Deepfakes – wenn man plötzlich in einem Porno auftaucht

Symbolbild: Hände beim Schreiben auf einer PC-Tastatur

Deepfakes – wenn man plötzlich in einem Porno auftaucht

  • Software macht realistische Fälschungen möglich
  • In Videos können so auch Gesichter ausgetauscht werden
  • Youtube-Kanal reporter hat das getestet

Das eigene Gesicht eingebaut in einen Porno – nicht etwa durch einen Profi, sondern durch eine frei verfügbare Software. Das hört sich nach Science-Fiction an, ist allerdings keine Zukunftsvision mehr. Mithilfe Künstlicher Intelligenz in es möglich, sogenannte Deepfakes, zu erstellen - realistisch aussehende Fake-Videos, in denen das Gesicht ausgetauscht wird.

Das Gesicht der Journalistin Saadet Czapski auf dem Körper der Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis digital montiert

Der Youtube-Kanal Reporter aus dem Funk-Netzwerk von ARD und ZDF, wollte herausfinden, ob jetzt jeder Opfer eines solchen Fake-Videos werden kann und hat versucht, das Gesicht von reporter Team-Mitglied Saadet Czapski auf den Körper der Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis zu montieren. Erfolgreich?

Oberstes Gebot: Misstrauen

Deepfake Beispielfoto Obama

Deepfakes werden im Netz vor allem dazu genutzt, um Schauspieler in Pornos zu montieren oder Politikern Worte in den Mund zu legen, die sie normalerweise nie gesagt hätten. Ein bekanntes Beispiel ist ein Video des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, der seinen Nachfolger Donald Trump wüst beschimpft. Nur wer ganz genau hinschaut und beispielsweise auf Details wie unnatürliches Blinzeln der Augen achtet, erkennt die Fälschung. 

IT-Forensiker Prof. Dr. Martin Steinebach vom Fraunhofer Institut geht davon aus, dass es in Zukunft, durch das schnelle Voranschreiten der Technik, sogar noch schwieriger wird, Fake-Videos zu entlarven. "Das Einzige was man halt wirklich machen kann, ist weggehen von diesem: Von irgendwoher kommt ein Video, das glaube ich jetzt einfach mal."

Kann jetzt jeder Opfer eines Deepfakes werden?

Um einen Deepfake zu erstellen, braucht es in der Theorie nicht viel. Schon ein Computer mit einer guten Grafikkarte reicht aus, um mithilfe der Gratis-Software ein Fake-Video zu erstellen. Zusätzlich zu dieser Grundausstattung wird dann nur noch passendes Videomaterial benötigt.

Prof. Dr. Martin Steinebach

Zwar sind bisher vor allem Prominente und Politiker, von denen es viel Videomaterial gibt, in das Visier von Deepfakern geraten. Doch auch von Privatpersonen gibt es mittlerweile massenweise Videos auf Instagram und anderen sozialen Plattformen. Laut dem IT-Experten Thomas Endres reichen schon eine Minute Videomaterial, damit die Künstliche Intelligenz das Gesicht überzeugend rekonstruieren kann. Und Prof. Dr. Martin Steinebach befürchtet sogar, dass in wenigen Jahren schon einige Fotos von einem Gesicht reichen, um daraus einen Deepfake zu erstellen.

Grund zur Panik?

Bisher ist es zumindest für unerfahrene Anfänger nicht problemlos möglich, einen Deepfake zu erstellen. Das hat der Test von reporter gezeigt. Noch macht die Künstliche Intelligenz, die mithilfe des Videomaterial lernt, das Gesicht nachzuzeichen, Fehler. Diese können zwar manuell ausgebessert werde, das kostet Zeit und benötigt Fachwissen – für die Profis, die reporter um einen Deepfake gebeten hat, war das kein Problem.

Von Anfängern erstellte Deepfakes sind aber in der Regel leicht zu erkennen – das könnte sich aber bald ändern. Für uns Nutzer bedeutet das: Genaues Hinsehen wird, gerade bei sensiblen Themen, immer wichtiger.

Stand: 24.07.2020, 16:21

Aktuelle TV-Sendungen