Veranstaltungsverbot: Warum ausgerechnet ab 1.000 Personen?

Veranstaltungsverbot: Warum ausgerechnet ab 1.000 Personen?

  • "Verzichtbare" Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern in NRW verboten
  • Ziel: Ausbreitung des Coronavirus eindämmen
  • Warum genau ab 1.000?

Fußballspiele, Konzerte, Messen - ab sofort sind sämtliche Veranstaltungen in NRW, bei denen mehr als 1.000 Besucher erwartet werden, abgesagt. Das hat die Landesregierung in einem Erlass am Dienstag (10.03.2020) angeordnet.

Viele Menschen sind jetzt verärgert oder enttäuscht - zumindest aber wundern sich viele über die Festlegung der Grenze von 1.000 Menschen. In den sozialen Medien haben uns Fragen erreicht, die wir hier beantworten:

Was ist der Grund für die Grenze von 1.000?

Die 1.000 seien von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) festgelegt worden, begründete sein NRW-Kollege Karl-Josef Laumann (CDU) die Zahl am Dienstag (10.03.2020). Auch in der Schweiz habe sich auf diese Zahl als "durchaus begründbare Größe" geeinigt.

Es gehe bei diesem Beschluss vor allem darum, Zeit zu gewinnen, sagte Laumann: Ließe sich die Ausbreitung des Corona-Virus verlangsamen, könne sich das Gesundheitssystem besser darauf vorbereiten, Kranke zu behandeln, wenn die Zahl der Infizierten steigt: "Es geht um unser aller Gesundheit."

Sind Ansammlungen von 999 Menschen weniger gefährlich?

Ob eine Veranstaltung mit knapp unter 1.000 Besuchern weniger risikoreich wäre, müssten die örtlichen Behörden jeweils "individuell" einschätzen, so Laumann. Das hinge beispielsweise vom Durchschnittsalter des Publikums ab oder der Frage, ob der Ort genug Platz biete, damit die Menschen nicht zu dicht gedrängt stünden.

Laumann appellierten an die Solidarität der Menschen in NRW: Wenn ein junger Mensch sich an einem Ort mit erhöhtem Ansteckungsrisiko aufhalte, werde ihn das Virus vielleicht kaum belasten - dafür aber die Oma zuhause, die sich dann anstecken könnte und schwer erkranke.

In großen Schulen kommen durchaus 1.000 Schüler zusammen. Warum müssen die dann nicht geschlossen werden?

Schulen seien "wichtig für unser Land"- auch, um das gesellschaftliche Leben in Gang zu halten, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Wenn tausende Kinder zuhause blieben, könnten tausende Ärzte und Pflegepersonen nicht zur Arbeit, weil sie sich um ihre Kinder kümmern müssten. Ein Fußballspiel oder eine Literaturmesse dagegen seien "nicht dringend erforderlich".

Nicht nur Schulen und Kindergärten, auch der Öffentliche Nahverkehr und Bahnhöfe müssten in Betrieb gehalten werden. "Wenn der ÖPNV zusammenbricht, haben wir ein großes Problem."

Opposition kritisiert Corona-Krisenmanagement phoenix vor ort 09.03.2020 11:52 Min. Verfügbar bis 09.03.2025 Phoenix

Stand: 10.03.2020, 18:42

Aktuelle TV-Sendungen