Coronavirus: NRW-Studentin flüchtet aus Angst vor Quarantäne

Ein italienischer Polizist mit Schutzmaske spricht einem Autofahrer.

Coronavirus: NRW-Studentin flüchtet aus Angst vor Quarantäne

Von Jörn Seidel

  • Coronavirus: Viersener Studentin flüchtet aus Italien
  • Universität in Castellanza stellte den Betrieb ein
  • Regierung ließ in der Nähe mehrere Orte abriegeln

Plötzlich habe auch sie die Angst ergriffen, erzählt Dana Bildau. Angst davor, dass bald auch die italienische Kleinstadt Castellanza, in der die Studentin aus Viersen zurzeit ein Auslandssemester macht, wegen des Coronavirus unter Quarantäne gestellt wird.

Flucht über Nacht

In der Nacht auf Rosenmontag (24.02.2020) ist die 21-Jährige jetzt geflüchtet - und mit ihr viele weitere Auslandsstudenten der kleinen Universität in der Nähe von Mailand.

Reporterin Dana Bildau bei Castellanza, Italien.

Studentin Dana Bildau in der Nähe von Castellanza in Italien.

Unweit von dort, ebenfalls in der Lombardei, riegelte die italienische Regierung zuvor zahlreiche Gemeinden ab. Niemand darf die Orte mehr verlassen, in denen sich das Coronavirus stark ausgebreitet und bereits Todesopfer gefordert hat.

Uni stellte Betrieb ein

Wie nah die Ereignisse sind, habe sie erst realisiert, als sie vor zwei Tagen eine E-Mail von ihrer Universität erhalten habe, berichtet Bildau dem WDR. Darin heißt es: Der Uni-Betrieb werde für eine Woche lang komplett eingestellt. Eine Vorsichtsmaßnahme, verordnet von der Regierung.

"Erst dachte ich: Gut, eine Woche lang frei. Da kann ich hier ein bisschen rumreisen." Aber je mehr sie sich mit den anderen Studierenden in ihrem Wohnheim austauschte, desto mulmiger wurde ihr. Was ist, wenn auch in Castellanza plötzlich das Coronavirus auftaucht und die Stadt abgeriegelt wird?

Hamsterkäufe im Supermarkt

Einkaufswagen gefüllt mit Wasserflaschen

Hamsterkäufe: Einkaufswagen mit Wasserflaschen in Castellanza.

Schon in den Tagen zuvor hatte sich manches verändert in der beschaulichen Stadt. Immer mehr Menschen mit Atemschutzmasken waren zu sehen. Und Freunde berichteten aus dem nahen Supermarkt von Hamsterkäufen und leeren Regalen.

"Ich hatte nie Angst vor dem Virus, weil die Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren, ja eher gering ist", sagt Bildau. Als dann aber mehrere Gemeinden abgeriegelt wurden, die Uni diese E-Mail schickte und Österreich auch noch den Bahnverkehr mit Italien einstellte, "da wollten wir raus".

Atemschutzmasken an der Grenze

Froh sei sie gewesen, als sie die deutsche Grenze passiert habe, sagt Bildau. Aber auch hier sah sie als Erstes Atemschutzmasken - getragen von deutschen Polizisten.

Die Gedanken von Dana Bildau sind weiterhin in Castellanza. Auch bei jenen Auslandsstudenten, die im Wohnheim zurückgeblieben sind. Denn nicht alle kommen aus Europa. "Die können nicht einfach zurück in ihre Heimat."

NRW-Wirtschaft: Vom Corona-Virus ausgebremst

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 19.02.2020 03:24 Min. Verfügbar bis 18.02.2021 WDR 5 Von Wolfgang Landmesser

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Stand: 24.02.2020, 14:46

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