Wahl-Reaktionen aus NRW: Kühle Köpfe und rechte Haken

Wahl-Reaktionen aus NRW: Kühle Köpfe und rechte Haken

Von Nina Magoley

Auch in NRW herrscht am Morgen nach der Bundestagswahl bei den meisten Parteien Katerstimmung. Die Landes-SPD kündigt eine "politische Inventur" an, CDU-Chef Laschet warnt vor "parteipolitischen Spielchen".

In einer ersten Reaktion hatte Michael Groschek, SPD-Landesvorsitzender und ehemaliger Verkehrsminister, das Wahlergebnis als "historischen Niederlage" seiner Partei erklärt. Die SPD nehme nun die Rolle als "starke demokratische Oppositionspartei" an. Der Einzug der rechtspopulistischen AfD in den Bundestag sei "ein Alarmsignal für unsere Demokratie", sagte Groschek, die Partei "eine Schande für Deutschland".

SPD: "Sag uns, was Dich bewegt"

Auch in NRW will die SPD nun eine "schonungslose Analyse und eine politische Inventur": Noch in der Nacht zum Montag (25.09.2017) wollte die Parteispitze die Basis nach ihrer Meinung fragen. Alle Mitglieder in NRW sollten demnach eine E-Mail erhalten mit der Aufforderung: "Sag uns, was Dich bewegt."

"Ab ans Büffet"

Christian Lindner am Wahlabend

Freut sich am Wahlabend: FDP-Chef Lindner

FDP-Chef Christian Lindner rief im WDR Radio dazu auf, bezüglich der AfD einen "kühlen Kopf zu bewahren". In Nordrhein-Westfalen habe die Partei bereits gezeigt, dass sie "kein Interesse an der Sacharbeit" habe, berichtete er von den ersten Erfahrungen mit der AfD im NRW-Landtag: "Da gibt es ein paar provokante Äußerungen und dann machen die sich ab ans Büffet." Er ahne, dass das im Bundestag ähnlich sein werde.

Wie sich die FDP auf Bundesebene nach ihrem Wiedereinzug ins Parlament positionieren will, ließ er offen: Es gebe Gemeinsamkeiten, aber auch "Entfernungen", zur CDU/CSU ebenso wie zu den Grünen, sagte Christian Lindner. Er empfehle daher, "jetzt erst einmal den Ball flach zu halten".

Laschet kritisiert SPD-Rückzug

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kritisierte die Absage der Sozialdemokraten an eine Regierungsbeteiligung auf Bundesebene. "Ich hätte mir gewünscht, dass die Sozialdemokraten wenigstens Gespräche geführt und ihrer Verantwortung gerecht geworden wären", sagte Laschet im ZDF. Die Bundesrepublik befinde sich in einer "ganz besonderen Lage", da könne man sich "keine parteipolitischen Spielchen leisten".

Linke: AfD-Wähler wussten, was sie tun

Auch Sascha Wagner, Landesgeschäftsführer der Linken in NRW, nannte den AfD-Erfolg "mehr als bitter". Zur Wahrheit gehöre, "dass die Wählerinnen und Wähler der AfD genau wussten, wofür diese Partei steht und sich somit bewusst für Hass, Ausgrenzung, Hetze und Sozialabbau ausgesprochen haben". Die Linke werden auch im nächsten Bundestag für mehr soziale Gerechtigkeit "und ein Leben in Frieden" kämpfen, so Wagner. "Gegen rechte Haken hilft nur eine starke Linke“.

Pretzell: Ziel sei Regierungsverantwortung

In WDR 5 sagte der NRW-Landesvorsitzende der AfD, Marcus Pretzell, am Montagmorgen, die AfD solle jetzt versuchen, so schnell wie möglich Teil einer Regierung zu werden. "Unser Land verändern wir nicht aus der Opposition heraus", so Pretzell. Ziel müsse sein, "mit Lösungen in eine Regierungsverantwortung zu kommen". Dass "zwei von drei AfD-Wählern" nur aus Protest für die Partei gestimmt hätten, könne die AfD "nicht zufriedenstellen".

Stand: 25.09.2017, 08:54