieder zu zerschlagen, kritisiert auch Elmar Wigand von der Kölner Organisation "Aktion Arbeitsunrecht".

Auf WDR-Anfrage erklärt Deliveroo dazu schriftlich, dass sich "die überwiegende Mehrheit" der Mitarbeiter aufgrund "der Flexibilität für die freiberufliche Variante" entscheide. Freiberufliche Fahrer verdienten "beispielsweise durchschnittlich 16 Euro pro Stunde", die festangestellten 9 bis 10 Euro. "In Köln gibt es definitiv keine Wahlmöglichkeit mehr zwischen fest und frei", sagt dagegen Gewerkschaftssprecher Jost.

Demo "Shame on you Deliveroo"

Demonstration Deliveroo

Demo gegen Deliveroo-Praktiken in Köln

Gemeinsam mit der NGG-Initiative "Liefern am Limit" lädt der Verein "Aktion Arbeitsunrecht" für Freitag zu Fahrraddemos in Köln und Berlin. Motto: "Shame on you Deliveroo". Gemeinsam wolle man Restaurants anfahren, die an dem Lieferservice teilnehmen, und dort Infozettel verteilen. Schriftlich will man rund 2.000 Deliveroo-Vertragsrestaurants in Deutschland den Verzicht auf den umstrittenen Lieferdienst nahe legen.

Stand: 13.04.2018, 06:00

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