Coronavirus: Allein mit der Ansteckungsgefahr

Eine Laborantin sortiert im Institut für Virologie an der Charite Berlin Mitte, in dem Untersuchungen zum Coronavirus laufen, Proben.

Coronavirus: Allein mit der Ansteckungsgefahr

Von Bettina Nutz

  • Zwei China-Rückkehrer sind verunsichert
  • Schutzmasken ausverkauft, kaum praktische Infos
  • Kritik an Minister Spahn

Andrea Schmidt und ihr chinesischer Mann Tian leben in einer größeren Stadt in Nordrhein-Westfalen. Eigentlich heißen die beiden anders – aber sie möchten öffentlich nichts über sich preisgeben, aus Rücksicht auf ihre Familie in China. Dort wollte Tian eigentlich das Neujahrsfest verbringen – in der Nähe von Wuhan.

Doch mit dem Auftauchen des neuartigen Coronavirus und der schleppenden Informationspolitik der chinesischen Medien hat er seine Pläne dann kurzerhand über den Haufen geworfen, ist noch gerade vor der Absperrung der Provinz zurück nach Deutschland gelangt.

Gesundheitsamt war verblüfft

Seine Frau Andrea hielt es für selbstverständlich, ihr örtliches Gesundheitsamt zu informieren. Dort sei man ziemlich verblüfft gewesen, erzählt Andrea Schmidt, dass sich jemand aus eigener Initiative meldet.

Empfehlungen statt Auflagen

Sie bekam dann "Empfehlungen" für eine Quarantäne in der eigenen Wohnung. "Auflagen gibt es da offenbar nicht". Sie selbst sei ein ziemlich strukturierter Mensch und habe schon Tage vor der Rückkehr ihres Mannes die zweiwöchige Isolation in den eigenen Wänden vorbereitet. Aber so sei ja nicht jeder.

Zu den Empfehlungen des Gesundheitsamtes gehörte, ihren Mann nach einem wahrscheinlichen Fiebertest im Flugzeug abzuholen und dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu fahren. Allerdings mit Mundschutz und Handschuhen.

Atemschutzmasken fast ausverkauft

Doch der geforderte Mundschutz war fast überall ausverkauft. Andrea Schmidt klapperte etliche Apotheken in ihrer Stadt ab, bat Freunde in benachbarten Orten um Hilfe bei der Suche. Schließlich ergatterte sie noch sechs der so genannten FFP2-Masken.

Doch wie lange kommt sie damit aus, wie oft muss sie die wechseln? Es gibt nicht einmal Anleitungen oder Tipps dazu. Überhaupt, kritisiert Andrea Schmidt, hätte sie die meisten Informationen selbst recherchieren müssen.

So helfen übliche Desinfektionssprays nicht gegen mögliche Viren, es gebe spezielle Mittel dafür, weiß Andrea inzwischen und fragt: "Warum werden so einfache Vorsichtsmaßnahmen nicht publik gemacht? Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert." Andrea Schmidt fühlt sich mittlerweile verunsichert. Gesundheitsminister Spahn im fernen Berlin nimmt sie jedenfalls nicht mehr ab, wenn der sagt, man sei hier gut vorbereitet. Sie jedenfalls hat andere Erfahrungen gemacht.

Stand: 29.01.2020, 08:47

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