Neustart in der Gastronomie - steigen jetzt die Preise?

Anstoßen mit Weißwein in einer Gastronomie.

Neustart in der Gastronomie - steigen jetzt die Preise?

Raus aus dem Lockdown, rein in die Lokale: Die sinkenden Inzidenzen machen es möglich. Gleichzeitig sollen die Preise steigen - bis zu 20 Prozent. Kommt jetzt die Preiskeule?

Der Lockdown ist vorbei, die Infektionszahlen sinken rapide - die Gastronomie darf endlich wieder öffnen. Kaum wächst die Vorfreude auf ein Bier mit der Clique oder ein gemütliches Essen auf der Restaurantterrasse, wird sie schon wieder getrübt: Die Preise sollen deutlich ansteigen, die Rede ist von bis zu 20 Prozent mehr.

So hat sich jedenfalls Christoph Becker geäußert, Geschäftsführer des Gastroverbandes Dehoga Nordrhein. Die Empörung in den sozialen Medien schlägt Wellen - wie auf der Facebook-Seite der "Aktuellen Stunde".

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"Die Menschen werden sich das nicht leisten können", schreibt zum Beispiel Anja Siwek und spricht damit für viele. "Für viele hat die Pandemie große finanzielle Einbußen bedeutet."

Erika Ennig zeigt etwas Verständnis: "Das Geld muss ja durch den monatelangen Einnahmeausfall irgendwie kompensiert werden. Einerseits verständlich, andererseits kann das auch daneben gehen."

Egon Goldschmidt kündigt Konsequenzen an: "Das muss man ja als Gast nicht zahlen. Zu Hause bleiben und selbst kochen ist preiswerter und schützt vor Infektionen."

Dehoga: "Es wird keine Preiskeule geben"

Upozorenja gde se sme sesti, a gde ne na stolu u jednom restoranu

Mehr Abstand - weniger Gäste

Eine massive Preiserhöhung könnte genau den gegenteiligen Effekt haben. Aber warum wird darüber überhaupt diskutiert? Die Gastronomen haben tatsächlich massiv unter Corona gelitten - die Dehoga selbst schätzt, dass jeder dritte Betrieb nicht überlebt. Und wer weitermacht, muss Mindestabstände beachten, kann also weniger Gäste bedienen.

Außerdem sind Strom, Lebensmittel und Rohstoffe insgesamt teurer geworden - darauf hat sich laut Dehoga auch Christoph Becker bezogen, als er eine Preissteigerung von 10 bis 20 Prozent ins Spiel brachte. Trotzdem ist sich Haakon Herbst vom NRW-Verband ziemlich sicher: "Es wird keinen Preisruck geben, erst recht keine Preiskeule."

Mehr zahlen - aus Liebe zum Wirt?

Darauf hat der Verband aber keinen Einfluss, Herbst verlässt sich auf sein "Bauchgefühl". "Wir haben gar nichts zu fordern, jeder muss selbst entscheiden." Jeder Kneipenwirt und jede Restaurantbesitzerin entscheidet für sich, wie die einzelnen Posten bei der Preiskalkulation gewichtet werden - darauf legt der Verband großen Wert.

Deswegen will er sich auch nicht festlegen, wie viele Gastronomen die Preise hoch setzen, sie senken oder lieber alles beim Alten lassen - was Herbst für "die vielleicht strategisch günstigere Variante" hält. "Das Schöne ist ja, dass viele gerade in der Pandemie ein enges Verhältnis zu ihrem Gastronomen entwickelt haben. Die legen dann vielleicht freiwillig zehn Prozent drauf."

Andere Ware, höhere Preise

Übrigens macht sich auch der "Gastgeberkreis Deutschland", einem Zusammenschluss von Spitzengastronomen, für höhere Preis stark. Allerdings aus Prinzip: "In der Pandemie hat sich gezeigt, dass es ein Preisniveau gibt, das niemanden glücklich macht", sagt Sprecher Torsten Olderog.

"Es kann keinen Döner für 3,70 Euro geben - da ist der Mann hinter der Theke unglücklich und das Tier auf dem Spieß war es auch. Und wer Spargel für 6,80 Euro bestellt, weiß nicht, dass er tiefgekühlte Vorjahresware aus China auf dem Teller hat."

Kurz: Es reicht nicht, dieselbe Sache einfach teurer anzubieten, sagt Olderog. Ein Umdenken, das die Gäste auf jeden Fall teuer käme. Aber auch dafür gäbe es wohl Kundschaft. So wie Facebook-User Axel Dülken: "Ich frage mich schon lange, wie manche Preise zu rechtfertigen sind und wo das Essen da her kommt. Es kann doch nicht angehen, dass der Konsument nur noch auf den Preis schaut und dahin geht, wo es am billigsten ist?"

Stand: 11.06.2021, 18:49

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