Kostenlose Corona-Tests – aber nur für Geimpfte und Genesene?

Kostenlose Corona-Tests – aber nur für Geimpfte und Genesene?

NRW-Ministerpräsident Wüst fordert Gratis-Corona-Tests für Geimpfte und Genesene. Ungeimpfte sollen davon aber nicht profitieren.

Die steigenden Corona-Zahlen haben eine neue Diskussion angefacht, ob das Ende der kostenlosen Testmöglichkeiten vor rund einem Monat möglicherweise verfrüht war. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) fordert nämlich nun Gratis-Tests für Geimpfte und Genesene.

Hendrik Wüst

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU)

"Die hohen Infektionszahlen unter Ungeimpften führen zu immer mehr Durchbrüchen auch bei den Geimpften", sagte Wüst der "Bild am Sonntag". Mit kostenlosen Schnelltests für Geimpfte und Genesene könnten sich auch Menschen mit weniger Geld wieder leichter testen lassen. Der Anreiz zum Impfen falle aber trotzdem nicht weg.

Zustimmung von Medizinern

Auch die Bundesärztekammer spricht sich für eine schnelle Rückkehr zu kostenlosen Corona-Schnelltests aus - allerdings ohne Beschränkung auf Geimpfte und Genesene. Das Ende der kostenlosen Tests habe nicht dazu geführt, Impfunwillige zu einer Impfung zu motivieren, sagte Ärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Bund und Länder sollten diese "Fehlentscheidung" schnell korrigieren, so Reinhardt. Gerade in der kalten Jahreszeit brauche man wieder niedrigschwellige kostenlose Testangebote. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Grünen-Chef Robert Habeck sowie Vertreter von Ärzten, Kommunen und Handel hatten das bereits gefordert.

Falsche Sicherheit durch 2G?

Kritik am Wegfall der kostenlosen Testmöglichkeiten kommt auch von Fachleuten. Wenn man wirkliche Sicherheit wolle, helfe nur "1G" weiter - also alle zu testen, egal ob geimpft, genesen oder ungeimpft, sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit am Samstag im Deutschlandfunk. Er kritisierte zudem eine "Scheinsicherheit" durch 2G-Regelungen.

Ähnlich äußerte sich auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck. "Die Geimpften und Genesenen haben das Gefühl, sie sind nicht mehr Teil der Pandemie und verhalten sich auch entsprechend risikoreich", sagte Streeck im Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er befürchtet unkontrollierte Ausbrüche, wenn Ungeimpfte vom Sozialleben ausgeschlossen werden und private Feiern organisieren.

Österreich und Sachsen hatten beschlossen, im Kampf gegen die vierte Corona-Welle in vielen Bereichen nur noch Geimpfte und Genesene zuzulassen - etwa in der Gastronomie. In Österreich wurde die bundesweite 2G-Regelung am Freitag beschlossen. In Deutschland führt Sachsen sie am Montag als erstes Bundesland in Teilen des öffentlichen Lebens flächendeckend und verpflichtend ein.

Stand: 07.11.2021, 19:31

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