Betrug bei Schnelltests: Zentren befürchten Image-Schaden

Betrug bei Schnelltests: Zentren befürchten Image-Schaden

Von Jörg Sauerwein

"Hochgradig asozial" nennt ein Bonner Betreiber von Corona-Testzentren den möglichen Betrug in verschiedenen Testzentren in NRW. Dort sollen deutlich mehr Schnelltests abgerechnet worden sein, als tatsächlich stattgefunden haben.

Ein Stück Freiheit und Normalität und etwas mehr Sicherheit: Dafür standen die Corona-Testzentren in den vergangenen Monaten. Denn ein negativer Test machte so manches private Treffen oder auch das Shoppen überhaupt erst möglich. Jetzt aber drohe allen Betreibern ein Image-Schaden, fürchtet Testzentrum-Betreiber Sandro Heinemann.

"Jetzt steht erst einmal ein Generalverdacht im Raum, dass jedes Testzentrum zu viel abrechnet", sagt er. Das sei sehr schade für alle, die seit Monaten eine gute Arbeit leisteten.

Heinemann hatte schon im Dezember sein erstes Corona-Testzentrum im Bonner Brückenforum eröffnet. Lange vor den ersten kostenlosen Tests, betont der Unternehmer. Inzwischen ist er Chef von 38 Testzentren unter anderem in Bonn, Köln, Troisdorf, Paderborn und auch außerhalb NRWs.

"Bitte nicht verallgemeinern"

Sami Salameh, Inhaber eines Testzentrums in Bonn, steht neben einem Schild, das auf kostenlose Drive-In Corona-Schnelltests hinweist.

Sami Salameh

Allerdings ist Heinemann nicht wirklich überrascht, dass es Betrugsfälle geben könnte. Denn die Abrechnung sei erst mal sehr einfach. Das sei grundsätzlich auch gut, denn sonst wären auch nicht so schnell und unbürokratisch so viele Testzentren entstanden. Allerdings fehlten die anschließenden Kontrollen. Die seien jetzt eben nötig, meint auch Sami Salameh. Er leitet seit gut einem Monat ein Drive In-Testzentrum im Bonner Stadtteil Bad Godesberg. Auch er hat damit gerechnet, dass es schwarze Schafe geben könnte: "Nur man darf das bitte nicht verallgemeinern."

Politik will Kontrolllücken schließen

Inzwischen wollen Bund und Länder Konsequenzen ziehen. So soll die Testverordnung kurzfristig angepasst werden, hieß es am Montag aus dem Bundesgesundheitsministerium in Berlin. Deshalb sollen zum Beispiel die Kassenärztlichen Vereinigungen die Möglichkeit bekommen, bei der Abrechnung die tatsächlichen Sachkosten mit den abgerechneten Tests zu vergleichen.

Kritik gibt es aus der Opposition. Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt spricht unter anderem von "Missmanagement". Von der Linken heißt es, die Zentren seien zu "hastig" und "schlampig" eingeführt worden.

Laut einer Tabelle des Bundesamts für Soziale Sicherung wurden bislang allein in den Bezirken der Kassenärztlichen Vereinigungen in NRW (Stand: 17. Mai) rund 483,5 Millionen von bundesweit rund 1,7 Milliarden Euro für Corona-Tests gezahlt.

Vertrauen verspielt?

Am Bonner Drive In-Testzentrum von Sami Salameh gehen die Reaktionen der Kunden auseinander. "Mein Vertrauen in dieses System und die Tests ist dadurch nicht erschüttert", sagt zum Beispiel Norbert aus Bonn.

Im Auto hinter ihm wartet Gabriele noch auf den Test und fragt sich, wie groß die Rolle von möglicherweise falschen Zahlen bei den Tests sein könnte: "Es ist natürlich blöd, denn so ist das ganze System mit den Inzidenzen ein bisschen fraglich. Wenn das von den Tests abhängig ist und die werden nicht richtig gemacht, dann ist das System eigentlich für den Müll", meint die Bonnerin.

Allerdings: Die Zahlen des RKI basieren ausschließlich auf Labor-Tests, nicht auf den Ergebnissen der Schnell-Tests. Gleichwohl erlauben negative Schnelltests beispielsweise den Besuch von Kulturveranstaltungen oder Schwimmbädern.

Testzentren mit Sorgen

Neben dem Image-Schaden fürchten manche Betreiber der Testzentren auch, dass sie auf ihr Geld jetzt möglicherweise länger warten müssen. "Wir haben nichts gegen Prüfungen", erklärt Sami Salameh, aber das dürfe nicht zur Folge haben, dass er deshalb länger auf sein Geld warten müsse.

Er habe mit den Personal-, Miet- und Sachkosten in Vorleistung gehen müssen und das könne er nicht auf Dauer leisten. Diese Angst hat auch Iman Tehrani-Javid, der ebenfalls ein Testzentrum in Bonn leitet: "Wir haben nichts zu verbergen, aber bei bis zu 500 Tests am Tag müssen wir auch zeitnah das Geld bekommen. Sonst können wir bald nicht mehr testen."

Betrugsverdacht in Testzentren

WDR 5 Morgenecho - Medienschau 31.05.2021 04:38 Min. Verfügbar bis 31.05.2022 WDR 5


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Stand: 31.05.2021, 19:19

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