Cybermobbing: So setzen sich Betroffene zur Wehr

Cybermobbing: So setzen sich Betroffene zur Wehr

Jeder dritte Schüler ist von Cybermobbing betroffen - das hat eine aktuelle Studie ergeben. Was Betroffene unternehmen können.

Ein junger Mann mit schwarzen Haaren in einem Wald.

Als Lukas Pohland aus Schwerte zwölf Jahre alt war, setzte er sich für eine Mitschülerin ein. Sie wurde von anderen im Internet gemobbt. Damit wurde der Junge selbst zur Zielscheibe.

"Das ging sogar soweit, dass wir anonym Morddrohungen per SMS erhalten haben", erklärt der heute 16-Jährige. "Es wurden aber auch Fotos von uns in sozialen Medien gepostet. Das war schon ziemlich schlimm."

Mädchen häufiger betroffen

Mit seinen Erfahrungen ist Pohland nicht allein: Jeder dritte Schüler im Alter von 8 bis 21 Jahren ist schon einem im Internet gemobbt worden. Das ergab eine Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing und der Techniker Krankenkasse, die am Mittwoch veröffentlich wurde. Dafür wurden 2020 mehr als 6.000 Lehrer, Schüler und Eltern befragt.

Im Vergleich zur Vorgängerstudie 2017 ist der Anteil der Betroffenen von knapp 13 auf über 17 Prozent gestiegen. Rechnet man diese Zahlen auf Deutschland hoch, sind rund zwei Millionen Schüler hierzulande Opfer von Mobbing im Netz.

Mädchen waren dabei häufiger Opfer von Mobbingattacken als Jungen. Fast ein Viertel der Betroffenen hatte laut der Befragung Suizidgedanken. Ein Fünftel hat Alkohol getrunken oder Tabletten genommen.

Cybermobbing nicht einfach hinnehmen

Der 16-jährige Lukas Pohland hat mittlerweile den Verein "Cybermobbing-Hilfe" gegründet, mit dem er sich gegen das Mobbing im Netz engagiert. "Ich glaube, es ist ganz wichtig, sich Hilfe zu suchen und mit jemandem darüber zu sprechen", sagt er.

Dazu raten auch Initiativen wie "klicksafe" und "saferinternet". In keinem Fall sollten die Betroffenen einfach hinnehmen, dass sie gemobbt würden, raten die von der EU geförderten Vereine.

Die Täter können bei den Betreibern der Webseite gemeldet werden. Auch das Blockieren der mobbenden Kontakte ist eine Möglichkeit.

Zudem raten die Initiativen dazu, Angriffe zu dokumentieren - beispielsweise per Screenshot. Betroffene sollten sich außerdem über ihre Rechte informieren: Ohne Erlaubnis dürfen beispielsweise keine Fotos ins Netz gestellt werden.

Über Juuuport können sich betroffene Jugendliche von anderen Jugendlichen beraten lassen - auch anonym. Die "Nummer gegen Kummer" bietet ebenfalls Hilfe unter 116 111. Auch der Weiße Ring bietet Beratungen via Telefon und E-Mail an.

Auch die "Erste Hilfe"-App von klicksafe kann Jugendlichen helfen, sich gegen Cybermobbing zur Wehr zu setzen. In Videotutorial werden hier Tipps gegeben, wie man reagieren sollte.

Pohland: Eltern sollten Täter nicht konfrontieren

Laut der aktuellen Cybermobbing-Studie wünschen sich betroffene Schüler vor allem Unterstützung von Freunden und Eltern. Auch Lukas Pohland rät Eltern, für ihren Nachwuchs da zu sein. Das bedeute aber nicht, dass sie die Täter konfrontieren sollten. "Das geht meistens eher nach hinten los."

Bei Pohland hörte das Cybermobbing auf, als er die Schule wechselte. "Mit der Mitschülerin, die ich damals gegen das Mobbing verteidigt habe, bin ich aber bis heute befreundet." Auf eine Entschuldigung der Täter, die ihn damals im Netz beleidigten, wartet er allerdings noch.

Neue Studie zu Cybermobbing

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 02.12.2020 02:26 Min. Verfügbar bis 02.12.2021 WDR 5 Von David Zajonz


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Stand: 03.12.2020, 08:58

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