Clubsterben in NRW: Auch der Bundestag diskutiert

Clubsterben in NRW: Auch der Bundestag diskutiert

Von Jörn Seidel

  • Zahl der Clubs und Discos in NRW abgenommen
  • Probleme: Zu hohe Mieten und Anwohner
  • Clubsterben mittlerweile auch Thema im Bundestag

Das Essener Studio, das Butan in Wuppertal oder das Underground in Köln - wohl jeder kennt Clubs und Konzertorte, die das Nachtleben einst prägten und irgendwann verschwanden. Vom Clubsterben sprechen Betreiber und Unterstützer - und fordern mehr Schutz vom Staat.

Angespannter Immobilienmarkt

Das Kölner Underground

Das Kölner Underground

Clubs eröffnen, machen dicht und andernorts auf. Das war schon immer so. Neu ist aber zum Beispiel der extrem angespannte Immobilienmarkt. Auch wegen Anwohnerbeschwerden und aus steuerrechtlichen Gründen sehen sich elektronische Clubs und Live-Musik-Spielstätten in vielen NRW-Städten in ihrer Existenz bedroht.

Clubsterben in NRW

WDR 5 Morgenecho - Interview 15.02.2020 04:28 Min. Verfügbar bis 14.02.2021 WDR 5

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In Nordrhein-Westfalen sank die Zahl der "Diskotheken und Tanzlokale" von 287 im Jahr 2009 auf 250 im Jahr 2017 - so die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Deutschlandweit ist der Rückgang prozentual noch größer, während die Zahl der Bars zugleich stark anstieg.

2009-2017: Diskotheken, Tanzlokale und Bars

Steuerpflichtige Einrichtungen
20092017
Diskotheken und Tanzlokale in NRW287250
Diskotheken und Tanzlokale in Deutschland19481489
Bars in Deutschland16202403

(Quelle: Statistisches Bundesamt)

Anhörung im Bundestag

Mittlerweile beschäftigt sich auch der Bundestag mit dem Thema. Am Mittwoch (12.02.2020) gab es dazu im Bauausschuss eine Expertenanhörung. Linke, Grüne und FDP hatten zuvor Anträge vorgelegt, nach denen Clubs und Konzertorte baurechtlich wie Theater und Programmkinos behandelt werden sollten.

"Bislang sind wir im Baurecht auf einer Ebene mit Bordelle und Spielhallen", bemängelt die Krefelderin Heike Schätze, Vorsitzende des Veranstalter-Verbands Live-Initiative NRW.

Vorwurf: Fehlende Wertschätzung

Es fehle an rechtlicher Wertschätzung, so Schätze. Anders als in den meisten Diskotheken würden in vielen Clubs nicht bloß Songs abgespielt, sondern mühevoll kuratierte Konzerterlebnisse kreiert.

Definition: Welche Clubs gelten als schützenswert?

Club-Betreiber und Konzert-Veranstalter wollen sich zu klassischen Diskotheken abgrenzen. Denn nicht jede Einrichtung brauche besseren staatlichen Schutz, so ihre Meinung. Eine Definition für schützenswerte Musikspielstätten bietet der Dachverband Live-Musik-Kommission, dem auch die Live-Initiative NRW angehört:

  • Demnach rechnet eine schützenswerte Musikspielstätte mindestens 24 Veranstaltungen pro Jahr nach dem Gema-Tarif für Live-Konzerte der Unterhaltungsmusik ab.
  • Die Besucherkapazität beträgt maximal 2.000 Personen.
  • Treten in der Spielstätte überwiegend DJs auf, so muss die Mehrzahl der Veranstaltungen durch "künstlerische DJs" bestritten werden. Das sind DJs, die Musik produzieren und/oder Labels betreiben.
  • Auch viele kleine und mittelgroße Festivals gelten nach dieser Definition als Musikspielstätte.

Von einer baurechtlichen Besserstellung würde auch der Jazz- und Kulturclub "Loch" in Wuppertal profitieren, glaubt Geschäftsführer Maik Ollhoff. "Auf unserer Suche nach einer neuen Bleibe wäre es schon gut zu wissen, dass wir nicht ohne Weiteres einem der vielen Loft-Bauprojekte weichen müssen."

Discokugel im Scheinwerferlicht

Allerdings müsste dafür auch das Gewerbemietrecht geändert werden, fordern die Grünen. Ein weiteres Problem beklagen Club-Betreiber in Dortmund und Bochum. Für sie gilt eine Vergnügungssteuer von satten 20 Prozent.

Veränderte Ausgeh-Kultur

Das Clubsterben liege aber auch an einer veränderten Ausgeh-Kultur, glaubt Maik Ollhoff. In Zeiten von Social Media und Streamingdiensten würden die Musikerlebnisse vieler Menschen vermehrt in privaten Räumen stattfinden, meint er. Auch hätten sich viele Konzerte aus den Clubs nun in Theater, Bars und auf Festivals verlagert.

Nicht jedes Verschwinden eines Clubs ließe sich also politisch verhindern. Aber möglicherweise manches.

Stand: 15.02.2020, 09:00

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