Christo-Kunst: Stoff aus NRW verhüllt den Triumphbogen

Von Katja Goebel/Nora Schuster

Der Triumphbogen, steinernes Wahrzeichen mitten in Paris, glänzt und funkelt jetzt in Silber - dank des Künstlers Christo und eines ganz besonderen Stoffes aus dem Münsterland.

Man sieht ihn schon von Weitem. Glänzend steht er da mitten auf der Champs-Elysées. Der Pariser Arc de Triomphe trägt nun für zwei Wochen einen silber schimmernden Mantel. Verpackt wurde das berühmte Denkmal nach den Wünschen des verstorbenen Verhüllungskünstlers Christo. Und mit tatkräftiger Hilfe aus dem Münsterland. Dort wurden die riesigen Stoffbahnen nämlich gefertigt.

Münsteraner Gewebe für weltberühmte Kunst

Geschäftsführer der Firma Setex Carsten Heumer aus Greven | Bildquelle: Nora Schuster/WDR

Normalerweise werden bei der Firma Setex in einem alten Fabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert Stoffe für Autozubehör oder Beschichtungen für Teppiche hergestellt. Doch bereits seit 1994 mischen die Münsterländer auch in der Kunst mit. Sie haben schon den weltberühmten Stoff für den verhüllten Reichstag in Berlin und die Floating Piers in Italien geliefert. Sogar eine neue Webmaschine hat die Firma für den Spezialauftrag angeschafft, um das blau-graue Gewebe aus Polypropylen zu fertigen. Und nun haben sich auch noch 25.000 Quadratmeter des besonderen Textils von Greven auf den Weg nach Paris gemacht.

Christo: Triumphbogen mit Stoff aus Greven verhüllt Lokalzeit Münsterland 21.09.2021 02:32 Min. Verfügbar bis 21.09.2022 WDR Von Christian Schweitzer

Vom Ballonbauer zum Verpacker

Verpacker am Triumphbogen | Bildquelle: The Associated Press

Doch wie schafft es der Stoff auf den Triumphbogen? Da kommt Felix Dickenberger ins Spiel. Ein Mann aus Lübeck, der viele Nachtschichten eingelegt hat in den vergangenen Tagen. Die Lübecker Firma macht eigentlich Heißluftballone, jetzt musste sie die 16 Meter breiten Stoffbahnen nach Christos Plänen um den Triumphbogen wickeln. Keine leichte Aufgabe für die insgesamt 95 Kletterer auf dem 50 Meter hohen Bogen. "Man kann die Falten, wenn sie einmal von dem Gebäude heruntergerollt wurden, nicht mehr umlagern. Die Stoffbanner wiegen eine Tonne", erzählt Triumphbogenverpacker Felix Dickenberger im WDR. "Respekt hat man immer vor diesen Projekten. Es ist eher die Logistik, die einem Probleme macht."

Doch jetzt, wo der Bogen endlich verpackt ist und alle staunend auf das beeindruckende Kunstwerk schauen, lassen auch bei Dickenberger Anspannung und Erschöpfung nach. "Es sieht von Weitem aus wie gezeichnet. Ein überwältigendes Erlebnis."

Am 3. Oktober wird der Zauber dann verfliegen und der Arc de Triomphe lässt seine Hülle wieder fallen. Und was passiert mit all dem Stoff? "Der wird zerteilt und zu 100 Prozent recycelt", verrät der Münsteraner Stofffabrikant Carsten Heumer schmunzelnd.