Off-Label-Impfung für unter 5-Jährige - eine gute Idee?

Stand: 14.12.2021, 16:09 Uhr

Zugelassen ist die Coronaimpfung für Kinder unter 5 Jahren noch nicht. Dennoch gibt es Eltern, die sie wollen, und Ärzte, die sie verabreichen. Eine gute Idee? Wir haben nachgefragt - bei Eltern, Ärzten und Impfstoffherstellern.

"Ich habe einfach Angst um meine Kinder", berichtet Britta, die am Niederrhein lebt, dem WDR. Sie und ihr Mann Mathias haben ihren zweieinhalbjährigen Sohn bereits impfen lassen. Mit einem Impfstoff, der für so kleine Kinder noch gar nicht zugelassen ist. "Wir haben abgewogen. Was ist schwerwiegender: Eine Infektion oder die Nebenwirkung der Impfung", sagen die Eltern.

"Das Gefühl, etwas Illegales zu tun"

Doch das mit der Impfung war gar nicht so einfach. Erst nach intensiver Recherche und vielen Kontakten in sozialen Netzwerken bekam das Paar schließlich unter der Hand einen Tipp: Da sei ein Arzt, der aus Überzeugung Kleinkinder impft, auch jetzt schon - ohne zugelassenen Impfstoff, ohne Stiko-Empfehlung, einfach eine geringere Dosierung. Die lange Fahrt dorthin - fast 300 Kilometer - nahmen sie in Kauf.

Eltern, die ein Baby auf dem Arm haben

Sorgen sich um ihre Kinder: Britta und Mathias

Dennoch hätten sie dabei fast das Gefühl gehabt, etwas Illegales zu machen, erinnert sich Britta an den Termin in der Praxis an einem Sonntag. Man werde als Eltern ja einfach völlig allein gelassen. "Es müsste mehr Ärzte geben, die das machen", wünscht sich Mathias.

Drohungen gegen Impfarzt

Im Münsterland schließt ein niedergelassener Arzt dem WDR die Praxistür auf. Er möchte nicht erkannt werden. Zu groß ist die Sorge vor Anfeindungen. Er wurde bereits bedroht. Der Arzt hat nicht nur seine eigenen Kleinkinder geimpft, er impft auch andere unter 5-Jährige. Meist solche mit schweren Vorerkrankungen. Aber auch Eltern mit gesunden Kindern kämen zu ihm. Und der Andrang steige.

Arzt: "Ich kann das Zögern nicht mehr ertragen"

Für ihn sei die Risikoabwägung einfach, sagt der Arzt. In den USA seien bereits über 5 Millionen Kinder zwischen 5 und 11 Jahren geimpft. "Und dort sehen wir, dass Nebenwirkungen wie die Herzmuskelentzündung so gut wie nicht auftreten. Es ist mir nicht ein einziger Fall bekannt. Das liegt wahrscheinlich auch an der geringen Impfdosis."

Umrisse eines Mannes in einem abgedunkelten Raum

Überzeugter Impfarzt

Bei Kindern mit Covid-19-Infektion hingegen mehrten sich Daten für ein schweres Entzündungssyndrom und Long Covid. "Die Impfung hat ein drastisch niedrigeres Risiko als die Infektion. Ich kann dieses ständige Abwarten und Zögern nicht mehr ertragen. Wir können den Infektionsschutz der Kinder nicht vernachlässigen."

Off-Label-Impfung: Keine Zulassung, keine Haftung

Ganz anders beurteilt das der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Nordrhein. Die Landesvorsitzende Christiane Thiele rät allen Kinder- und Jugendärzten von Off-Label-Impfungen ab. "Sowohl aus haftungsrechtlichen Gründen als auch aufgrund des fehlenden wissenschaftlichen Nachweis eines positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis zugunsten der Impfung so junger Kinder."

Bei einer Off-Label-Impfung übernehme weder der Hersteller noch die öffentliche Hand irgendeine Art von Haftung, erklärt Michael Achenbach vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Westfalen Lippe. In der Regel ließen sich Ärzte von den Eltern eine sogenannte Haftungsfreistellung unterschreiben, um selbst nicht haftbar zu sein: "Letztlich ist dann der Patient beziehungsweise die Familie der Risikotragende oder die Risikotragenden."

Am Dienstag bekräftigte Thiele im WDR 5 "Morgenecho" ihre kritische Haltung zu Off-Label-Impfungen: "Ich empfehle es meinen Kolleginnen und Kollegen nicht und sage, lasst das bitte in der Hand der Spezialisten. Wenn die sagen, dieses Kind braucht das, dann können die das auch impfen."

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