Die Gegner der Gegner: Die Corona-Proteste bekommen Gegenwind

Menschenkette gegen Corona-Querdenker-Demos

Die Gegner der Gegner: Die Corona-Proteste bekommen Gegenwind

Seit Wochen gehen Querdenker, Impfverweigerer und andere Gegner der Corona-Maßnahmen in verschiedenen Orten in NRW auf die Straße. Mittlerweile formt sich aber auch Widerstand gegen die Proteste.

Samstagmittag in Minden. Etwa 2.500 Menschen haben sich auf dem Marktplatz versammelt. So wollen sie ein Zeichen der Solidarität mit Landrätin Anna Bölling (CDU) setzen. Gegner und Gegnerinnen der Corona-Maßnahmen hatten vergangene Woche versucht, zu deren Haus vorzudringen.

Veranstalter der Gegenproteste beobachten Radikalisierung

Dem stellte sich jetzt in Minden ein breites Bündnis entgegen, neben Vertretern verschiedener Parteien und der Kirchen waren auch viele einfache Bürger dabei. Organisator Jannes Tilicke beobachtet eine zunehmende Radikalisierung bei den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen: "Wir wollen ein Zeichen setzen gegen die Leute, die sich mit den sogenannten Spaziergängen nicht an demokratische Regeln halten, sondern unsere Landrätin bedroht haben."

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ging noch Ende Dezember davon aus, dass ungefähr 15 Prozent der Demonstranten Extremisten aus dem rechten Spektrum sind. "Eine ganze Menge sind normale Bürger, die einfach Sorgen haben", sagte Reul, "und dann ein Teil, den wir nicht einschätzen können, von dem wir nicht wissen: Ist der schon angesteckt von dieser antidemokratischen Stimmung? Das macht es schwer, richtig zu handeln." 

Für Impfen und Solidarität - breite Bündnisse rufen auf

Auch in anderen Städten stellten sich Demonstranten den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen entgegen. In manchen Städten zum ersten Mal. In Siegburg zum Beispiel hatten für Montagabend der Bürgermeister, alle Ratsfraktionen, sowie Kirchen und AWO dazu aufgerufen, eine Menschenkette rund um den Marktplatz zu bilden. Um den vorgeschriebenen Abstand zu wahren, sollten die Demonstrierenden Schals zwischen sich spannen. Nach Informationen des "General-Anzeiger" folgten rund 500 Menschen dem Aufruf.

Zeichen für gesellschaftliche Zusammenhalt

In der vergangenen Woche hatten in Siegburg Teilnehmer der unangemeldeten Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen Passanten und ein Ratsmitglied angepöbelt. Dennoch will Bürgermeister Stefan Rosemann (SPD) die Menschenkette nicht in erster Linie als Gegenveranstaltung verstanden wissen: "Es geht vielmehr um Solidarität mit denen, die in dieser Pandemie besonders gefordert werden, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, um einen respektvollen Umgang miteinander und um den gesundheitlichen Schutz aller durch rechtzeitige und möglichst umfangreiche Impfungen."

Impfgegner in Köln in der Mehrheit

Demonstrierende vor dem Kölner Dom.

In Köln sind am Montagabend mehr als 1.000 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße gegangen. Die Teilnehmer der angemeldeten Demonstration versammelten sich nach Angaben der Polizei am Dom und zogen von dort durch die Innenstadt. Der ganz überwiegende Teil habe sich an die Maskenpflicht auf dem Platz gehalten, sagte ein Polizeisprecher. Eine kleine Gruppe von 20 bis 25 Teilnehmern demonstrierte für die Corona-Maßnahmen.

Omas gegen Rechts besetzen Platz

In Dinslaken stellen sich am Montag die "Omas gegen Rechts" den Demonstrierenden gegen die Corona-Maßnahmen im wahrsten Sinne des Wortes in den Weg. Diese hatten sich an den vergangenen Wochen montags unangemeldet vor dem Rathaus getroffen und waren von dort aus durch die Stadt gezogen. Diesen Montag können sie das nicht. Denn die "Omas gegen Rechts" haben für 18 Uhr eine Demonstration auf dem Platz angemeldet.

Gedenken an Corona-Tote

Mit der Aktion wollen sie der bisherigen Corona-Toten gedenken und ihre Wertschätzung für die Pflegekräfte ausdrücken. Und sie verhindern einen erneuten Aufmarsch aus dem Milieu der Querdenker und Impfgegner. Denn die Polizei hat klar gemacht, dass sie auf dem Platz vor dem Rathaus nur eine Veranstaltung dulden wird und sie die Demonstration der Omas gegen unangemeldete "Spaziergänger" schützen wird, zur Not auch mit Platzverweisen.

Querdenker-Demo in Haltern gestoppt

Demonstrierende stehen mit einem Schild mit der Aufschrift "Impfschaden? Impfen statt Schaden!" in Haltern am See auf dem Marktplatz

Widerstand in Haltern

In Haltern standen am Abend rund 50 Teilnehmer einer Impfgegner-Demo etwa 300 Gegendemonstranten gegenüber. Allerdings nicht allzu lange. Die Polizei hat die nicht angemeldete Demo der Impfgegner gestoppt, acht Teilnehmer erhielten eine Anzeige wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz. Die Versammlung hat sich dann aufgelöst.

Eine Versammlung in Werne sollte sich laut Aufruf gegen Verschwörungsdenken und Antisemitismus wenden und dagegen, dass bei vielen Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen auch Rechtsextremisten mitliefen. Hinter der Demonstration steht das Werner Bündnis gegen rechts. Auch in Paderborn rechnet die Polizei mit Gegendemonstranten bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Und in Gummersbach formiert sich Widerstand gegen Impfgegner zumindest virtuell. Dort haben 4.500 Menschen die Gummersbacher Erklärung unterschrieben, für Wissenschaft, Demokratie und Zusammenhalt.

Weitere Demonstrationen gegen Querdenker waren am Montag auch in Rheda-Wiedenbrück und Dortmund geplant.

Stand: 10.01.2022, 21:13

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