Ein braun-gelber Labrador-Erkennungshund, hinter ihm lilane und blaue Animationen des Coronavirus.

Corona-Spürhunde an Flughäfen: Eine gute Idee?

Stand: 18.05.2022, 16:21 Uhr

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat auf Twitter eine Diskussion zum Einsatz von Corona-Spürhunden an deutschen Flughäfen angestoßen. Er schrieb, für die Flughäfen wäre dies "eine zusätzliche Sicherheit". Für seinen Vorstoß erntete er einiges an Spott und Kritik. Allerdings wurden in der Pandemie mehrere aussagekräftige Studien zu Corona-Spürhunden durchgeführt. Fragen und Antworten.

Von Anna Palm

Wie gut erkennen Spürhunde Corona?

Den Studien zufolge sehr gut. Die finnische "University of Helsinki" hat dazu eine große Studie mit ausgebildeten Spürhunden durchgeführt, die jetzt in einer Online-Fachzeitschrift veröffentlicht wurde. Die Hunde wurden in der Studie auch unter realen Bedingungen am Flughafen eingesetzt.

Das Ergebnis ist: Sie haben das Coronavirus in Hautproben von Fluggästen mit einer Wahrscheinlichkeit von 92 Prozent erkannt. Aus der Studie geht auch hervor, dass Spürhunde Corona-Varianten weniger gut erkennen, wenn sie mit dem Wildtyp ausgebildet wurden. Sie müssten deshalb kontuinierlich weiter trainiert werden, während sich neue Varianten entwickeln.

Eine Studie mit Corona-Spürhunden von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover aus dem vergangenen Jahr kommt übrigens auf exakt dieselbe Zahl wie die finnische Universität: Auch in diesem Fall lag die Corona-Erkennungsquote bei 92 Prozent. Eingesetzt wurden dabei Speichel-, Schweiß- und Urinproben von infizierten und nicht-infizierten Menschen.

Erkennen Hunde das Coronavirus besser als Tests?

Es klingt zwar merkwürdig, sieht aber tatsächlich stark danach aus. Esther Schalke, Verhaltensforscherin für Diensthundewesen bei der Bundeswehr, erklärt auf der oben verlinkten Webseite der Hochschule Hannover, die Geruchserkennung von Hunden sei "um drei Größenordnungen empfindlicher als die derzeit verfügbaren Instrumente". Die Forscherin sagt, Geruchssuchhunde hätten für die Bekämpfung der Pandemie ein großes Potenzial. Andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestätigen diese Einschätzung.

Corona-Spürhund Cordula (Berner Sennenhund) steht vor einer Pressekonferenz vor dem niedersächsischen Landtag.

Ein ausgebildeter Spürhund erkennt das Coronavirus wohl besser...

Eine Hand mit blauem Gummi-Handschuh hält einen Corona-Schnelltest.

... als ein handelsüblicher Corona-Test.

Könnten Spürhunde an deutschen Flughäfen eingesetzt werden?

Bislang kommt das in Deutschland noch nicht vor, es ist aber durchaus denkbar. In der US-Stadt Miami und in Dubai kamen Corona-Spürhunde schon an Flughäfen zum Einsatz. Vorteilhaft wäre, dass sie deutlich schneller und günstiger sind als die bei Flugreisen üblichen PCR-Tests.

Corona-Spürhunde hatten außerdem schon andere reale Einsätze in Deutschland, und zwar in der Kulturbranche. Bei einem Konzert in Hannover im September vergangenen Jahres erhielten Hunde zu Forschungszwecken Schweißproben von Besuchenden, um so Corona-Infektionen zu identifizieren.

Was für Kritik gibt es an Lauterbachs Vorschlag?

Einige Twitter-Nutzerinnen und -Nutzer nehmen den Vorschlag nicht ernst und machen Witze darüber. Martin Hagen, Mitglied im FDP-Bundesvorstand, kritisiert den Vorschlag als autoritär.

Es gibt auch praxisbezogene Einwände, dass Spürhunde immer nur kurze Zeitspannen im Einsatz sein könnten und dann Pausen brauchten.

Was für Krankheiten können ausgebildete Spürhunde noch erschnüffeln?

Chronische Krankheiten wie etwa Morbus Crohn, Rheuma oder Diabetes, Infektionskrankheiten wie Malaria und auch verschiedene Krebstumore. Hunde besitzen einen Geruchssinn, der mit dem des Menschen nicht zu vergleichen ist: Sie haben unter anderem etwa 40 mal mehr Riechrezeptorzellen.

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