Corona-Bürgertests wieder kostenlos - Zweifel an Zuverlässigkeit

Testzentrum Covid 19

Corona-Bürgertests wieder kostenlos - Zweifel an Zuverlässigkeit

Von Lena Sterz

Corona-Bürgertests sind seit Samstag wieder kostenlos. Doch das allein wird nicht ausreichen, um die vierte Welle der Pandemie zu stoppen.

Seit 13. November können sich die Menschen in Nordrhein-Westfalen vielerorts wieder kostenlos auf das Corona-Virus testen lassen. Zahlreiche Testzentren haben Verordnungen von Bund und Land innerhalb weniger Stunden umgesetzt und bieten wieder kostenlose Bürgertests an. Diese Tests stehen jedem offen, egal ob geimpft, ungeimpft oder genesen.

Test-Verordnung: Mindestens ein Test pro Woche

In einer kurzfristig veröffentlichten Test-Verordnung des NRW-Gesundheitsministeriums heißt es, dass sich jeder Bürger "mindestens einmal pro Woche" kostenlos testen lassen kann. Was heißt das konkret? Das Ministerium teilte auf WDR-Anfrage mit: "'Mindestens einmal pro Woche' bedeutet, dass es sich hierbei um die Mindestanzahl an kostenlosen Tests handelt. Wie oft man sich tatsächlich kostenlos testen lassen kann, hängt von der Testkapazität der Teststellen ab."

Das bedeutet im Klartext: "Solange Kapazitäten vorhanden sind, kann man sich im Prinzip auch täglich testen lassen", sagte eine Ministeriumssprecherin dem WDR.

Wissenschaftler und Ärzte sind allerdings uneins, ob diese Tests maßgeblich dabei helfen, die Pandemie zu stoppen. Einerseits kritisierte der Immunologe Carsten Watzl die Abschaffung der kostenlosen Tests im Oktober. "Man möchte natürlich, dass sich möglichst viele Menschen testen lassen. Nur so kann ich möglichst viele Infektionen frühzeitig aufdecken," sagte er in der Aktuellen Stunde.

Schnelltests bemerken die infektiöseste Phase oft nicht

Andererseits hält etwa der Virologe Oliver Keppler die Rolle der Schnelltests im Kampf gegen die Pandemie für überbewertet. In der entscheidenden Frühphase einer Infektion liefere der Nachweis oft falsch-negative Resultate - nur 20 bis 50 Prozent der Infektionen würden dann erkannt, zitierte Keppler im "Deutschlandfunk" neue Studien. Gerade am Anfang sind die Kranken aber am ansteckendsten, auch wenn sie noch keine Symptome haben.

Der Berliner Virologe Christian Drosten formuliert es so: "Wenn man davon ausgeht, dass eine infizierte Person in der Regel acht Tage lang ansteckend ist, heißt das: An fünf von acht Tagen entdecke ich mit dem Antigentest eine Infektion, an drei Tagen werde ich sie übersehen." Drosten sagte zuletzt im NDR-Podcast "Corona-Update": "Die Tests werden als Notbremse hingestellt, um die Welle zu brechen. Aber das werden sie in keinem Fall sein".

Eine Frage der Zuverlässigkeit - und des Geldes

In der dritten Welle der Pandemie seien nur sieben Prozent der gemeldeten positiven Tests auf Antigen-Schnelltests zurückgegangen, sagt Virologe Keppler. Nur fünf von 10.000 Schnelltests seien positiv gewesen. Und: Obwohl die Anbieter nur eine niedrige zweistellige Summe pro Test bekommen, ist die Sache trotzdem ziemlich teuer: "Der Steuerzahler hat 11.000 Euro Aufwand bezahlt für einen positiv per PCR bestätigten Test."

PEI-Analyse: Viele Tests erfüllen Mindeststandards nicht

Hinzu kommt: Viele Schnelltests entdecken Infektionen offenbar nicht so zuverlässig, wie das für die Zulassung eigentlich vorgeschrieben wäre. Das hat eine Auswertung des Paul-Ehrlich-Instituts ergeben. So steigt das Risiko für falsch-negative Ergebnisse. Das Problem: Die Test-Hersteller bestätigen selbst, ob ihre Tests die Mindeststandards erfüllen, das wird aber nicht unabhängig überprüft.

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Und zu guter Letzt muss ein Test auch richtig ausgeführt werden, damit er aussagekräftig ist. In vielen bisherigen Testzentren habe es an der Durchführung der Tests gemangelt, die Teststellen seien nicht kontrolliert worden, und das Personal habe oft nur eine Online-Schulung gehabt, kritisierte Virologe Oliver Keppler.

Mit Symptomen: Kostenloser PCR-Test beim Hausarzt

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schreibt auf ihrer Website zudem: "Treten COVID-19-typische Symptome wie beispielsweise Husten, Fieber oder Schnupfen auf, sollte auch bei einem negativen Antigen-Selbsttest immer ein PCR-Test gemacht werden." Der war und ist beim Hausarzt immer kostenlos.

Einziger Ausweg aus der Pandemie: Impfquote erhöhen

Fachleute verweisen ohnehin immer wieder darauf, dass eine höhere Impfquote der einzige Ausweg aus der Pandemie sei. "Deutschland muss eine Impfquote von 75 Prozent erreichen, um die Ausbreitung des Coronavirus unterdrücken zu können", sagt etwa Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

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Denn auch wenn Geimpfte das Coronavirus noch weitergeben können - die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen, ist um ein Sechs- bis Siebenfaches geringer als bei Ungeimpften, hat Immunologe Carsten Watzl ausgerechnet.

Stand: 15.11.2021, 17:41

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