Kleinstparteien im Wahlkampf – Engagement ohne Aussicht auf Mandate

NRW-Spitzenkandidat Lars Herbold für die Partei Volt spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung

Kleinstparteien im Wahlkampf – Engagement ohne Aussicht auf Mandate

Von Anke Spiess

47 Parteien treten für die Bundestagswahl an. Auch zahlreiche Kleinstparteien schicken Kandidaten und Kandidatinnen ins Rennen. Chancen auf Mandate haben sie kaum.

Die vorherrschende Farbe auf dem Wuppertaler Laurentiusplatz ist an diesem Tag die Farbe Lila. Die Volt-Partei präsentiert sich. Das Publikum ist überwiegend jung, wie auch Lars Herbold, der mit seinen 20 Jahren der jüngste Kandidat im Bergischen Land ist.

Er findet, dass junge Leute unbedingt in der Politik mitentscheiden sollten, denn es sei ja die Jugend, die am längsten mit den Entscheidungen und Gesetzen aus Berlin leben müsse.

Alternative zu den Etablierten

Franz Büning sitzt auf dem Laurentiusplatz und hört sich an, was Volt zu sagen hat. Dem 61-Jährigen gefallen die Energie und die Frische. Für ihn ist Volt eine Alternative zu verkrusteten Strukturen der Etablierten, sagt er. Er glaube, dass sich etwas ändert, wenn junge Menschen mitmischen.

Von den großen Parteien ist er enttäuscht, sieht wenig Chancen für Veränderung. Er habe es satt, nur das kleinere Übel zu wählen und denke nicht, dass seine Stimme "verschenkt" sei, wenn er sich für eine kleine Partei entscheidet.

Druck auf die Großen

So sieht das auch Lars Herbold "jede Stimme, die wir und nicht eine etablierte Partei bekommt, wurmt diese. Wir hoffen, dass wir sie so mit unseren Themen unter Druck bringen können."

Und schließlich gehe es ja auch darum, aus Überzeugung und nicht taktisch zu wählen, sagt er. Er ist enttäuscht, dass gerade Kleinstparteien nicht zu großen Podiumsdiskussionen im Fernsehen eingeladen würden.

Tierschutzpartei - seit 30 Jahren dabei

Ein Vertreter der Tierschutzpartei mit einem Wahlkampfplakat mit der Aufschrift "Den Stimmlosen eine Stimme geben" zur Bundestagswahl 2021

Sascha Stinder kandidiert für die Tierschutzpartei

Auch die Tierschutzpartei, die älteste Kleinpartei, tritt wieder zur Bundestagswahl an. Im Parlament war sie noch nie vertreten. Sascha Stinder, Wuppertaler Kandidat, ärgert sich über die Fünf-Prozent-Hürde. Sie sei undemokratisch und würde kleinere Parteien benachteiligen. 

Wahlplakate zur Bundestagswahl 2021 der Partei "die Piraten" auf einem Anhänger

Auch die Piraten ärgern sich über die Fünf-Prozent-Hürde

So sieht das auch die Wuppertaler Piraten-Partei: Die Hürde mache es kleinen Parteien schwer, sich zu etablierten. Trotzdem machen Piraten und die Tierschutzpartei auch in diesem Jahr beim Bundestagswahlkampf mit. Es gehe darum, Aufmerksamkeit für die Inhalte und eine Wahl-Alternative jenseits der "Großen zu bekommen". "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren", sagt Stinder.

Ohne Moos nix los - Geld für Inhalte

Auf dem Wuppertaler Laurentiusplatz hat Lars Herbold mit vielen potentiellen Wählerinnen und Wählern gesprochen. Wie auch die anderen Kleinstparteien hofft er, dass seine Partei über 0,5 Prozent kommt, denn dann gibt es pro Wählerstimme Geld.

Und das können gerade die kleinen Parteien gut für die Verbreitung ihrer Inhalte brauchen.

Stand: 19.09.2021, 13:07