Das sind die Preisträger des CIVIS Medienpreis 2021

Das sind die Preisträger des CIVIS Medienpreis 2021

Fast 800 Video- und Audiobeiträge aus 20 EU-Mitgliedsstaaten wurden für den CIVIS Medienpreis 2021 eingereicht. 23 dieser Einreichungen waren nominiert. Das sind die Preisträger.

Eine dunkelhaarige Teenagerin in einem kurzen Neopreananzug sitzt im Schwimmbad neben einem kleinen Jungen mit Schwimmflügeln.

Young C. Award: Der Kurzfilm "Seepferdchen" von der Filmakademie Baden-Württemberg überzeugte die Jury vor allem durch seine "poetische Verbindung von Ton und Bild". Die Autorin Nele Dehnenkamp erzählt darin die Geschichte der jungen Jesidin Hanan (im Bild mit ihrem Bruder Sidar), die 2015 mit ihrer Familie vor dem IS aus dem Irak flüchtete. In Deutschland angekommen lernt Hanan schwimmen, auch um die schrecklichen Erinnerungen an die Fahrt über das Mittelmeer zu überwinden. "Der Film vermittelt die bedrängende Doppelgestalt des Wassers als Medium des Glücks und des Untergangs", so die Jury. "Seepferdchen gibt der Protagonistin Raum zu verdeutlichen, welche traumatischen Auswirkungen eine Flucht haben und wie ein junger Mensch sich diesen Erfahrungen stellen kann."

Young C. Award: Der Kurzfilm "Seepferdchen" von der Filmakademie Baden-Württemberg überzeugte die Jury vor allem durch seine "poetische Verbindung von Ton und Bild". Die Autorin Nele Dehnenkamp erzählt darin die Geschichte der jungen Jesidin Hanan (im Bild mit ihrem Bruder Sidar), die 2015 mit ihrer Familie vor dem IS aus dem Irak flüchtete. In Deutschland angekommen lernt Hanan schwimmen, auch um die schrecklichen Erinnerungen an die Fahrt über das Mittelmeer zu überwinden. "Der Film vermittelt die bedrängende Doppelgestalt des Wassers als Medium des Glücks und des Untergangs", so die Jury. "Seepferdchen gibt der Protagonistin Raum zu verdeutlichen, welche traumatischen Auswirkungen eine Flucht haben und wie ein junger Mensch sich diesen Erfahrungen stellen kann."

CIVIS Video Award, Kategorie "Information": Eineinhalb Jahre recherchierte der Journalist Thilo Mischke (Foto) mit seinem Team für die Dokumentation "Rechts. Deutsch. Radikal", die auf ProSieben lief. Um zu zeigen, wie rechte Organisationen und Parteien in Deutschland funktionieren, neue Mitglieder rekrutieren und wie gefährlich sie sind, schreckte Mischke nicht davor zurück auf Rechtsrock-Konzerte zu gehen oder sich mit vorbestraften Neonazis zu treffen. Die Jury beeindruckte dabei unter anderem die "Behutsamkeit des Berichterstatters. Er kommt auch militanten Rechten näher, ohne sich anzubiedern." So schaffe es der Film, dem Zuschauer Deutschlands hässlichste Seite zu zeigen.

CIVIS Video Award, Kategorie "Unterhaltung": Der Fernsehfilm "Herren" erzählt von den alltäglichen Problemen eines Vaters in der Midlife Crisis. Allerdings ist Ezequiel (l. gespielt von Tyron Ricketts) schwarz, was die Sache etwas verkompliziert. Denn anstatt Capoeira zu unterrichten, putzt der Kampfsport-Crack aufgrund seiner Einwanderungsgeschichte öffentliche Pissoirs, wofür er sich so sehr schämt, dass er es nicht einmal seiner Frau erzählt. Zu allem Überdruss hält auch noch sein Sohn Stevie nichts von den Karriereplänen, die sein Vater für ihn hat. "Es ist eine universelle Geschichte, die doch wie selbstverständlich im ganz gewöhnlichen Leben schwarzer Menschen in Deutschland spielt", erklärt dazu die CIVIS Video-Jury. So zeige der Film "ein Stück Vielfalt in Deutschland, mit der ein Teil der Bevölkerung sich immer noch schwer tut".

CIVIS Video Award, Kategorie "Social Media Format": Mit dem Video "Darf ich dir in die Haare fassen? - Alltagsrassismus in Deutschland" hat es WDR COSMO nach Meinung der Jury geschafft, eine scheinbar harmlose Frage als das zu entlarven, was es eigentlich ist: ein Stück Alltagsrassismus. In dem sechs Minuten langen Beitrag erzählen schwarze Menschen von dieser Alltagserfahrung und wie sie sich dadurch ausgegrenzt fühlen. Anschließend dreht die Journalistin Daphne Ivana Sagner (Foto) einfach den Spieß um und fragt Menschen auf der Straße, ob sie ihnen in die Haare fassen darf. "Auf fast spielerische Weise erwächst daraus ein aufklärerisches Wechselspiel, einfühlsam dargestellt, ernsthaft aber auch humorvoll-ironisch und den Formaten der sozialen Medien geschickt angepasst", so die Jury.

CIVIS Audio Award, Kategorie "Kurze Programme": In ihrem Hörfunk-Beitrag "Uns bleiben die Worte" für die Sendung "Der Morgen" im Saarländischen Rundfunk erzählt Sabine Wachs (Foto) die Geschichte zweier Väter, die bei dem Terroranschlag im Pariser Konzertsaal Bataclan beide ein Kind verloren. Während Georges Salines Tochter eines der Opfer des islamistischen Angriffs war, gehörte der Sohn von Azdyne Amimours zu den Tätern und wurde von der Polizei erschossen. Nur durch das Blutbad im November 2015 treffen die beiden Männer aufeinander und entwickeln eine Art Freundschaft, die so weit geht, dass sie gemeinsam ein Buch schreiben. Die CIVIS Audio Jury bezeichnet den Beitrag als "ein Stück 'constructive journalism', das Spannung aufbaut und nachdenklich macht". Auch weil es eine Opferperspektive abbilde, von der selten die Rede sei: "Auch der Vater eines radikalisierten Täters ist für sein Leben gezeichnet."

Civis Audio Award, Kategorie "Lange Programme": Claudia Gschweitl (Foto) berichtet im Radio-Feature "Willkommen in Weikendorf" für die Sendereihe "Hörbilder" im Österreichischen Rundfunk von dem Aufruhr, den eine elfköpfige palästinensische Familie im kleinen Ort Weikendorf in Niederösterreich auslöst: Sie will ein Haus kaufen. Der Bürgermeister verweigert die Genehmigung; Bürger gründen eine Initiative dagegen. Als Rassisten wollen sich die Weikendorfer in den Medien nicht darstellen lassen. Schließlich wird ein Brief an die Spitzen der österreichischen Politik geschrieben - vergebens. "Begeisterndes Radio", findet die CIVIS Audio Jury. Mit Hilfe packender O-Töne zeige das Feature die sehr verschiedenen Perspektiven in dem kleinen Ort. "Widersprüche sorgen mit immer neuen Wendungen für Spannung bis zum Schluss."

CIVIS Audio Award, Kategorie "Podcasts" und CIVIS Top Award: Mit "Hamburg 1980: Als der rechte Terror wieder aufflammte" rekonstruieren die Macherinnen des "Rice and Shine"-Podcasts einen einschneidenden Moment der deutschen Nachkriegsgeschichte. Minh Thu Tran und Vanessa Vu erzählen darin von dem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Hamburg, bei dem im August 1980 zwei junge Männer aus Vietnam starben. Die Tat gilt als der erste rassistische Mord der Bundesrepublik, die drei Täter als Vorläufer des NSU. Und dennoch ist der Anschlag aus dem öffentlichen Bewusstsein weitgehend verschwunden. Das ändern die Autorinnen nach Meinung der CIVIS Audio Jury. "Ihr Stück macht die Menschen hinter der Geschichte sichtbar - einer Geschichte, die außerordentlich ergreifend ist, nicht zuletzt, weil sie auf die beeindruckende Kraft der O-Töne vertraut, denen viel Raum gegeben wird."

CIVIS Cinema Award: Den einzigen Preis, den keine Jury auswählt, sondern für den das Publikum abstimmt, hat in diesem Jahr der Kinofilm "Futur drei" gewonnen. Darin geht es um Parvis (Foto, gespielt von Benjamin Radjaipour), den Sohn wohlhabender iranischer Einwanderer. Um seinem behüteten Leben in der Provinz zu entkommen, sucht er eine Art Nervenkitzel, indem er klaut. Doch dann wird er erwischt und muss Sozialstunden als Übersetzer in einer Unterkunft für Geflüchtete leisten. Dort freundet er sich mit den iranischen Geschwistern Banafshe und Amon an. Zwischen ihm und Amon entwickelt sich eine Liebe. Doch allen Beteiligten ist klar: Sie leben in ganz unterschiedlichen Welten.

Stand: 21.05.2021, 14:00 Uhr