Keine Maskenpflicht mehr im Schulunterricht - gute Idee?

Stand: 02.11.2021, 08:18 Uhr

Schülerinnen und Schüler in NRW müssen im Unterricht keine Maske mehr tragen - obwohl die Corona-Infektionszahlen wieder steigen.

Ab diesem Dienstag müssen Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen im Unterricht an ihrem Sitzplatz keine Maske mehr tragen. Was dafür spricht: Die Maske nervte - und vor allem: an den NRW-Schulen gab es keinen übermäßigen Anstieg der Corona-Infektionen. Bislang jedenfalls.

Nichtsdestotrotz: So ganz verschwinden werden die Masken aber nicht aus dem Schulalltag: Stehen die Kinder auf, um zum Beispiel zur Tafel oder auf den Schulhof zu gehen, müssen sie die Maske wieder anziehen.

Städte befürchten mehr Infektionen

Das Ende der Maskenpflicht im Unterricht wird von Experten überwiegend kritisch gesehen. Stefan Hahn leitet das Dezernat Jugend und Gesundheit des Städtetags NRW und warnt vor einem ähnlichen Verlauf wie in Bayern: Nach dem Ende der Maskenpflicht im Unterricht sind die Infektionen gerade an Schulen stark gestiegen.

Ärzte sprechen von verfrühtem Ende der Maskenpflicht

Prof. Uwe Janssens

Intensivmediziner Uwe Janssens

"Ich halte das für absolut verfrüht", sagte Intensivmediziner Uwe Janssens vom St.-Antonius-Hospital in Eschweiler vergangene Woche dem WDR. Karsten Woelke, Lungenfacharzt am Allgemeinen Krankenhaus in Viersen, sieht das ebenso - gerade mit Blick auf den Winter, wenn wieder mehr in geschlossenen Räumen stattfinde.

Lehrerverbände sehen Entscheidung unterschiedlich

Der Chef des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte der "Rheinischen Post" (30.10.21), mit der Vielzahl von Infektionen bei Kindern nehme auch die absolute Zahl an Long-Covid-Folgen, Hospitalisierungen und PIMS-Syndromen bei Kindern zu. Sven Christoffer, Vorsitzender von Lehrer NRW, hält den Wegfall der Maskenpflicht für "hochgradig riskant".

Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und den Verband Bildung und Erziehung (VBE) hängt eine mögliche Rückkehr zur Maskenpflicht von den örtlichen Inzidenzen ab.

Opposition im Landtag sieht kleinere Kinder gefährdet

Kritik kommt auch von der Landtagsopposition: Für Kinder, die sich wegen ihres Alters oder bestimmter Vorerkrankungen noch gar nicht impfen lassen könnten, seien Masken die einzige Schutzmaßnahme, heißt es von der SPD-Fraktion. Grünen-Bildungspolitikerin Sigrid Beer sprach von einer realitätsfernen Entscheidung: "Gerade kleine Kinder sitzen eben nicht die ganze Zeit still am Platz und denken nicht immer daran, Abstände zu halten oder die Maske gegebenenfalls schnell wieder aufzusetzen, wenn sie sich in den Räumen bewegen."

Schülervertretung ruft zu Toleranz für Maskenträger auf

Schüler können freiwillig weiterhin eine Maske tragen. Xueling Zhou von der Landesschüler:innen-Vertretung ist dafür. Die Impfquote der Unter-12-Jährigen sei nahezu null, sagte sie im WDR. Viele Schülerinnen und Schüler hätten daher die Angst geäußert, wieder "im Distanzunterricht zu enden". Zhou forderte, dass Kinder und Jugendliche ihre Mitschüler nicht kritisieren sollten, wenn sie sich für das Tragen einer Maske entschieden.

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