Zeugnisse und dann endlich Ferien! Das Corona-Schuljahr ist vorbei

Zeugnisse und dann endlich Ferien! Das Corona-Schuljahr ist vorbei

Letzter Schultag! Endlich vorbei, dieses verrückte Corona-Schuljahr. Wenn da nur nicht die Zeugnisse wären. Schlechte Noten, Sitzenbleiben: diesmal ein besonders großes Thema.

Jeder kennt eine Corona-Schul-Geschichte. In den vergangenen Monaten handelten sie oft von Rückenschmerzen, Stoßlüften und lahmen WLAN-Verbindungen. Jetzt, zum Ende des Schuljahres 2020/2021, geht es um Noten und Klassenwiederholungen.

Kinder bekommen schlechtere Noten als sonst, heißt es dann. Und: Sie bleiben reihenweise sitzen oder wiederholen das Jahr freiwillig, weil sie den Stoff nicht gepackt haben. Kurz: Das Corona-Schuljahr ist für den Nachwuchs gefühlt besonders schlimm.

Noch keine frischen Zahlen zu Sitzenbleibern

Aber stimmt das? Das lässt sich (noch) nicht belegen. Was zum Beispiel die Wiederholungen betrifft: Dazu gibt es bisher keine aktuellen Zahlen, es kann noch Wochen dauern, bis das Schulministerium die Daten bekommt. Solange bleibt unklar, wie viele der 2,5 Millionen Schüler und Schülerinnen in NRW eine Ehrenrunde drehen - und ob es mehr sind als im vergangenen Schuljahr.

Da waren es genau 30.164 Kinder und Jugendliche, wie eine Statistik des Schulministeriums zeigt - verteilt auf Grund- und Realschulen, Gymnasien und Weiterbildungskollegs. Das entspricht einer Quote von 1,2 Prozent - was erstmal nicht viel zu sein scheint.

Alle Kinder und Jugendliche haben Fähigkeiten entwickelt

Auch wenn man das Ausmaß noch nicht genau bemessen kann, klar ist: Einige Kinder und Jugendliche haben es in der Schule durch die Folgen der Pandemie deutlich schwerer. Wichtig sei, sagt der Dortmunder Bildungsforscher Paul Fabian: Kinder sollten "sich nie als Versager sehen" und lieber auf die Sachen schauen, die sie gut können.

Das können auch ganz andere Dinge sein als in Vor-Corona-Zeiten: zum Beispiel der Umgang mit Online-Plattformen, Gruppen-Lernen per Zoom, Selbstorganisation. Das schätzen auch künftige Arbeitgeber - ein Trost für Abiturienten, die Angst haben, ihr Abschluss würde wegen Corona als "Abi zweiter Klasse" angesehen werden.

Besondere Umstände erfordern besondere Bewertungen

Porträt Xueling Zhou, Schülersprecherin des Genoveva-Gymnasiums und Mitglied der Landesschüler*innenvertretung

Xueling Zhou findet Noten ungerecht

Mittlerweile wird öfter gefordert, solche "neuen Skills" bei den Noten zur berücksichtigen. Noch wichtiger: den besonderen Umständen Rechnung zu tragen, in denen der Unterricht stattfindet. Xueling Zhou von der Landesschülervertretung (LSV) kritisiert, dass die Bewertungskriterien "alle auf Präsenzunterricht ausgerichtet" sind, zugrunde gelegt würde aber der Distanzunterricht. Und da mussten sich manche Schüler "ein digitales Endgerät beim Lernen zuhause mit fünf Geschwistern teilen, andere hatten mehrere Computer für sich alleine".

Der Lehrerverband VBE hält dagegen: Leistungen zu messen und bewerten sei eh schwierig, in einem solchen Jahr erst recht. Aber das könnten die Lehrer auch im Distanz- und Wechselunterricht. Sie würden auch die außergewöhnlichen Leistungen der Kinder und Jugendlichen berücksichtigen. "Denn neben dem pädagogischen Personal in den Schulen waren es die Schülerinnen und Schüler, die besondere Leistungen in diesem Schuljahr gezeigt haben."

Diese Leistungen hat auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer von der FDP hervorgehoben und das Schuljahr mit einem Marathon verglichen.

Und der Plan für nach den Sommerferien?

Eltern, Schülerinnen und Schüler wollen natürlich wissen, wie es nach den Sommerferien weitergeht, ob es einen Plan gibt. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, fordert, die Digitalisierung voranzutreiben, um "immer auch für ein alternatives Szenario, eine Phase des Distanzunterrichts" vorbereitet zu sein.

Für den Beginn des nächsten Schuljahres setzt er auf eine Maskenpflicht und regelmäßige Testungen: "Wir wissen nicht, in welchem starken Ausmaß Reiserückkehrer das Virus wieder an die Schulen bringen." Außerdem hofft Meidinger auf eine Impfempfehlung für Schülerinnen und Schüler.

Luft-Filteranlagen für alle Kölner Schulen: Ein Vorbild?

Ein wichtiger Baustein sind auch die schon lange geforderten Luft-Filteranlagen. Da geht Köln jetzt wohl einen entscheidenden Schritt: Im Stadtrat deutet sich eine Mehrheit dafür an, so schnell wie möglich an allen Schulen solche Anlagen zu installieren - um die Schülerinnen und Schüler vor der Delta-Variante zu schützen.

Die Nummern der Zeugnistelefone

In NRW gibt es auch zum Ende dieses Schuljahres wieder die Möglichkeit, sich am Telefon Rat zu holen:

  • Zeugnistelefon der Bezirksregierung Arnsberg: 02931-823388. Erreichbar am 5. und 6. Juli 2021 (9 bis 15 Uhr) und am 7. Juli 2021 (9 bis 13 Uhr)
  • Zeugnistelefon der Bezirksregierung Detmold: 05231-714848. Erreichbar am 2.Juli und 5. Juli 2021 jeweils von 8 bis 16 Uhr
  • Zeugnistelefon der Bezirksregierung Düsseldorf: 0211-4754002. Erreichbar am 2. Juli, 5. und 6. Juli 2021 von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 15 Uhr. Für die Grund-, Haupt- und Förderschulen gibt es eigene Nummern, die auf der Webseite www.brd.nrw.de zu finden sind.
  • Zeugnistelefon der Bezirksregierung Köln: 0221-1472000. Erreichbar am 1.Juli, 2. Juli, 5.Juli und 6. Juli 2021 von 10 bis 12 und 13 bis 15 Uhr.
  • Zeugnistelefon der Bezirksregierung Münster: 0251-411-4199. Erreichbar am 1.Juli, 2. Juli, 5.Juli und 6.Juli 2021 von 10 bis 14 Uhr.

(alle Angaben: Schulministerium NRW)

Stand: 02.07.2021, 14:16

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