Corona-Infektion trotz Impfung: Warum Impfdurchbrüche kein Versagen sind

Ein positiver Schnelltest auf einem Impfpass.

Corona-Infektion trotz Impfung: Warum Impfdurchbrüche kein Versagen sind

Wir stecken mitten in der vierten Corona-Welle, die Zahl der Neuinfektionen steigt stark an. Trotz besserem Schutz infizieren sich auch Geimpfte. Fragen und Antworten.

Die Corona-Lage verschärft sich wieder: Es gibt Höchstwerte bei den Neuinfektionen, das RKI hält die Zahlen für "sehr besorgniserregend". Die Situation ist wieder eine große Herausforderung und kann für Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen gefährlich werden. Und das auch bei Geimpften, denn die können sich trotz besserem Schutz ebenfalls infizieren. Fragen und Antworten.

Wieso kann man sich trotz Impfung mit Corona infizieren?

Das liegt daran, dass die Impfung nicht verhindern kann, dass Coronaviren in den Körper gelangen – sondern sie stattet das Immunsystem mit Reaktionen auf diese Erreger aus. Das Immunsystem kann diese dann besser abwehren, schwere Verläufe sind unwahrscheinlicher. In den meisten Fällen funktioniert das sehr gut, es treten also keine oder nur milde Krankheitssymptome auf. Dabei arbeitet aber jedes Immunsystem individuell.

Ist eine Corona-Infektion trotz Impfung ein Impfversagen?

Immunologe Prof. Carsten Watzl

Immunologe Prof. Carsten Watzl

"Nur weil es diese Durchbruchsinfektionen gibt, heißt es nicht, dass die Impfungen jetzt versagt hätten. Ganz im Gegenteil – sie sind immer noch sehr, sehr wirksam", so Immunologe Carsten Watzl gegenüber dem WDR.

Dass die Impfung hilft und wichtig ist, da sind sich die Expertinnen und Experten einig – aus zwei Gründen: Erstens verlaufen Corona-Erkrankungen bei Geimpften eben normalerweise deutlich milder, eher wie eine Erkältung. Die meisten geimpften Erkrankten müssen also nicht im Krankenhaus behandelt werden. Es gibt zwar auch bei einer Impfung eine geringe Wahrscheinlichkeit für einen schweren Corona-Verlauf, diese ist aber eben deutlich kleiner als ohne Impfung.

Zweitens sind Impfungen wichtig, weil eine hohe Impfquote in der Bevölkerung die Verbreitung des Virus eindämmt – davon profitiert dann wieder jeder und jede Einzelne.

Wie gefährlich sind Infektionen für Geimpfte aus Risikogruppen?

Für Geimpfte aus Risikogruppen, also schwerpunktmäßig ältere Menschen, ist die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Corona-Verlauf auch nach doppelter Impfung größer als in der Gesamtbevölkerung – und das unter anderem auch, weil der Impfschutz mit der Zeit abnimmt.

Älteren Menschen wird eine Auffrischungsimpfung empfohlen.

Älteren Menschen wird eine Auffrischungsimpfung empfohlen.

Deshalb gibt es für ältere Menschen auch zurzeit das Angebot der Booster-Impfung - also der dritten Impfung -, um den Impfschutz zu erneuern. Die Stiko empfiehlt die dritte Impfung ab 70 Jahren und das frühestens sechs Monate nach der zweiten Dosis. Ob noch eine Empfehlung zur Booster-Impfung für alle kommt, will die Stiko "in wenigen Wochen" entscheiden.

Bund und Länder empfehlen schon jetzt eine Auffrischungsimpfung nach sechs Monaten. Dies gelte vor allem für ältere Menschen und medizinisches Personal, aber letztlich auch für alle, hieß es am Freitag nach den Beratungen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern.

Wie lange hält der Impfschutz nach der doppelten Impfung an?

Eine Vorab-Publikation aus Schweden kommt zu dem Schluss, dass der Impfschutz vor einer Corona-Infektion nach einigen Monaten nachlässt. Dabei geht es um den Schutz vor Symptomen wie etwa Kopf- und Halsschmerzen und Schnupfen. Demnach nimmt aber auch der Schutz vor einem schweren Corona-Verlauf mit der Zeit deutlich ab.

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Sollten Geimpfte sich weiter an die AHA+L-Regeln halten?

Ja. Die Stiko empfiehlt die bekannten Hygienemaßnahmen: Abstand, in die Armbeuge Husten oder Niesen, gründliches Händewaschen, Mundnasenschutz und Lüften.

Denn auch Geimpfte können andere weiterhin mit Corona anstecken. Laut RKI sind geimpfte Infizierte zwar weniger lange ansteckend als ungeimpfte Infizierte – aber es geht eben trotzdem ein Infektionsrisiko von ihnen aus.

Was sollten Geimpfte tun, wenn sie eine rote Meldung von der Corona Warn App bekommen?

Die Corona Warn App warnt weiterhin nach Begegnungen mit Corona-Infizierten – und zwar unabhängig davon, ob man geimpft ist oder nicht. Bei einer roten Meldung sollten geimpfte Nutzerinnen und Nutzer den Hinweisen der App folgen und die hausärztliche Praxis oder das Gesundheitsamt anrufen. In Absprache wird dann entschieden, ob ein Corona-Test sinnvoll ist.

Allerdings steht in den Richtlinien des RKI auch, dass Geimpfte nach Kontakt mit einem oder einer Infizierten nicht in Quarantäne müssen, wenn sie symptomfrei sind. Stattdessen sollen sie sich selbst beobachten. Treten Symptome auf, sollen dann aber sofort Test und Quarantäne erfolgen.

Stand: 05.11.2021, 13:36

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