Inzidenzwert und R-Wert gestiegen - Der Anfang der vierten Corona-Welle?

Inzidenzwert und R-Wert gestiegen - Der Anfang der vierten Corona-Welle?

Das Coronavirus in Schach zu halten, das hat derzeit oberste Priorität. Doch aktuell sind sowohl der Inzidenzwert als auch der R-Wert gestiegen. Ein Alarmsignal?

Aktuell vergleichsweise niedrige Corona-Zahlen landauf, landab – also alles im grünen Bereich? Nicht ganz. Denn erstmals seit Wochen ist die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen gestiegen. Zwar geringfügig, aber immerhin.

Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Montagmorgen lag der Wert bei 5,0 Ansteckungen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Ebenso hoch war er am Sonntagmorgen, womit er indes um 0,1 höher als tags zuvor (4,9; Vorwoche: 5,7) lag. Laut RKI meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland binnen eines Tages 212 Corona-Neuinfektionen und einen Todesfall. Vor einer Woche hatte der Wert bei 538 Ansteckungen gelegen.

Die Gesamtzahl der verzeichneten Corona-Ansteckungen in Deutschland seit Beginn der Pandemie liegt damit bei 3.731.124, die Zahl der Corona-Toten beträgt 91.031.

Ein Infizierter steckt rechnerisch einen weiteren Menschen an

Aber nicht nur der Inzidenz-Wert ist gestiegen. Seit vergangenen Freitag liegt auch der sogenannte R-Wert wieder bei 1 (Vortag 0,92). Das bedeutet, dass ein  Infizierter rechnerisch im Schnitt einen weiteren Menschen ansteckt.

Nach RKI-Daten lag er zuletzt im April über 1,00. Seinen Tiefstand hatte der R-Wert seit dem im Juni mit 0,68 erreicht und war danach verhältnismäßig rasch gestiegen.

Das bedeutet der R-Wert

Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er wie in den vergangenen Monaten für längere Zeit unter 1,  flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen. Es handelt sich bei dem Wert zunächst um eine Schätzung, die jeweils angegebene Zahl wird nachträglich mit weiter beim RKI eingehenden Daten gegebenenfalls noch korrigiert.

Aber welcher Wert hat nun mehr Aussagekraft - der Inzidenzwert oder der R-Wert? Weil das Infektionsgeschehen in Deutschland derzeit vergleichsweise gering ist, war Ende Juni die sogenannte Bundesnotbremse ausgelaufen - die aber laut Bundesregierung jederzeit reaktiviert werden kann.

Bundesnotbremse könnte wieder in Kraft gesetzt werden

Die Bundesnotbremse ist an die Sieben-Tage-Inzidenz gekoppelt. Steigt also der Inzidenzwert, könnte zur Eindämmung des Infektionsgeschehens die Bundesnotbremse wieder in Kraft gesetzt werden.

Fachleute zeigen sich indes skeptisch. So erklärte Gérard Krause, Leiter der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, bereits im April: Die Sieben-Tage-Inzidenz sei "schon immer problematisch", aber inzwischen werde der Wert "richtiggehend untauglich". Er "entkoppelt sich immer mehr von der eigentlichen gesundheitlichen Lage".

Impfungen machen schwere Erkrankungen seltener

Ursachen seien mehr Testungen, außerdem fehlten noch immer Daten, welche Bevölkerungsgruppen besonders betroffen seien. Zudem würden durch Impfungen "schwere Erkrankungen seltener, selbst dann wenn die Zahl der Infektionen nicht ganz so schnell sinkt".

Impfungen beschleunigen

Krause gehört zu jenen Experten, die vorschlagen, die Anzahl der intensivmedizinischen Neuaufnahmen binnen einer Woche pro 100.000 Einwohner auf die Herkunftsorte der Patienten bezogen als Parameter zu nutzen. "Dieser Wert zeigt viel stabiler die epidemische Lage an, als die bisherige Sieben-Tage-Inzidenz", sagte er.

Und ein gestiegener R-Wert? Für den Präsidenten des Weltärztebundes, Frank-Ulrich Montgomery, ist klar: Sobald der R-Wert klar über 1,0 liegt, drohe bei der Ausbreitung des Virus wieder "exponentielles Wachstum“, hatte er vor einigen Monaten erklärt. Das gelte es einzudämmen. Mit einer Beschleunigung der Impfungen.

Stand: 05.07.2021, 13:28

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