Hanfpflanze

Cannabis-Legalisierung: Kiffen für die Staatskasse?

Stand: 19.12.2021, 06:00 Uhr

Von einer Cannabis-Legalisierung würde vor allem der Fiskus profitieren – mit 4,7 Milliarden Euro jährlich, sagt der Düsseldorfer Ökonom Justus Haucap. Aber was ist mit den Risiken? Ein Interview.

Ganze 400 Tonnen Cannabis jährlich könnten zu Genusszwecken in Deutschland konsumiert werden, hat der Wirtschaftsprofessor ausgerechnet. Stärkt eine Legalisierung wirklich nur den Finanzminister? WDR.de hat mit Justus Haucap darüber gesprochen.

WDR: Das sind beeindruckende Zahlen, die Sie in Ihrer Studie ermittelt haben. Was leiten Sie daraus ab?

Diese steuerlichen Aspekte sind nur ein Aspekt unter vielen, und sollten auch nicht das Hauptargument für die Legalisierung sein. Da geht es ja doch primär um den Gesundheitsschutz und den Jugendschutz. Aber es ist natürlich ein weiterer angenehmer Nebeneffekt, würde ich sagen. Das Geld liegt ja heute schon in gewisser Weise auf der Straße, der Cannabismarkt existiert ja, auch wenn es ein Schwarzmarkt ist.

WDR: Ist das Ziel dann "Kiffen für die Staatskasse"?

Prof. Justus Haucap, Wirtschaftsprofessor an der Uni Düsseldorf

Prof. Justus Haucap

Eigentlich ist ja immer noch das Ziel, den Cannabiskonsum zu reduzieren und nicht unbedingt die Leute zu ermuntern, das zu tun. Das gelingt ja auch bei Tabak und Alkohol gar nicht so schlecht, der Konsum ist in diesen Bereichen seit Jahren rückläufig. Von daher würde ich sagen: kein Kiffen für die Staatskasse - aber wenn man schon kifft, dann hat das damit wenigstens einen guten Nebeneffekt.

WDR: Man verspricht sich ja viel Positives von einer Legalisierung, hat mit den Niederlanden aber ein Negativbeispiel. Was ist da passiert?

Die Niederlande haben das sehr halbherzig gemacht. Der Konsum ist zwar toleriert, aber der Anbau und die Verarbeitung bleibt weiter illegal, und damit auch weiter in den Händen der Kriminalität. Wenn man legalisiert, dann die ganze Wertschöpfungskette, vom Anbau bis zum Verkauf. So wie in den Niederlanden kann das gar nicht funktionieren.

Cannabis-Legalisierung - Gefährliches Vorbild Niederlande

Westpol 28.11.2021 11:41 Min. UT DGS Verfügbar bis 28.11.2022 WDR

WDR: Was sind die entscheidenden Faktoren?

Es ist zum einen wichtig, dass der Verkaufspreis für Cannabis nicht zu sehr über dem heutigen Schwarzmarktpreis liegt.  Man sieht aus den Erfahrungen im Ausland: Es kann ruhig ein bisschen teurer sein, denn die Leute kaufen natürlich schon lieber qualitätsgeprüftes, legales Cannabis, als zu irgendeiner suspekten Person im Park zu gehen. Zum anderen muss das legale Cannabis auch hinreichend verfügbar sein. Wenn der nächste Cannabis-Shop 30 Kilometer entfernt ist, dann bleibt der Schwarzmarkt bestehen. Für die Shops wird man über eine Zutrittsbeschränkung zum Beispiel ab 18 Jahren nachdenken müssen, außerdem wird man die Werbung regulieren müssen...

WDR: Da sind eine ganze Menge Fragen zu klären. Es wird also vermutlich nicht so schnell ein Ergebnis geben?

Die Erfahrung aus dem Ausland – insbesondere aus den USA und Kanada – zeigen, dass nach einem Beschluss ein bis zwei Jahre vergehen, bis der legale Markt kommt. Man muss dann erstmal eine regulatorische Infrastruktur errichten und das Ganze auch anbauen. Und tatsächlich sind viele Fragen zu lösen. Wir haben heute den Vorteil, dass wir nicht die ersten sind, sondern schon aus dem, was 18 US-Bundesstaaten und Kanada gemacht haben, lernen können. Wenn man bereit ist, nicht nur aus eigenen Fehlern zu lernen, sondern auch aus denen, die andere gemacht haben, bin ich ganz optimistisch.

Das Interview führte Thomas Kramer.

Cannabis-Legalisierung: Irrweg oder Ausweg?

phoenix runde 04.11.2021 44:33 Min. Verfügbar bis 04.11.2026 Phoenix

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