Proteste gegen den Start von Kraftwerk Datteln 4

Proteste gegen den Start von Kraftwerk Datteln 4

  • Lautstarke Proteste gegen Datteln 4
  • Steinkohlekraftwerk im kommerziellen Betrieb
  • Auch Bergleute äußerten ihren Unmut

Begleitet von lautstarken, aber friedlichen Protesten hat der Energiekonzern Uniper am Samstag (30.05.2020) sein umstrittenes Steinkohlekraftwerk Datteln 4 offiziell in Betrieb genommen. Es ist ein historischer Tag - da sind sich Uniper und die etwa 500 Demonstranten rund um die Anlage herum einig. Damit endet aber schon die Gemeinsamkeit.

Umstrittenes Kohlekraftwerk Datteln 4 geht ans Netz

WDR 5 Echo des Tages 30.05.2020 03:49 Min. Verfügbar bis 30.05.2021 WDR 5

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Das Kraftwerk ist mit fast zehn Jahren Verspätung gestartet. Planungsfehler, ein zwischenzeitlich von Gerichten verhängter Baustopp und schließlich technische Pannen während des Probebetriebs hatten für diese Verzögerung gesorgt.

Jetzt zeigte sich Uniper zufrieden: "Die Inbetriebnahme von Datteln 4 ist für unser Unternehmen ein ganz wichtiger Meilenstein und eine großartige Teamleistung", hieß es in einer Stellungnahme.

Datteln 4 soll mehrere ältere Kraftwerke ersetzen

Von allen Steinkohlekraftwerken in Deutschland ist Datteln 4 das leistungsstärkste und umweltfreundlichste. Es soll mehrere ältere Kraftwerke ersetzen. Trotzdem hatte die Kohlekommission der Bundesregierung geraten, es nicht mehr ans Netz gehen zu lassen.

Die Bundesregierung entschied jedoch anders - obwohl bis 2038 alle Kohlekraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden sollen. Umweltschützer finden das ein Unding. Von Anfang an begleiteten sie den Bau der Anlage und auch ihren Probebetrieb mit Protesten.

"Klimakrise made in Germany"

An den zehn Demonstrationen und Mahnwachen nahmen neben Fridays for Future auch zahlreiche Anhänger von Greenpeace und "Ende Gelände" teil, außerdem Umweltschützer von Extinction Rebellion. Bereits in der Nacht hatten Aktivisten das Kraftwerk mit Schriftzügen wie "Klimakrise made in Germany" angestrahlt.

Mit dabei: Die junge Umweltaktivisten Franziska Pennekamp. Sie ist in Datteln geboren und aufgewachsen. Als 2007 der Grundstein zum Kraftwerk gelegt wurde, war sie zwöf Jahre alt. "Ich war vom ersten Tag an schockiert, dass das hier in Datteln möglich sein soll", sagte sie.

Massive Kritik auch vom BUND

Auch Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) äußerte massive Kritik an Datteln 4. Er nannte das Kraftwerk völlig überflüssig und kritisierte, dass es "die gesamte Stadt Datteln mit Schadstoffen überzieht, mit Lärm, mit Feinstaub". Außerdem schädige es ein europarechtlich geschütztes Naturschutzgebiet.

Neubauer: Protest geht weiter

Dem Protest der Kohlegegner hatten sich auch etwa 150 ehemalige Bergleute angeschlossen. Für sie ist das neue Kraftwerk eine Provokation. Sie hatten ihre Arbeitsplätze verloren, als 2018 die letzte Zeche geschlossen wurde - und nun ist ein neues Steinkohlekraftwerk in Betrieb, das unter anderem mit Kohle aus Russland und Kolumbien befeuert wird.

"Blutkohle", kommentierte Louisa Neubauer, Sprecherin von Fridays for Future in Deutschland. Die Kohle werde unter menschenrechtlich oftmals fragwürdigen Bedingungen gewonnen. Nicht nur aus dem Grund war der 30. Mai für sie eine klimapolitische Katastrophe. Und der Protest, das stellte nicht nur sie klar: Der ist mit dem 30. Mai nicht zu Ende.

Stand: 30.05.2020, 20:10

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