Ärztinnen und Ärtzte versorgen auf einer Intensivstation eine Patientin.

Zwei Drittel ungeimpft: So wird der Impfstatus von Intensivpatienten erfasst

Stand: 13.01.2022, 20:40 Uhr

Fast zwei Drittel der Corona-Patienten auf Intensivstationen sind laut Robert Koch-Institut (RKI) und der Intensivmediziner-Vereinigung (DIVI) ungeimpft - ein Viertel war mindestens zweimal geimpft.

Von Frank Menke

Diese Zahlen haben RKI und DIVI am Donnerstag erstmals vorgelegt. Der Überblick zum Impfstatus von Corona-Patienten auf Intensivstationen soll ab jetzt regelmäßig im Wochenbericht des RKI veröffentlicht werden. Dass das wie häufig gefordert nicht schon viel früher passiert ist, hat laut Christian Karagiannidis, dem wissenschaftlichen DIVI-Leiter, mit spezifischen Problemen bei der Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems zu tun.

Um die ersten Zahlen zu eruieren, meldeten alle Intensivstationen in Deutschland mit Akutversorgung im Zeitraum vom 14. Dezember bis 12. Januar täglich bis 12 Uhr den Impfstatus der zum Vortag neu aufgenommenen Covid-19-Patienten. Insgesamt wurden die Daten von 9.946 Patienten übermittelt, bei 90 Prozent von ihnen war der Impfstatus bekannt.

Karagiannidis: "Ein total mühsames Geschäft"

"90 Prozent ist extrem viel", sagte Christian Karagiannidis, der Wissenschaftliche Leiter der Intensivmediziner-Vereinigung DIVI, dem WDR. Was die Erfassung des Impfstatus so aufwendig gestalte, sei das Fehlen einer funktionierenden elektronischen Patientenakte, wie es sie in Dänemark, England oder den USA längst gebe: "Was wir machen, ist ein total mühsames Geschäft, dass wir einzeln abfragen und die Leute irgendetwas händisch eingeben."

Nichts im Klinikalltag angekommen

Er ergänzte: "Wir kompensieren das, was in den letzten 20 Jahren liegen geblieben ist." Schon 2003 habe es das GKV-Modernisierungsgesetz gegeben: "Nichts davon ist bisher im Klinikalltag angekommen. Sonst wüsste man ohne Probleme sofort über den Impfstatus Bescheid, wenn Patienten ins Krankenhaus kommen." Teilweise müssten bei der Einweisung Angehörige diesbezüglich befragt werden.

DIVI-Leiter: Mit oder wegen Corona macht keinen Unterschied

Bei der Auswertung der Daten wurde nicht unterschieden, ob ein Patient mit oder wegen Corona auf der Intensivstation liegt. Karagiannidis erklärt das so: "Die Sterblichkeit ist gleich. Von daher ist diese Unterscheidung eher akademisch, eher etwas für die Post-Analysen nach diesen Corona-Wellen." Und schließlich könne das Coronavirus zum Beispiel auch Schlaganfälle verursachen.

Johnson & Johnson: Kein vollständiger Impfschutz

Mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson immunisierte Intensivpatienten galten bei der Auswertung der Daten als nicht vollständig geimpft. "Wir haben das bewusst so definiert. Mit der Einmal-Impfung von Johnson & Johnson verhält es sich genauso wie mit Einmal-Impfungen bei anderen Impfstoffen - es ist kein vollständiger Impfschutz", so Karagiannidis.

Fast zwei Drittel Ungeimpfte auf Intensivstationen

Unterm Strich kam bei der Auswertung der Daten der Intensivpatienten heraus, dass fast zwei Drittel (62 Prozent, 5.521 Fälle) von ihnen nicht geimpft waren. Mehr als ein Viertel (28,4 Prozent, 2.535 Fälle) hatte einen vollständigen Impfschutz, davon waren 5,8 Prozent (520 Fälle) geboostert. Rund 9,6 Prozent (856 Fälle) wiesen einen unvollständigen Immunschutz auf, waren also genesen ohne Impfung oder teilimmunisiert.

Keine Rückschlüsse auf Impfwirkung

DIVI und RKI betonten, die Ergebnisse der neuen täglichen Abfrage im Intensivregister bestätigten die bisherigen Erkenntnisse des RKI zum Anteil ungeimpfter und geimpfter Covid-19-Patienten auf Intensivstationen. Gleichzeitig wiesen sie darauf hin, dass dies zur Beurteilung der Wirksamkeit der Impfung nicht reiche, sondern die Impfquote berücksichtigt werden müsse.

So relativiert sich dann auch der vermeintlich hohe Anteil von mehr als einem Viertel geimpfter Patienten auf den Intensivstationen. Setzt man deren Anzahl ins Verhältnis zur Anzahl aller geimpften Menschen in Deutschland und ebenso die Anzahl der Ungeimpften auf Intensivstationen zur Gesamtanzahl der Ungeimpften, kommt im Vergleich heraus: Die Ungeimpften haben ein deutlich höheres Risiko, mit einem schweren Krankheitsverlauf auf einer Intensivstation zu landen.

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