Schulen im Corona-Herbst: Ideen, die nicht umgesetzt wurden

Schulen im Corona-Herbst: Ideen, die nicht umgesetzt wurden

Luftfilteranlagen, geteilte Klassen, außerschulische Lernorte: Vorschläge für Schulen in der Corona-Zeit gibt es einige. Umgesetzt wurden wenige.

"Mai, Juni, Juli, August - vier Monate hätte man Zeit gehabt", sagte der Virologe Christian Drosten im September, als er noch immer keine überzeugenden Konzepte für den Schulbetrieb in der Corona-Epidemie erkennen konnte.

Überzeugende Corona-Konzepte für Schulen vermisst

Mittlerweile sind es sechs Monate, seit die strengen Maßnahmen im Frühjahr vorüber sind. Aber auch jetzt gibt es nach Ansicht vieler Experten keine überzeugenden Konzepte für die Schulen im kommenden Corona-Herbst und -Winter. Auch deshalb lud die Opposition im NRW-Landtag zum gestrigen Schulgipfel ein.

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Eine Auswahl an nicht umgesetzten Ideen

Dabei magelt es keineswegs an Ideen und Vorschlägen für den Schulunterricht in der Corona-Epidemie. Eine Auswahl:

1. Luftfilteranlagen

Mit Lüftungsanlagen in Klassenzimmern könnte das Coronavirus in der Luft herausgefiltert werden. Neu ist die Idee nicht.

Aber erst Ende Oktober bewilligte die NRW-Regierung 50 Millionen Euro für mobile Luftreinigungsgeräte. Was sie wirklich bringen und ob es so kurz vor dem Winter überhaupt genug gibt, ist allerdings unklar.

Forschende des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie sind optimistisch. Sie haben eine Lüftungsanlage konstruiert, die nicht nur 90 Prozent der Aerosole entfernen kann, die potenziell Coronaviren enthalten.

Die Anlage lässt sich auch relativ einfach mit Materialien aus dem Baumarkt nachbauen. Materialkosten: nur etwa 200 Euro.

Die Bauanleitung lässt sich bei der Max-Planck-Gesellschaft kostenfrei herunterladen. Eine Gesamtschule in Mainz testet die Anlage bereits.

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2. Geteilte Klassen

Viele Experten halten geteilte Klassen für dringend geboten. Während die einen Schüler in der Schule unterrichtet werden, könnten die anderen per Videoübertragung online zu Hause unterrichtet werden. So sollte es ab November in Solingen laufen.

Klassenzimmer

"Solinger Modell": So könnte es laufen.

Die Landesregierung schob dem "Solinger Modell" jedoch einen Riegel vor. Präsenzunterricht sei wichtig, so die Begründung, auch weil beim Online-Unterricht nicht alle Schüler gleich gut mitkämen.

Am vergangenen Sonntag nahm dann auch die Bundesregierung diesen Vorschlag auf. Die Stadt Solingen sah für sich Rückenwind. Aber beim Bund-Länder-Gipfel am Montag wollten sich die Ministerpräsidenten darauf nicht einlassen.

Ein weiterer Vorschlag zu geteilten Klassen: Die Schüler könnten nacheinander unterrichtet werden. Problem dabei: der Personalmangel. Denn dafür bräuchte man deutlich mehr Lehrer.

3. Außerschulische Lernorte

Eine weitere Idee: Klassen teilen und an unterschiedlichen Orten unterrichten. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) schlug vor, den Unterricht in manche der vorübergehend geschlossenen Restaurants und Hotels zu verlagern. Dort sei mehr Platz als in der Schule - und mit mehr Abstand gäbe es weniger Ansteckungsgefahr.

"Grundsätzlich sind wir ja offen für kreative Vorschläge", teilte der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga NRW heute auf WDR-Anfage mit. "Aber wir haben unsere Zweifel, ob die Altmaiersche Idee in der aktuellen Situation die Probleme von Schulen oder des Gastgewerbes signifikant verbessern kann."

4. Allgemeine Maskenpflicht

Ein weiterer Vorschlag: Die Maskenpflicht im Schulunterricht, die es bereits in mehreren Bundesländern für ältere Schüler gibt, könnte in ganz Deutschland Pflicht sein. Kritik daran kommt vaus Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern, wo es mancherorts kaum Infektionen gibt.

Eine weitere Idee: Masken auch im Grundschulunterricht. In Krefeld ist das bereits Pflicht. Kritiker bemängeln: Grundschüler seien dafür noch zu jung.

Bayern erwägt außerdem, FFP2-Schutzmasken an alle Lehrkräfte zu verteilen. Die Lehrer-Gewerkschaft GEW fordert das auch für Niedersachsen.

5. Weihnachtsferien noch weiter vorziehen

NRW macht es vor: Hier werden die Weihnachtsferien um zwei Tage vorgezogen. So könnten sich Familien vor Verwandtenbesuchen in Kurzzeit-Quarantäne begeben, begründete es die Landesregierung.

Virologe Kekulé geht das nicht weit genug. Bei WDR2 forderte er am Dienstag, die Ferien noch weiter vorzuziehen - um eine ganze Woche. Problem dabei: Viele berufstätige Eltern könnten ihre Kinder nicht betreuen.

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Trotzdem wurde schon vieles umgesetzt

Es gibt noch einige weitere Ideen - zum Beispiel gestaffelten Unterrichtsbeginn so wie in Herne, damit die Schulbusse nicht so voll sind.

Tatenlos waren die Bildungsminister der Länder natürlich nicht. Für alle Schulen gelten Hygienevorschriften und das Abstandsgebot. Außerdem müssen in NRW die Räume auch während des Unterrichts regelmäßig gelüftet werden. Und manches mehr. Sollen die Schulen aber auch im Winter weiter geöffnet bleiben, braucht es wohl doch noch weiterer Maßnahmen.

Stand: 18.11.2020, 13:11

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