Coronavirus: Suche nach weiteren Infizierten

Coronavirus: Suche nach weiteren Infizierten

  • Coronavirus bei mindestens sechs Patienten aus NRW nachgewiesen
  • Alle standen im Kontakt mit infiziertem Ehepaar aus Gangelt
  • 300 Besucher einer Karnevalsveranstaltung sollen sich melden

Nach den inzwischen sechs bestätigten Fällen des Coronavirus in Nordrhein-Westfalen versuchen die Behörden eine weitere Verbreitung der neuartigen Krankheit zu stoppen. Alle bislang bekannten Infizierten hatten nach Erkenntnissen der Behörden Kontakt mit einem Ehepaar aus Gangelt im Kreis Heinsberg. Wo sich dieses Ehepaar angesteckt hat, ist noch unklar, wie NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag (27.02.2020) dem WDR sagte.

Weiteres Paar positiv getestet

Am späten Mittwochabend meldete das NRW-Gesundheitsministerium zwei weitere bestätigte Fälle. Sie wurden positiv auf das Coronavirus getestet, nachdem Kontakte des erkrankten Ehepaares (46, 47) überprüft wurden. Dabei handelt es sich um eine Mitarbeiterin des schwer erkrankten 47-Jährigen und deren Lebensgefährten.

Soldat im Bundewehr-Krankenhaus Koblenz

Ein weiterer Infizierter ist ein Soldat, der auf einer Karnevalssitzung Kontakt zu dem Paar hatte. Er hatte sich zunächst mit Symptomen bei der Flugbereitschaft der Luftwaffe in Köln gemeldet, nachdem er von der Krankheit seines Bekannten in den Medien gehört hatte. Er wird inzwischen im Bundeswehr-Zentralkrankenhaus in Koblenz behandelt.

Arzt in Quarantäne

Der sechste Infizierte ist ein Arzt einer Klinik in Mönchengladbach. Am Krankenhaus Maria Hilf läuft die Suche nach Menschen, die Kontakt zu dem Arzt hatten. Er hatte sich testen lassen, und ist jetzt zuhause in Quarantäne. Der Mann lebt im Kreis Heinsberg, auch er hatte an der Karnevalsveranstaltung in Gangelt teilgenommen.

Karnevalsveranstaltung in Gangelt im Fokus

Die rund 300 Besucher der Karnevalsveranstaltung im Ortsteil Langbroich-Harzelt sind nun aufgerufen worden, sich bei den Behörden zu melden. Alle Besucher und ihre Familien müssten für 14 Tage in häusliche Quarantäne gehen, teilte das NRW-Gesundheitsministerium in der Nacht zum Donnerstag mit.

Im Laufe des Tages erwarten die Behörden zahlreiche weitere Testergebnisse von Kontaktpersonen, die sich möglicherweise bei dem Ehepaar angesteckt haben könnten. Dazu zählen etwa die Kinder des Paare und die rund 65 Kinder einer Kita. Der 47-Jährige Ehemann aus Gangelt habe eine "unendliche Vielzahl von Kontakten" zu anderen Menschen gehabt, sagte der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU). Im Kreis Heinsberg fällt als Reaktion auf die Infektionen erstmal der Schulunterricht aus. Auch Kindergärten öffnen vorerst nicht mehr.

Auf der Suche nach dem Infektionsherd

"Wir können nicht garantieren, dass wir die Infektionsketten gestoppt kriegen", sagte Gesundheitsminister Laumann am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Die 46 Jahre alte Frau und ihr ein Jahr älterer Mann aus Gangelt im Kreis Heinsberg nahe der niederländischen Grenze hätten nach der eigenen Infektion bis zu 14 Tage am gesellschaftlichen Leben teilgenommen, in denen sie weitere Menschen anstecken konnten, so der Minister.

Kein Coronavirus-Nachweis in Uniklinik Köln

Bei 41 Patienten und Mitarbeitern der Kölner Uniklinik, die Kontakt zu dem erkrankten Ehemann aus Gangelt hatten, wurde jedoch kein Nachweis auf eine Infektion gefunden. Das hat die Stadt Köln in der Nacht zu Donnerstag mitgeteilt. Die 41 Frauen und Männer bleiben allerdings bis zum Ende der zweiwöchigen Inkubationszeit in Isolierstationen der Kölner Uniklinik oder unter strengen Hygiene-Auflagen bei sich zuhause. Erst nach der Inkubationszeit könne endgültig Entwarnung gegeben werden.

Corona-Verdachtsfall in Leverkusen nicht bestätigt

Bei einer am Mittwoch ins Klinikum der Stadt Leverkusen eingelieferten Frau ergab die virologische Testung keinen Nachweis auf Coronaviren. Die 25-Jjährige wird am Donnerstag aus dem Klinikum Leverkusen entlassen. Ihr geht es den Umständen entsprechend gut, sie weist keine starken Erkältungssymptome auf. Die Frau war gestern mit Symptomen aus der Poly-Klinik des Chemparks durch die Berufsfeuerwehr der Stadt Leverkusen im Rahmen eines Infektionstransports in das Klinikum Leverkusen zur Isolation und weiteren Untersuchung gebracht worden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betone, dass die Infektionsketten teilweise nicht nachzuvollziehen seien. Er habe deshalb die Gesundheitsminister der Länder aufgefordert, ihre Pandemiepläne "zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten", sagte Spahn in Berlin. "Die Lage hat sich leider in den letzten Stunden geändert, das muss man leider sagen."

Coronavirus: Folgen für Lieferketten und Verbraucher

WDR 5 Profit - aktuell 26.02.2020 05:16 Min. Verfügbar bis 25.02.2021 WDR 5

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Behörden bereiten sich vor

Das NRW-Gesundheitsministerium hat nach Angaben von Minister Laumann bereits die Landespläne aktualisiert. Dabei sei es unter anderem darum gegangen, dass normalerweise bei einer Pandemie Impfpläne vorbereitet werden. Gegen das Coronavirus gebe es aber zurzeit keine wirksame Impfung. Zudem hat das Ministerium eine Hotline zum Coronavirus geschaltet. Die Nummer lautet 0211/8554774. Das Ministerium weist aber darauf hin, dass dort keine medizinische Beratung stattfinden kann. Bei Fragen zu einer möglichen Infektion solle ein Arzt kontaktiert werden. Der Besuch in der Praxis oder im Krankenhaus solle vorher telefonisch angekündigt werden.

Stand: 27.02.2020, 10:07

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