Ein Jahr Cannabis auf Rezept: Nachfrage in NRW steigt

Cannabis auf Rezept

Ein Jahr Cannabis auf Rezept: Nachfrage in NRW steigt

  • Seit einem Jahr können Schwerkranke Cannabis auf Rezept bekommen
  • Nachfrage ist seitdem deutlich gestiegen
  • Barmer Ersatzkasse lehnt jeden zweiten Antrag ab

Seit der Freigabe von Cannabis auf Rezept im März 2017 haben Apotheken in NRW das cannabishaltige Arzneimittel deutlich häufiger abgegeben. "Die Zahl der Patienten, die das hochwirksame pflanzliche Arzneimittel auf Rezept nachfragen, ist in unserem Kammerbezirk mit Sicherheit gestiegen", sagte Stefan Derix, Geschäftsführer der Apothekerkammer Nordrhein, am Montag (05.03.2018).

Wurden im März 2017 deutschlandweit kurz nach der Freigabe-Entscheidung des Bundestags 488 Cannabis-Rezepte ausgestellt, waren es im Juni 2017 schon mehr als 2.200 Rezepte. Aktuell dürften es weit mehr sein, sagte Derix.

Barmer lehnt jeden zweiten Antrag ab

Bei der Barmer Ersatzkasse sind in NRW seit Inkrafttreten des Cannabis-Gesetzes 782 Anträge auf die Kostenübernahme cannabishaltiger Arzneimittel eingegangen. Davon wurden 417 Anträge genehmigt und mit 365 Anträgen fast jeder zweite abgelehnt.

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) sieht zwei Gründe für die hohe Quote von Ablehnungen. Zum einen würden die Krankenkassen Cannabis nur genehmigen, wenn die Wirksamkeit für den Krankheitsfall durch klinische Studien bewiesen sei, sagte KVNO-Cannabis-Experte, Holger Neye. Zum anderen würden Ärzte oftmals zunächst alle möglichen Alternativen für Patienten probieren, ehe sie Cannabis auf Rezept verschrieben.

Cannabis gegen chronische Schmerzen

Cannabis heilt nicht, lindert aber Symptome. Am häufigsten wird Cannabis eingesetzt, um Schmerzen zu bekämpfen. Cannabis wirkt auch entzündungshemmend. Deshalb kommt es auch bei chronisch entzündlichen Erkrankungen zum Einsatz.

Helfen kann Cannabis auch bei Multipler Sklerose, Übelkeit infolge von Chemotherapien, bei Appetitlosigkeit wegen Aids, Krebs oder Alzheimer. Allerdings sind auch Nebenwirkungen wie Halluzinationen, starke Müdigkeit, Panikgefühle und Abhängigkeit möglich.

Stand: 09.03.2018, 06:00