So lief die Schlussrunde der Spitzenkandidaten vor der Bundestagswahl

Spitzenkandidat:innen in der Schlussrunde: Weidel, Lindner, Söder, Laschet (v.l.n.r)

So lief die Schlussrunde der Spitzenkandidaten vor der Bundestagswahl

Von Sabine Henkel

Die Spitzenkandidaten der sieben Bundestagsparteien sind bei ARD und ZDF zur letzten Diskussionsrunde vor der Bundestagswahl zusammengekommen. Dabei wurden auch mögliche Regierungskoalitionen ausgelotet.

Am Donnerstagabend trafen im Ersten und ZDF zum ersten Mal die Kandidatinnen und Kandidaten aller sieben im Bundestag vertretenen Parteien aufeinander - und damit erstmals alle möglichen Koalitionäre.

Nichts Neues, aber Ungeahntes

Es war nicht unbedingt erwartet worden, dass dieses "Polyell" etwas Neues liefern könnte. Und doch kam Ungeahntes ans Licht: Armin Laschet und Markus Söder reduzieren ihren Fleischkonsum, Alice Weidel fährt Fahrrad statt Auto und Christian Lindner ist klimaneutral.

"Alles Ökos", kommentierte Annalena Baerbock von der Seite. Fast zeitgleich kursierte auf Twitter ein Foto von Laschet und Söder beim Verspeisen von Nürnberger Würstchen - zehn auf jedem Teller. Ob das vor oder nach der Fleischreduzierung war, ist noch nicht geklärt.

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Außenpolitik erstmals Thema

Ansonsten blieb alles beim Bekannten. Keine neuen Positionen, keine neuen Versprechen oder Attacken. Das war aber auch bei einer Runde mit Sieben in 90 Minuten tatsächlich nicht zu erwarten.

Es wurde über die zunehmende Radikalisierung der "Querdenker"-Szene gesprochen, über Wohnungspolitik, über Steuerpolitik und sogar über Außenpolitik - ein Thema, das bei allen drei Triellen der Vorwochen gar nicht stattfand.

Es ging um "Schina", wie Olaf Scholz sagt und "Kabuul" wie Armin Laschet zu sagen pflegt. Aussage reihte sich an Aussage, nicht jede und jeder kam bei jeder Frage zu Wort, was es schwierig machte, Positionen zu vergleichen.

Laschet sagt, was er immer sagt

Auffällig aber, dass Markus Söder als Vorsitzender einer Regionalpartei und Ministerpräsident vom Freistaat Bayern sehr viel zu Außenpolitik beizutragen hatte. Der andere Ministerpräsident brauchte nur ein paar Minuten, um zu sagen, was er immer sagt: wie er in Nordrhein-Westfalen regiert – und zwar gut, aus seiner Sicht.

Keiner will mit Weidel - mit Wissler wohl auch nicht

Beide saßen rechts vom Moderatorenduo daneben Christian Lindner, FDP, und Alice Weidel, AfD. Im linken Teil waren Baerbock, Scholz und Janine Wissler platziert. Lagerbildung - keine Koalitionsoptionen.

Dass Weidel und Wissler ganz außen saßen unterstrich ihre Rolle im Koalitionspuzzle: Mit Weidel will niemand; mit Wissler wohl auch nicht.

Eine Grafik zeigt die möglichen Koalitionen nach der Bundestagswahl 2021

Eine Grafik zeigt die möglichen Koalitionen nach der Bundestagswahl 2021

Parteien halten sich vieles offen

Auf eine Wunschkoalition wollte sich dann nur die rechte Seite festlegen: Söder und Lindner sprachen sich für Jamaika aus, was anderes wird ihnen wohl auch nicht übrig bleiben. Baerbock wollte sich darauf aber nicht einlassen. Eine Klimaregierung mit starken Grünen, nannte sie ihre Option - derzeit mehr Wunschdenken als wahrscheinlich. Aber was wohl auch heißen soll: Wer den Grünen mehr bietet und sie mehr machen lässt beim Klimaschutz, bekommt den Zuschlag.

Dass Baerbocks Präferenz aber eine Koalition mit der SPD ist, wurde trotzdem deutlich, vor allem in der Finanzpolitik. Und auch Scholz machte noch einmal klar, dass er mit den Grünen regieren möchte. "Vielleicht reicht es ja zu zweit." Es sieht allerdings eher so aus, dass sich von den sieben mindestens fünf in der nächsten Woche wiedersehen und verhandeln werden.

Stand: 24.09.2021, 07:30