Klimawandel, Rente, Steuern: Spannender Schlagabtausch beim Triell

Die Kanzlerkandidaten zur Bundestagswahl 2021: v.li: Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Buendnis 90/die Gruenen), Armin Laschet (CDU).

Klimawandel, Rente, Steuern: Spannender Schlagabtausch beim Triell

Geschenkt haben sich die Kandidaten nichts: Zwei Wochen vor der Bundestagswahl sind Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz im TV-Triell aufeinander getroffen.

Triell statt Tatort - aber vielleicht noch spannender! Live in der ARD und im ZDF haben sich die Kanzlerkandidatin und die beiden Kanzlerkandidaten anderthalb Stunden lang einen spannenden Schlagabtausch geliefert. Viele Themen wurden angesprochen - der Kampf gegen den Klimawandel zum Beispiel, die Digitalisierung, die Sicherheit der Rente und die Frage, ob die Steuern erhöht werden sollen.

Ist das Rennen schon gelaufen?

Das TV-Triell kurz vor der Bundestagswahl gilt als große Gelegenheit, Unentschlossene zu überzeugen und noch Punkte bei den Wählerinnen und Wählern zu machen. Aber ist es dafür nicht schon zu spät? Ist das Rennen womöglich schon gelaufen?

Keine Stammwähler, viele Kurzentschlossene

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Vor dem Triell sagte Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke dem WDR, dass Laschet die Endphase des Wahlkampfes einläuten kann und eine echte Chance hat, wenn "er es schafft, Scholz in die Defensive zu drängen und Zweifel an einer Regierung unter Scholz' Führung zu wecken". Tatsächlich hat Laschet das im Triell immer wieder versucht - und Scholz zum Beispiel Fehler bei der Aufklärung von Geldwäsche vorgeworfen.

Auch Politikwissenschaftler Thorsten Faas hält Laschets Kampf nicht für aussichtslos. Er verweist auf eine Studie zu früheren Wahlen - danach haben sich 20 bis 25 Prozent der Befragten erst kurz vor dem Wahltag entschieden. Das Werben um diese Unentschlossenen könnte sich also lohnen. Schließlich gibt es immer weniger Wähler, die aus Tradition oder Überzeugung einer Partei die Treue halten.

Noch nie gab es so viele Briefwähler

Andererseits: Die Zahl der Briefwähler ist rekordverdächtig hoch. Vor vier Jahren lag sie bundesweit bei knapp 29 Prozent, diesmal könnten es 37 Prozent werden.

In NRW rechnet Christof Sommer, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW, sogar mit einer 50-Prozent-Quote. Das heißt: Viele warten den Wahlsonntag gar nicht erst ab - und das Triell auch nicht.

Fast hätte es keine Merkel-Ära gegeben

Zwei nebeneinander hängende Wahlplakate mit Schröder und Merkel; unter Schröders Bild steht 'Vertrauen in Deutschland', unter Merkels Bild 'Deutschlands Chancen nutzen'.

Kopf-an-Kopf-Rennen in letzter Minute

Es gibt Beispiele dafür, wie sich das Blatt noch kurz vor der Wahl wenden kann. Das hat die Bundestagswahl 2005 gezeigt: SPD-Kanzler Gerhard Schröder drehte kurz vor Schluss nochmal einmal auf, trotz Umfragewerten nahe der absoluten Mehrheit für die Union. Er verlor zwar, die SPD lag aber nur noch einen Prozentpunkt hinter der Union.

Nach dem Triell allerdings sahen nach einer repräsentativen Umfrage die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer Olaf Scholz als Gewinner - von Trendwende demnach keine Spur.

Stand: 12.09.2021, 22:18