Omikron: Was wir über die neue Coronavirus-Variante wissen

Model korona virusa i natpis 'Omikron'

Omikron: Was wir über die neue Coronavirus-Variante wissen

Die Ausbreitung der neuen Coronavirus-Variante Omikron löst in Deutschland und international Besorgnis aus. Was ist über die Mutante bislang bekannt?

Der Omikron-Anteil an den Infektionen in Deutschland nimmt laut den aktuellen Berichten des Robert Koch-Instituts (RKI) rasant zu. Wie hoch die Omikron-Welle bereits ist, ist unklar. An dieser Stelle tragen wir die aktuellen Informationen zu der neuen Mutante des Coronavirus zusammen, die erstmals im November in Südafrika identifiziert wurde und sich seitdem in der ganzen Welt verbreitet.

Wie viele Omikron-Fälle gibt es offiziell in Deutschland?

Laut dem jüngsten Bericht des Robert Koch-Instituts wurden bis zum 30. Dezember 16.748 Omikron-Fälle registriert. Zum größten Teil handelt es sich dabei um Verdachtsfälle, bei denen der Virusstamm ziemlich sicher, aber noch nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt.

In NRW wurden bis Ende Dezember 5.676 Fälle bestätigt. Am 17. Dezember hatte die offizielle Gesamtzahl in NRW noch bei 607 gelegen.

Dass Omikron auch in Deutschland bald die dominante Virusvariante sein wird, gilt als sicher. Unklar ist nur noch, wie schnell es passieren wird. Nach wie vor gilt, was Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am 19. Dezember sagte: "Verhindern können wir die Verbreitung nicht, nur verzögern. Je länger es dauert, bis Omikron auch Deutschland im Griff hat, umso besser."

Wo verbreitet sich Omikron?

Inzwischen gibt es Nachweise aus aller Welt. In Europa schauen Experten vor allem auf Dänemark, Norwegen, die Niederlanden und Großbritannien, wo sich die Variante bereits explosionsartig vermehrt und neue Rekordzahlen bei den täglichen Neuinfektionen verursacht.

Nach Einschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC dürfte Omikron schon in den ersten beiden Monaten 2022 zur dominierenden Variante in Europa werden.

Was macht Omikron so besonders?

Die Variante hat auffällig viele Erbgutveränderungen an Schlüsselstellen. Mehr als 30 Mutationen betreffen das sogenannte Spike-Protein, mit dem das Virus menschliche Zellen entert. Das Problem: Die bisherigen Impfstoffe sind auf das Spike-Protein des Coronavirus vom Pandemiebeginn ausgerichtet. Verändert sich ein Virus so, dass Antikörper von Genesenen und Geimpften weniger gut ansprechen, nennen Fachleute dies Immunflucht.

Wie gefährlich ist die neue Variante?

Es mehren sich die Hinweise, dass sich Omikron zwar erheblich schneller von Mensch zu Mensch übertragt als die bisher bekannten Coronaviren. Aber es gibt auch gute Nachrichten. Aktuellen internationalen Studien zufolge ist das Risiko einer schweren oder gar lebensgefährlichen Erkrankung bei Omikron geringer als bei früheren Wellen. Das zumindest erklärt US-Mediziner Eric Topol bei Twitter. Allerdings beruhen die Studien noch auf relativ kurzfristigen Untersuchungen und sind noch nicht wissenschaftlich überprüft.

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Doch die Schwere der Erkrankung sei nicht das einzige Problem, sagte Intensivmediziner Christian Karagiannidis am 20. Dezember dem WDR: "Das Problem ist, dass sich Omikron viel schneller überträgt. Dadurch erkranken innerhalb kurzer Zeit viel mehr Menschen als bislang. Und das ist das eigentliche Problem." Karagiannidis fürchtet, dass in kurzer Zeit die Kapazitäten der Krankenhäuser nicht mehr ausreichen werden - auch wenn der größte Teil der Infektionen mild verläuft.

Wirken die bisherigen Impfstoffe gegen Omikron?

Das US-Pharmaunternehmen Moderna hat in ersten Labortests mit Booster-Impfungen gute Ergebnisse gegen die Omikron-Variante verzeichnet. Nach Angaben des Unternehmens kann eine halbe Dosis bei der Auffrischungsimpfung die Zahl der Omikron bekämpfenden Antikörper um das 37-fache erhöhen. Die Angaben sind aber noch nicht wissenschaftlich überprüft worden. Tests der Nationalen Gesundheitsinstitute der USA ergaben aber eine ähnliche Steigerung der Antikörper.

Die Hersteller Biontech/Pfizer werten zwei Impfstoff-Dosen als nicht ausreichenden Schutz vor einer Infektion. Eine Bevölkerungsstudie aus Großbritannien ergab, dass die Wirksamkeit gegen eine symptomatische Infektion mit Omikron 15 Wochen nach der zweiten Dosis Biontech auf 34 Prozent sinkt. Menschen, die mit zwei Dosen des Astrazeneca-Präparats geimpft worden waren, hatten keinen Schutz mehr vor symptomatischer Infektion. Zwei Wochen nach einer Booster-Impfung stieg die Effektivität bei beiden Präparaten auf über 70 Prozent. Mit der Auffrischimpfung können Antikörperspiegel zum Schutz vor Ansteckung zwar wieder angehoben werden, er ist nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht perfekt.

Der beste Schutz gegen eine Omikron-Infektion könnte die Kombination aus einer Impfung und einer überstandenen Corona-Infektion sein. Das zumindest ist das Ergebnis einer kleinen Studie der Medizinischen Universität Innsbruck, die ebenfalls noch nicht überprüft oder bestätigt ist.

Wann sind die Impfstoffe an Omikron angepasst?

Der Präsident des Paul-Ehrlich Instituts, Klaus Cichutek, machte am 15. Dezember Hoffnung darauf, dass die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna bald schon wirksam gegen die Omikron-Variante sein könnten.

Beide Hersteller haben demnach signalisiert, dass sie in etwa sechs Wochen eine (Virus-)Stammanpassung umsetzen könnten, die dann innerhalb weniger Monate millionenfach hergestellt werden könnte. Ein langwieriges Zulassungsverfahren würde wegfallen, sofern die Anträge für artverwandte Covid-Impfstoffe bereits vollständig sind.

Lohnt sich Boostern überhaupt noch?

Ja, sagt Stiko-Chef Thomas Mertens: "Boostern lohnt auf jeden Fall. Der Kampf gegen die Delta-Variante geht weiter." Trotz der angekündigten angepassten Impfstoffe sollten die Menschen eine Booster-Impfung nicht aufschieben. Auch gegen Omikron böten die bisherigen Impfstoffe einen Schutz, der nicht bei null liege.

Zudem sei es den bisherigen Daten zufolge wahrscheinlich, dass sie auch gegen Omikron hilft. Allerdings halten Experten eine Booster-Impfung schon vier Wochen nach der Grundimmunisierung für nicht sinnvoll.

Es sei aber kein Problem, sich wenige Monate nach der Booster-Impfung erneut impfen zu lassen, um sich mit einem dann angepassten Impfstoff vor Omikron zu schützen.

Stand: 01.01.2022, 13:16

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