Jetzt keine kostenlose Corona-Tests mehr: Das müssen Sie wissen

Ende der kostenlosen Bürgertests WDR aktuell 11.10.2021 08:56 Min. Verfügbar bis 18.10.2021 WDR Von Petra Dierks

Jetzt keine kostenlose Corona-Tests mehr: Das müssen Sie wissen

Jetzt müssen Bürger für einen Corona-Schnelltest zahlen. Jetzt sind die Bürgertests nicht mehr kostenlos - bis auf Ausnahmen. Welche Kosten drohen? Wo gibt es noch Tests? Hier kommen die Antworten.

Ohne Impfung oder Genesenennachweis wird der Corona-Alltag ab nächster Woche für viele komplizierter - und auch teurer. Denn Schnelltests, die Nicht-Geimpfte und Nicht-Genesene inzwischen häufig für den Zugang zu Restaurants oder Veranstaltungen brauchen, sind seit Montag (11.10.2021) nicht mehr für alle gratis. So wurde es mit mehreren Wochen Vorlauf angekündigt, jetzt ist es so weit.

Was sollen PCR- und Antigentests denn kosten?

Was ein Schnelltest kostet, ist nicht reguliert und wird von Ort zu Ort vermutlich stark variieren. Bisher haben die Anbieter eine Vergütung von 11,50 Euro pro Schnelltest bekommen. Der Apothekerverband Nordrhein schätzt, dass die Tests in Apotheken etwa 20 Euro kosten werden. Zwei größere Anbieter in NRW verlangen 14,90 Euro pro Schnelltest, bei anderen Betreibern könnten die Tests auch deutlich teurer sein.

PCR-Tests, die genauere Ergebnisse liefern, sind dagegen schon seit längerem kostenpflichtig. Die Kosten dafür variieren sehr stark - abhängig vom Labor, der Teststelle und der Bearbeitungszeit. Ein PCR-Test kostet in den Testzentren in Köln zwischen 58 Euro und 100 Euro. Im Klinikum in Dortmund gibt es den Test für 60 Euro. An den Flughäfen in Düsseldorf und Köln/Bonn kostet ein PCR-Test 59 Euro bzw. 69 Euro, mit Ergebnis innerhalb von 24 Stunden. Soll das Ergebnis innerhalb einer Stunde vorliegen, zahlt man 249 Euro.

Ausnahmen: Wer bekommt noch kostenlose Schnelltests?

Für alle, die sich bisher nicht impfen lassen konnten, bleiben die Tests kostenlos. Weitere Ausnahmen gelten zum Beispiel für Personen, für die es erst seit Kurzem eine Impfempfehlung gibt. Dazu zählen unter anderem:

  • Bis zum 31. Dezember 2021 alle Minderjährigen und Schwangere.
  • Darüber hinaus Kinder bis zu einem Alter von zwölf Jahren und drei Monaten. Um das nachzuweisen, reicht ein amtlicher Lichtbildausweis.
  • Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Betroffene müssen ein ärztliches Attest vorlegen.
  • Schwangere im ersten Schwangerschaftsdrittel auch über den 31. Dezember hinaus. Als Nachweis dient ein Attest oder der Mutterpass.

Der Arbeitgeber ist weiterhin verpflichtet, allen, die ins Büro kommen, Tests anzubieten – muss aber keinen Nachweis darüber ausstellen. Auch Pflegeheime müssen Schnelltests für Besucherinnen und Besucher mindestens an drei Terminen pro Woche kostenlos anbieten.

Gratis bleiben auch die Tests in Schulen. Wichtig dabei: In den Herbstferien reicht der Schülerausweis nicht mehr als Testnachweis. Auch Kinder und Jugendliche müssen in der Zeit also ins Testzentrum.

Wofür brauche ich eigentlich noch einen Test?

In vielen Bereichen gilt die sogenannte 3G-Regel: Genesen, geimpft oder eben getestet. Eine grundsätzliche Testpflicht gibt es in besonders sensiblen Bereichen. Dazu zählen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

Für andere Bereiche, wie Sport, Kino, Restaurants, Friseure und Veranstaltungen in Innenräume, gilt für Ungeimpfte eine Testpflicht.

Wo kann man sich jetzt noch testen lassen?

Weil die Nachfrage nach Schnelltests vermutlich sinken wird, werden wohl auch viele Testzentren schließen. Schon in den vergangenen Wochen haben viele Teststellen dicht gemacht. Hier entscheiden letztlich Angebot und Nachfrage.

Das NRW-Gesundheitsministerium teilt mit: "Zwar ist von einem Absinken der Testkapazitäten auszugehen, aber nicht so weit, dass der landesweite, niedrigschwellige Zugang zu Testzentren gefährdet wäre."

In vielen kleineren Orten bieten schon jetzt vor allem Apotheken und Arztpraxen Tests an. Sie sind deshalb besonders wichtig, um ein flächendeckendes Angebot zu erhalten. Von den Apotheken werden zunächst gut 90 Prozent weiter testen, schätzt der Apothekerverband Nordrhein auf Basis einer Umfrage, an der sich 200 Mitglieder beteiligt haben. Auch der Apothekerverband Westfalen-Lippe rechnet damit, dass viele ihr Angebot erst einmal erhalten – allerdings oft mit eingeschränkten Öffnungszeiten.

Auch viele Teststellen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bleiben geöffnet. Der DRK-Landesverband Westfalen-Lippe geht davon aus, dass zwei Drittel der cirka 80 Teststellen ihren Betrieb zunächst mit reduziertem Betrieb weiterführen werden und rechnet mit Preisen von etwa 15 Euro.

Welche Kritik gibt es an der neuen Regelung?

Der Sozialverband VdK plädiert für eine Begrenzung der Kosten. Weil keine Höchstpreise festgeschrieben sind, rechnet sie mit völlig überteuerten Angeboten, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland".

Menschen mit wenig Geld sollten deshalb nur eine geringe Eigenbeteiligung zahlen müssen und es müsse mehr Ausnahmen von der Bezahlpflicht geben - zum Beispiel für chronisch Kranke oder Menschen mit Behinderungen, forderte Bentele. 

Patientenschützer fordern bereits kostenlose Schnelltests in Altenheimen. Eine Sonderregelungen für Besucher in Heimen gibt es bisher nicht. Viele der bundesweit etwa 12.000 stationären Einrichtungen verlangten auch von vollständig geimpften Besuchern einen aktuellen und zertifizierten negativen Schnelltest, betonte Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Vor allem in ländlichen Gebieten sei der Nachweis schwer zu bekommen. Zwanzig Kilometer Anfahrtsweg seien für Angehörige unzumutbar.

Auch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund sieht dem Ende kostenloser Schnelltests ab Montag mit Sorge entgegen. Zu befürchten sei, dass sich viele Menschen mit Symptomen dann nicht mehr testen lassen und das Virus sich wieder schneller ausbreitet.

Gesundheitsminister verteidigen den Kurs

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) betonte, dass die Länder keine gesetzlichen Möglichkeiten mehr haben, die Tests zu bezahlen. Gleichzeitig verteidigte er den Schritt: "Wir haben Teststellen überall. Das ist kein Problem, sich testen zu lassen. Aber ich sehe das auch so, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen. Und wir haben ja Impfstoff in Hülle und Fülle. Dann ist der Staat nicht mehr zuständig, die Tests zu finanzieren."

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigte den Einschnitt als Sparmaßnahme im Interesse der SteuerzahlerInnen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erhofft sich gar Auswirkungen auf die Impfquote, weil die kostenpflichtigen Tests den Alltag für Ungeimpfte teurer und komplizierter machen.

Warum werden die Gratistests überhaupt abgeschafft? 

Das Ende der kostenlosen Tests für alle hatten Bund und Länder Anfang August beschlossen. Der Grund dafür waren vor allem die hohen Kosten. Für willentlich Ungeimpfte gebe es keinen Anspruch darauf, dass die Allgemeinheit diese dauerhaft übernimmt, sagt etwa Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Wie viel genau die Bürgertests gekostet haben, kann das Bundesgesundheitsministerium nicht mitteilen. Nach Testart aufgeschlüsselte Daten gibt es erst seit Juli. In dem Monat haben die Schnelltestanbieter in NRW über 93 Millionen Euro abgerechnet, im August fast 90 Millionen. In anderen Monaten müssen die Kosten deutlich höher gewesen sein: Zum Teil wurde deutlich mehr getestet, gleichzeitig haben die Anbieter bis Ende Juni eine höhere Vergütung bekommen.

Hintergrund, warum nicht mehr der Staat die Tests zahlt, ist, dass allen in Deutschland eine kostenfreie Impfung gegen das Coronavirus angeboten wird. Das soll durchaus auch einen praktischen Anreiz für noch zögernde Menschen bedeuten: Tests werden mühsamer und kosten nun meistens etwas, Impfungen eben nicht.

Stand: 11.10.2021, 12:10

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen